Corona

Statt Café macht sie Glace

Miranda Ries

Miranda Ries

Wie eine Café-Betreiberin in Muttenz aus der Not eine Tugend macht und in der Coronaflaute ihr eigenes Glace herstellt.

Eigentlich würde Miranda Ries ihr Restaurant gerne wieder öffnen, ihren jungen Gästen wieder Unterwasser-Wienerli und Chicken-Nuggets aus der Schatztruhe kredenzen. Das dürfte sie seit dem 11. Mai sogar. Die Gäste aber blieben dennoch weg. Nicht, weil ihr «Café Hallenbad» in Muttenz, dessen Pächterin sie seit dreieinhalb Jahren ist, nicht beliebt wäre. Ganz im Gegenteil.
Aber solange das Hallenbad geschlossen bleibt, macht die Wiedereröffnung des Cafés keinen Sinn. Das wird frühestens Mitte August der Fall sein – dann, wenn nicht nur Bäder wieder öffnen dürfen, sondern auch die jährliche Revision erledigt ist. Denn Laufkundschaft gibt es hier draussen nur wenig, weshalb sie auf Badegäste angewiesen ist, auf Kursteilnehmer und deren wartende Eltern.

Es begann mit Schoggi und Vanille in der eigenen Gefriertruhe

Was also tun? Miranda Ries ist ein Schleckmaul, eine passionierte Nascherin. Bevor sie bei einem Essen

aufs Dessert verzichtet, lässt sie lieber die Vorspeise sausen – ohne zu zögern. Dass sie vor zwei Jahren damit begann, die eigene Glace zu produzieren, hat viel mit dieser Leidenschaft fürs Süsse zu tun. Und natürlich ihre 15 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Confiserien. Sie begann, wie vielleicht alle Glacemacher begannen: mit einer Ein-Liter-Maschine, mit Schoggi und Vanille. Sie füllte sie in Becher zu 150 Millilitern ab und stellte sie in die Gefriertruhe ihres Cafés. Und dann verkaufte sie sie. Und zwar dermassen erfolgreich, dass aus den anfänglichen Standardsorten schnell eine ziemliche Auswahl wurde – und aus der einen Eismaschine deren drei – à jeweils einen Liter. Mittlerweile produziert Ries 25 Geschmacksrichtungen – von Himbeer bis Läckerli und von Caramel bis Oreo. Nach dem Bestseller gefragt, nennt sie derweil weder Schokolade noch Vanille, sondern Malaga, eine Rahmglace mit eingelegten Rosinen und einem Schuss Rum. Und für die Kinder gibt’s den blauen Schlumpf. Blaue Zungen sind in Muttenz nichts Aussergewöhnliches. Und gerade gibt es ziemlich viele davon. Denn die Glace ist Miranda Ries’ Fahrschein aus dem Zwangsurlaub. Gemeinsam mit ihrer Tochter und deren Freund hat sie vergangenes Wochenende ihren eigenen Eiswagen gezimmert, ihr «Glace-Wägeli», wie sie sagt. Zwei Tage waren die drei beschäftigt, schraubten, massen, bemalten und verkabelten, ein richtiges Familienprojekt sei es geworden.

Für das Zahlen des Pachtzinses reicht’s vielleicht doch nicht

Seit Mittwoch steht sie nun an der Muttenzer Hauptstrasse und verkauft selbstgemachte Glace aus ihrem türkisblauen Wägelchen. 20 Sorten hat sie jeweils im Gepäck, den Strom bezieht sie vom Blumenladen, deren Betreiberin sie umstandslos unterstützte. «Ich bin total begeistert», sagt sie. Begeistert ob des erfolgreichen Verkaufsstarts, ob der Unterstützung, ob des fabelhaften Glace-Wetters.
Hält Letzteres, ist Miranda Ries zuversichtlich, mit dem Glace-Verkauf die Ausfälle des Cafés einigermassen zu überbrücken. Ihre zehn Angestellten im Stundenlohn beziehen Kurzarbeit. Ob es allerdings für den Pachtzins reicht?

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