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Corona stoppte den Tourismus-Boom in Basel - die Erholung dauert wohl rund fünf Jahre

In Basel hat der Tourismus in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark an Bedeutung gewonnen. 2019 waren fast 10'000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von Freizeits- oder Geschäftsreisen abhängig, wie eine Studie zeigt. Aktuell steckt die Branche allerdings in einer tiefen Krise.

Hans-Martin Jermann
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Das Basler Rathaus wird gerne von Touristen besucht. lm Coronajahr 2020 hat die Zahl der Übernachtungen in der Stadt allerdings um über 60 Prozent abgenommen.

Das Basler Rathaus wird gerne von Touristen besucht. lm Coronajahr 2020 hat die Zahl der Übernachtungen in der Stadt allerdings um über 60 Prozent abgenommen.

Roland Schmid

9'700 Arbeitsplätze sind in Basel auf den Tourismus zurückzuführen. Dies entspricht 6,2 Prozent aller Beschäftigten im Kanton. Zudem generierte die Branche 2019 eine Wertschöpfung von 826 Millionen Franken, was 2 Prozent der hiesigen Wirtschaftsleistung entspricht. Dies geht aus einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Economics AG hervor.

Angesichts des hohen Stellenwerts, den der Tourismus in Basel im öffentlichen Diskurs geniesst, wirken insbesondere die Zahlen zur Wirtschaftsleistung eher ernüchternd. Gemessen etwa an der Wertschöpfung der Life-Sciences-Branche mit den beiden globalen Giganten an der Spitze sehe jene des Tourismus wohl etwas bescheiden aus, räumt Basel-Tourismus-Chef Daniel Egloff auf Anfrage ein. Die fast 10'000 Arbeitsplätze, welche die Tourismuswirtschaft direkt oder indirekt anbiete, seien gleichwohl beachtlich.

«Auch, weil in dieser Branche viele ungelernte Personen eine Arbeit finden»,

betont Egloff.

Von den insgesamt 7'100 Arbeitsplätzen im Basler Gastgewerbe (nach Vollzeit-Äquivalenten) sind vier Fünftel in der Gastronomie angesiedelt, ein Fünftel in der Hotellerie. Davon hängen laut Studie 4'400 (62%) direkt am Tourismus. Die Arbeitsplätze-Zahl in dieser Branche hat in Basel zwischen 2008 und 2019 um 19 Prozent zugenommen. Neben diesen direkt vom Tourismus abhängigen Arbeitsplätzen existieren etwas mehr als 5'000 indirekt wegen des Tourismus. Dazu gehören etwa Mitarbeitende von Museen, Reinigungsfirmen oder Modegeschäften.

Boom vor Corona stärker als in der übrigen Schweiz

Der Tourismus in Basel hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten – bis zum Ausbruch der Coronakrise – stark zugelegt. Die Zahl der Übernachtungen hat sich zwischen 1999 (640'000) und 2019 (1'400'000) mehr als verdoppelt.

Das Wachstum war weit stärker als im landesweiten Durchschnitt: Nahm die Zahl der Logiernächte zwischen 2008 und 2019 schweizweit um 7 Prozent zu, waren es in Basel-Stadt 41 Prozent. Damit einher ging ein noch massiverer Ausbau des Angebots, sprich ein Hotel-Bauboom: Die Zahl der Betten hat im selben Zeitraum um 66 Prozent auf 9'172 zugenommen. Schweizweit blieb die Bettenzahl mehr oder weniger stabil.

Die Pandemie trifft den Tourismus in Basel doppelt

Aus bekannten Gründen ist der Tourismus in den vergangenen 15 Monaten eingebrochen. 2020 verzeichnete Basel-Stadt 62 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahr. Die Abnahme fällt hier stärker aus als im Schweizer Schnitt (-40%).

Dies vor allem aus zwei Gründen: Erstens, weil der Tourismus in Basel noch internationaler ist als in der übrigen Schweiz, das Wegbleiben von ausländischen Gästen den hiesigen Tourismus also stärker trifft. Und zweitens, weil der Städtetourismus stärker als etwa jener in den Bergen unter Corona gelitten hat.

Laut Daniel Egloff, Tourismusdirektor Basel

Laut Daniel Egloff, Tourismusdirektor Basel

Juri Junkov

Der anhaltende Aufwärtstrend sei durch den coronabedingten Nachfrageschock unterbrochen worden, analysiert Egloff.

«In vier, fünf Jahren werden wir aber wieder auf Vor-Corona-Niveau sein»,

ist er überzeugt. Das heisst aber auch, dass einzelne Bereiche über den Sommer hinaus auf staatliche Hilfe angewiesen sein werden.

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