Armut

Schlangestehen für das Nötigste - seit dem Lockdown sind Angebote für Bedürftige sehr gefragt

Warteschlange vor dem Caritas Laden in Basel an der Ochsengasse

Warteschlange vor dem Caritas Laden in Basel an der Ochsengasse

Seit dem Lockdown warten auch in Basel viele vor Institutionen, die Armutsbetroffene unterstützen.

Die Ochsengasse liegt hinter dem Claraplatz und ist nur etwa 100 Meter lang. An diesem Mittwochnachmittag um 14.20 Uhr dominieren wartende Menschen das Strässchen: Die erste Warteschlange befindet sich vor dem McDonalds Take-away. Die zweite Schlange ist um einiges länger und besteht aus Personen, die sich vermutlich nicht mal einen Cheeseburger leisten könnten. Ganze zwanzig Personen stehen vor dem Caritas-Markt und warten darauf, in den Laden gelassen zu werden.
«Es sind mehr und auch neue Leute, die seit dem Lockdown im Caritas-Markt einkaufen», sagt Domenico Sposato, Geschäftsleiter der Caritas beider Basel. Wer hier einkaufen will, muss nachweislich am Existenzminimum leben. Das Angebot reicht von Lebensmitteln bis zu Non-Food-Artikeln wie Shampoo oder Tampons. Die Produkte sind nicht gratis, im Schnitt aber mindestens 40 Prozent günstiger als in einem gewöhnlichen Supermarkt.

Auch die anderen Angebote der Caritas sind momentan sehr gefragt. Sposato erzählt von einer Studentin, die zu einem Beratungsgespräch gekommen ist. «Sie hat neben dem Studium gejobbt und so ihren Lebensunterhalt bestritten. Von heute auf morgen stand sie dann ohne Job und ohne Erwerbsersatz da und wusste nicht, was tun.» Es sei bezeichnend für die gegenwärtige Krise, dass sie diejenigen am härtesten treffe, die vorher knapp über die Runden gekommen sind, jedoch keine Reserven haben.

Dreimal so viele Menüs wie vor Coronazeiten verteilt

Die Beobachtung, dass neue Leute unterstützende Angebote in Anspruch nehmen, macht man auch anderswo. Nicht nur bei der Gassenküche, auch bei der Essenausgabe vom «Treffpunkt Glaibasel» bestätigt man, immer wieder neue Gesichter zu sehen. «Achtzig Prozent der Personen kennen wir schon lange, zwanzig Prozent sind neue Leute», schätzt Geschäftsführer Hüseyin Haskaya. Die Kleinbasler Anlaufstelle für Benachteiligte und Armutsbetroffene hat nach dem Lockdown vom Mittagstisch auf Take-away umgestellt. Die Menüs, die früher 5 Franken kosteten, werden im Moment gratis abgegeben. Seither machen dreimal so viele Leute vom Angebot Gebrauch.

Die Sozialhilfe Basel-Stadt stellte in der zweiten Märzhälfte eine bedeutende Zunahme der Fälle fest. Amtsleiter Rolf Illes betont aber: «Die Zahlen der Sozialhilfe sind nur ein Aspekt von Armut.» Beim Amt spüre man die Zunahme der Armut oft erst verspätet, da viele Menschen zuerst andere Möglichkeiten ausschöpfen. Illes geht davon aus, dass die Sozialhilfequote im laufenden Jahr steigen wird.

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