Künstler
René Noël verschönert die Rheingasse mit Fröschen, Nilpferden, Tänzerinnen und ganz persönlichen Geschichten

20 Jahre lang hat René Noël das «Manger et Boire» verschönert. Nach deren Schliessung hat er jetzt «Asyl» gefunden an der Rheingasse und auf über 25 Metern ein Bild gemalt.

Elodie Kolb
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Ozeanblau statt weiss wollte René Noël die Bauabschrankung haben.

Ozeanblau statt weiss wollte René Noël die Bauabschrankung haben.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

Zwischen 25 und 30 Meter lang ist die ursprünglich weisse Bauabschrankung vor dem Schwarzen Bären in der Rheingasse. Bald ist es zwei Jahre her, als im Dachstock des Gebäudes Feuer ausgebrochen ist. Jetzt zieren Nilpferde, Frösche, Tänzerinnen und ein grosser Stier den ozeanblauen Hintergrund. Der französische Künstler René Noël hat in den letzten Monaten die Wand bemalt. Wie lange er gebraucht hat, könne er nicht genau sagen, «jeden Tag habe ich ein bisschen gemalt», erzählt er zuerst beim Espresso, dann beim Rotwein im «Schmalen Wurf» direkt gegenüber.

«Manger et Boire» war «Atelier und Galerie zugleich»

Wie der 73-Jährige erzählt, seien die Motive immer spontan entstanden. «Es ist eine Geschichte der Freundschaften und der Menschen im Kleinbasel und dem Schmalen Wurf» erzählt Noël lachend. Hinter den Motiven stecken dann auch persönliche Geschichten. Zum Beispiel das Feuerzeug ganz rechts oben, unterhalb eines «Käppelijoch»-Schriftzugs. Das sei eine Erinnerung, die er mit Michele Parisi, dem Wirt des «Schmalen Wurfs» teile, die aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. Aus dem «Corned Beef» aus der Dose, das er aus dem Militär kenne, hat er kurzerhand «Corona Beef» gemacht und begründet: «Jetzt ist der Moment, um das zu machen.» Und aus einem Brandloch am Boden der Abschrankung wurde denn ein Loch, aus dem eine Ratte herauskommt.

Während über zwei Dekaden hat der in Hegenheim wohnende Künstler jährlich die Wände des «Manger et Boire» neu bemalt. Doch die Partnerschaft fand ein abruptes Ende: Das Lokal an der Gerbergasse überlebte die Coronakrise nicht und musste schliessen. «C’est dommage», sagt Noël dazu. Das Lokal sei gewissermassen «sein Atelier und seine Galerie zugleich» gewesen. Jetzt hat er im «Schmalen Wurf» an der Rheingasse «Asyl» gefunden.

Das Bild soll Freude bereiten

Dass eine Bauabschrankung keine permanente Leinwand in der Rheingasse darstellen kann, sei ebenfalls nicht schlimm: «Seine Kunstwerke sind eigentlich immer vergänglich – die Bilder im «Manger et Boire» hat er jedes Jahr neu gemalt. Ihm sind die Bilder eigentlich nur so lange wichtig, bis sie fertig sind. Danach sind sie für ihn im Grunde nicht mehr interessant», erzählt Martin Bachmann, ein guter Freund und eine Art Manager von Noël.

Bei genauem Betrachten werden «Graffiti-Tags» sichtbar zwischen den Motiven des tierischen Panoramas. Denn: Die Acrylfarben sind wetterfest, schützen aber nicht vor Strassenkunst und Schmierereien. Anstatt sich darüber zu ärgern, hat Noël diese aber einfach in sein Werk miteinbezogen. Das sei schliesslich ein Teil der Jugendkultur und die könne man nicht einfach übermalen, meint Noël.

Das Bild soll Freude bereiten. Den Gästen im «Schmalen Wurf», aber auch den Leuten, die vorbeigehen. Einige Kinder durften gar mithelfen, den blauen Hintergrund zu malen, erzählt Noël fröhlich: «Das hat ihnen gefallen, was mich wiederum gefreut hat.»

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