Persönlich
Ein gut investierter Franken

Wenn ein Streifzug durch die Basler Brockenstuben anders endet als geplant. So viel bekommt man für einen einzigen Franken.

Silvana Schreier
Silvana Schreier
Merken
Drucken
Teilen
Ein Ort voller Schätze: In Brockenstuben gibt es Allerlei zu entdecken.

Ein Ort voller Schätze: In Brockenstuben gibt es Allerlei zu entdecken.

Symbolbild: Bruno Kissling

Jedes Kind weiss, wovon ich spreche. Während die Eltern gerade den Einkauf auf das Förderband an der Kasse hieven, blinzeln einen die Schoggiriegel, Kaugummi oder Gummibärchen verlockend an. Unwiderstehlich und auf Augenhöhe der kleinen Einkäufer warten sie auf dem Regal. Zugreifen ist ein Muss – sehr zum Leidwesen der Eltern natürlich.

So erging es mir, als ich vergangene Woche an meinem freien Tag eine Tour durch die Brockenstuben im Kleinbasel machte. Eigentlich sollten es Balkonmöbel sein – vielleicht eine schöne Holzbank oder ein Rattansessel –, die mit mir nach Hause kommen.

Doch bereits vor dem Eingang des ersten Brockis zog mich ein ganz anderer Gegenstand fast schon magisch an. Das dunkle Waldgrün und der weiche Stoff. Ich konnte nicht anders: An dem knielangen Wollmantel konnte ich nicht einfach vorbeigehen. Nach dem kurzen Anprobieren vor dem verschnörkelten Brockenhausspiegel – ja, der Mantel passte sogar wie angegossen – schritt ich schnurstracks zur Kasse. Die Balkonmöbel, die heute eigentlich auf meiner Einkaufsliste standen, waren vergessen.

Und als dann der Verkäufer mir den Preis nannte, war es unwiderruflich um mich geschehen: «Ein Franken, bitte.» Ich verdoppelte den Betrag und spendete eine Münze in die Kaffeekasse. Und den sommerlichen Mantel führte ich am nächsten Tag trotz anhaltender winterlicher Kälte natürlich sofort aus.