Nordwestschweiz
Studie zeigt: 63 Prozent der Primar- und Sekundarschüler bevorzugen Unterricht vor Ort

Eine Studie der beiden Basel, Solothurn und Aargau zeigt: Fernunterricht funktioniert, Präsenz ist aber besser.

Lukas Scherrer und Elodie Kolb
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Der soziale Kontakt fehlte während dem Fernunterricht.

Der soziale Kontakt fehlte während dem Fernunterricht.

Archivbild: Arthur Gamsa

Als die Schulen wegen der Pandemiebekämpfung vergangenen Frühling auf Fernunterricht umstellen mussten, wurden nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Lehrpersonen und Eltern ins kalte Wasser geworfen. Vorerfahrungen oder Konzepte dazu fehlten weitestgehend. Eine Studie der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz liefert nun erstmals Erkenntnisse dazu, wie der Fernunterricht auf der Primar- und Sekundarstufe 1 in den Kantonen Basel-Stadt, Baselland, Aargau und Solothurn von den beteiligten Akteuren wahrgenommen worden ist.

Oft eine Mehrbelastung für Eltern und Lehrpersonen

Obwohl sowohl Lehrpersonen als auch Eltern grosses Verständnis für die Umstellung auf Fernunterricht hatten, zeigt sich in der Studie, dass das Unterrichten und betreute Lernen der Schüler häufig zu einer Mehrbelastung führte. Diese trug jedoch Früchte: Die Einschätzung des Lernzuwachses der Schüler fiel laut der Umfrage mehrheitlich positiv aus. Alle Akteure nahmen positive Auswirkungen des Fernunterrichts auf das Lernen der Schüler und auf den Unterricht wahr.

Der überwiegende Teil der insgesamt über tausend Schüler, die an der Studie teilgenommen hatten, gaben an, im Fernunterricht manchmal oder oft motivierter und konzentrierter gewesen zu sein als im normalen Unterricht. Auch die eigene Selbstständigkeit wurde mehrheitlich als gross eingeschätzt. Dennoch stehen 63 Prozent der Schüler dem Fernunterricht eher ablehnend gegenüber und bevorzugen den Unterricht in der Schule.

Nur wenig soziale Kontakte im Fernunterricht

So heisst es auch in einer Medienmitteilung zur Studie, dass der Fernunterricht trotz der kurzfristigen Organisation im Grossen und Ganzen erfolgreich habe umgesetzt werden können.

Dennoch habe der Präsenzunterricht höchste Priorität. Besonders für jüngere, leistungsschwächere und fremdsprachige Schüler sei die individuelle, persönliche Unterstützung «zwingend», damit die Chancengleichheit gewährleistet werden könne. Diese sei im Fernunterricht «erschwert» gewesen, heisst es in der Studie. Laut der Umfrage waren die Schüler im Durchschnitt etwa drei Stunden täglich mit schulischen Aufgaben beschäftigt, was deutlich weniger sei als während des normalen Unterrichts. Auch die sozialen Kontakte seien im Fernunterricht zu kurz gekommen. Die Hälfte der befragten Schüler gab an, sich während dieser Zeit nie oder selten mit Freunden aus der Nachbarschaft getroffen zu haben, auch gelernt wurde nur wenig mit Klassenkameraden. Soziale Kontakte seien für die meisten Schüler aber von zentraler Bedeutung.

Bessere Beziehung zwischen Eltern und Lehrern

Die familiäre Situation zu Hause hatte grossen Einfluss auf das schulische Lernen während des Fernunterrichts. Ein geregelter Tagesablauf sowie Motivation und Unterstützung durch die Eltern wirkten sich laut Studie positiv auf das Lernen der Kinder aus. Trotz der kurzfristigen Umstellung äusserten die befragten Eltern viel Lob zur Arbeit der Lehrpersonen und Schulen. Einige Schulleitungen nannten bei den positiven Auswirkungen des Fernunterrichts gar eine gestärkte Beziehung zwischen Lehrpersonen und Eltern.

Die Datengrundlage für die Studie bildet eine im Juni und Juli 2020 durchgeführte Onlinebefragung bei Schulleitungen, Lehrpersonen, Eltern sowie Schülern der 4. bis 8. Klasse in den vier Kantonen. Ziel ist es laut Mitteilung gewesen, die Organisation des Fernunterrichts zu untersuchen und andererseits Erkenntnisse aus der Erfahrung der Eltern und dem Erleben der Schüler zu gewinnen. Die Studie ermögliche darüber hinaus auch Rückschlüsse für die Umsetzung des Präsenzunterrichts, so die Mitteilung.