Lockerungen

Neues Schutzkonzept sorgt für Empörung unter Gastronomen

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Contact-Tracing fängt in der Gastronomie an. Dies verärgert Basler Gastronominnen und Gastronomen.

Seit Dienstag ist das neue Schutzkonzept für die Gastronomie bekannt. Bei den auf sieben Seiten aufgeführten kleineren und grösseren Vorgaben fällt ein Punkt besonders ins Auge: Neu sollen Gäste bei einem Besuch ihren Namen, ihre Telefonnummer und die Uhrzeit beim Personal hinterlassen. Damit könne im Falle einer Ansteckung das Contact-Tracing aufgenommen werden. Die Betriebe sind verpflichtet, diese Daten 14 Tage lang aufzubewahren und danach zu vernichten.

Die Vorgabe löste nach Bekanntgabe eine Empörungswelle in den sozialen Medien aus, bei der sich Wirte wie Gäste gleichermassen verunsichert zeigten. Besondere Resonanz bekam der Beitrag von Benjamin Hohlmann, der als Geschäftsführer von der Firma Kaffeemacher das Café Frühling im Kleinbasel und das Kaffeemacher Café am Bahnhof Basel SBB betreibt. «Unter diesen Massnahmen hätte einer Öffnung niemals zugestimmt werden dürfen», schrieb er. Der Beitrag wurde auf Facebook innert Kürze rund siebzig Mal geteilt und fand breite Zustimmung.

«Ich war von Anfang an nicht begeistert von der frühzeitigen Wiedereröffnung», sagt Hohlmann auf Anfrage. Das habe zum einen wirtschaftliche Gründe: Zu sagen, die Gastronomie könne in der Lage sein, eine Deckung ihrer Fixkosten zu erwirtschaften, halte er für weltfremd. Schliesslich gelte es ab Montag wieder, Personal-, Reinigungs- und Warenkosten zu decken – und das bei reduziertem Betrieb. Zum anderen bedeute Gastronomie nicht nur reine Konsumation, sondern biete auch ein Erlebnis an. «Der Grund, warum ich Gastronomie betreibe, fällt in diesem Setting weg.»

Natürlich sei er bereit, Schutzmassnahmen zu treffen und einzuhalten. Man habe sich die letzten Tage intensiv darauf vorbereitet. «Dass wir nun aber die Daten der Gäste erfassen müssen, ändert alles.» Einerseits, weil es ein Riesenaufwand sei, andererseits habe er Bedenken bezüglich des Datenschutzes: «Ich denke, viele Gäste sind nicht bereit, diesen Schritt zu tun, und ich will sie auch nicht dazu zwingen.» Unter diesen Umständen hätte er lieber mit einer Öffnung zugewartet, bis die Contact-Tracing-App auf den Markt kommt. Auch andere Gastronomiebetriebe stehen der Datenerfassung kritisch gegenüber. Man wolle nicht Polizist spielen, heisst es beim Café Huguenin, und das Unternehmen Mitte überlegt sich sogar, unter diesen Umständen das Kaffeehaus noch im Take-Away-Betrieb zu lassen.

Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung fällt weg

Auch Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt hat kein Verständnis für die Massnahme. «Wie sollen Wirte mit viel Laufkundschaft das umsetzen?» Ebenfalls für fatal hält er die Aussage im Konzept, dass Betrieben den Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung entzogen werden kann, wenn sie am 11. Mai nicht öffnen.

«Da liegt der Gedanke nahe, dass man die Gelegenheit dazu nutzen wollte, Leute aus der Kurzarbeit zu holen», sagt Ebneter und spielt dabei auf das Staatssekretariat für Wirtschaft an, das an der Ausarbeitung des Konzepts beteiligt war. «So zwingen wir Gastronomen, unter Bedingungen zu arbeiten, die sie direkt in den Konkurs führen.» Und er resümiert: «Wenn die Bundesbehörden meinen, eine Öffnung sei nur unter solch strengen Auflagen möglich, wäre es ehrlicher gewesen, man hätte die Gastbetriebe noch zugelassen.»

Wirt Benjamin Hohlmann will sich dennoch nicht entmutigen lassen. Unter dem Motto: «Gestern habe ich geschimpft, heute suche ich kreative Lösungen», teilte er in den sozialen Medien einen Aufruf «zum nationale Usestuehle»: Wer kann, solle die eigenen Stühle und Tische vor den Hauseingang stellen und damit die Terrassen-Flächen von Cafés und Restaurants distanziert erweitern.

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