Nun, dass sich in den Dörfern das Rad der Zeit etwas langsamer dreht als in der Stadt: Das ist kein Geheimnis. In Arisdorf hat sich ebendieses nun sogar zurückgedreht. Unter dem alten Schulhaus ist es jetzt aber vorläufig zum Stehen gekommen: Hier hinterlässt die Denkmalpflege ihre vorerst letzte Duftmarke im Dörfchen: Nach knapp einem Jahr und drei abgeschlossenen Renovationen wendet sich der Denkmalschutz nun anderen Dingen zu. Oder wie die kantonale Denkmalpflegerin Brigitte Frei-Heitz selbstbewusst sagt: «Wir haben nicht viel Geld investiert, aber einen grossen Effekt erzielt.»

Kanzel stand Chorsängern im Weg

Der Umbau des Raums unter dem alten Schulhaus markiert nun das vorläufige Ende der Restaurationsarbeiten. Statt den altehrwürdigen Keller in Vergessenheit geraten zu lassen, hat man nun die Wände abgedichtet und daraus einen Veranstaltungsraum gemacht. «Vorher haben in dieser Feuchtigkeit nur Äpfel und Kartoffeln überlebt», sagt Frei-Heitz.

Prunkstück der Umbauarbeiten der vergangenen Monate ist indes die Arisdörfer Kirche: Hier hat man sich des zweifelhaften architektonischen Erbes der 60er-Jahre angenommen. Damals stand die Kanzel bei den Gottesdiensten im Weg. Lange wurde nicht gefackelt. Das Hochbauamt führte kurzerhand eine Totalsanierung durch und entrümpelte die halbe Kirche: Emporen und die Vorhalle wurden abgebrochen und die Kanzel auf den Boden gesetzt.

Hätte es damals schon eine Denkmalpflege gegeben, ist sich Frei-Heitz sicher, so etwas wäre nie passiert. Die Umbauten waren aber nicht nur denkmalpflegerisch zweifelhaft, sondern erschwerten in letzter Zeit gar den Konzertbetrieb: Die Kanzel stand den Chorsängern schlicht im Weg.

Nun hat man gewissermassen den Status quo wiederhergestellt. Die Kanzel wurde dahin zurückverschoben, wo sie vorher fast 300 Jahre stand. Nur die Treppe und die Eichensäule mussten ersetzt werden, weil sie sich nicht erhalten haben. Hätte die kantonale Denkmalpflege nicht ins Portemonnaie gegriffen – die Kirchgemeinde hätte den Umbau nicht alleine stemmen können.

Um das Heuschürli ranken sich Legenden

Vor dem vollständigen Zerfall hat man auch das Heuschürli bewahrt. Die Hütte beim Bechhof drohte fast einzustürzen, als sich der Natur- und Kulturverein «Leben in Arisdorf» der Sache annahm. Um das Heuschürli, sagt man, ranken sich Legenden. Der Arisdörfer Historie ist man bei der Restauration nicht nähergekommen: Noch immer wird darüber spekuliert, ob der Bau aus dem 18. Jahrhundert als winzige Kapelle für die grenzbewachenden Katholiken diente. Oder ob man der alten Baselbieter Sage mit der Obrigkeit in der Hauptdarstellerrolle glauben soll: «Auch mittags von elf bis zwölf wollen erfahrene alte Leute diesen Waffenübungen schon zugesehen haben und den Grafen von Geiseck deutlich erkannt haben.»

Ob die Scheune nun als Kapelle diente oder den Reiterspielen, weiss die kantonale Denkmalpflegerin nicht. Aber nun, da man den Dachstuhl geflickt und das undichte Dach neu gedeckt hat, kann die Legendenbildung wohl noch Hunderte Jahre weitergehen: bis die Denkmalpflege in Arisdorf ein nächstes Mal eingreifen muss.