Basel

Nach brutaler Attacke auf FCB-Fans: Zwölf Hooligans angeklagt

Schläger aus Zürich und Karlsruhe planten zum Saisonende 2018 einen gezielten Angriff auf FCB-Fans.

Die Auseinandersetzungen vom 19. Mai 2018 waren von einer schockierenden Brutalität: Dutzende junger Männer, die Jagd auf ihre Kontrahenten machen und in scheinbar blinder Zerstörungswut Autos attackieren. Zum Ende des Videos wird ein Absperrgitter auf ein Auto geworfen. Dessen Fahrer braust im Rückwärtsgang davon und überfährt um ein Haar mehrere Personen.

Nun liegt die Anklageschrift vor. Zwölf Männer im Alter zwischen 23 und 36 Jahren müssen sich kommendes Frühjahr vor dem Basler Strafgericht verantworten – alle wegen Raufhandel (juristisch für Massenschlägerei). Mehrere sind auch wegen versuchter schwerer Körperverletzung angeklagt. Acht der Angeklagten stammen aus der Region Zürich, zwei aus Deutschland und zwei aus Basel.

Die Eskalation kam damals völlig überraschend. Früher am Abend hatte der FC Basel noch gegen den FC Luzern 2:2 gespielt. Das letzte Spiel der Saison war nur noch für die Statistik. Die Meisterschaft war längst entschieden. Der FCB war nach acht Jahren in Folge von YB entthront worden.

Im Anschluss an den Match fand auf der Eventplattform hinter der Muttenzerkurve eine Saisonabschlussfeier statt. Was niemand wusste: Eine Gruppe Hooligans aus Zürich hatte geplant, zusammen mit Schlägern des SC Karlsruhe diese Feier anzugreifen. Dabei waren die Schläger teilweise mit speziell ausgerüsteten Handschuhen und Zahnschutz ausgerüstet. Damit es keine Verwechslungen gibt, trugen sie alle weisse T-Shirts mit dem Aufdruck «ZKH». Die Abkürzung steht für «Zürichs kranke Horde» – eine lose Gruppierung Schläger aus dem Umfeld der beiden Zürcher Fussballclubs.

Tritte gegen den Kopf: Haftstrafen von bis zu fünf Jahren möglich

Der laut Anklageschrift «vor Hass strotzende Zürcher Mob» stürmte aus Richtung Lehenmatt auf das Basler Stadion zu. Als Erstes trafen sie auf eine kleinere Gruppierung FCB-Fans, die gerade ein Graffiti an der Eisenbahnbrücke anbringen wollte. Es kam zu einer heftigen Massenschlägerei. Die Basler wurden bald von weiteren FCB-Anhängern unterstützt, gewannen so später die Oberhand und konnten ihre Kontrahenten in die Flucht schlagen.
Die auswärtigen Hooligans gingen beim Angriff äusserst brutal vor. So wurden offenbar Fusstritte gegen den Kopf von bewusstlosen Gegnern verabreicht. Damit wurden laut Anklage schwere oder gar lebensgefährliche Verletzungen in Kauf genommen.

Beurteilt wird der Fall von einem Dreiergericht. Dieses kann Haftstrafen von bis zu fünf Jahren aussprechen. Diejenigen, die «nur» wegen Raufhandel angeklagt sind, dürften glimpflicher davonkommen. Das zeigt der nicht akzeptierte Strafbefehl gegen einen Basler Anhänger. Er kassierte eine Geldstrafe in der Höhe von 10 000 Franken. Für den Prozess sind insgesamt rund elf Tage vorgesehen.

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