Weltweit gefragt
Mit seinen Trompeten spielen Musiker in Chicago, Hongkong und Singapur

Der Blechblasinstrumentenbauer Egger ist bei nachgebauten Trompeten und Posaunen tonangebend – weltweit. Aber auch einige Miglieder des Basler Stadtposaunenchors setzten auf Egger-Posaunen.

Von Stefan Schuppli (Text) und Kenneth Nars (Fotos)
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Vom Klang und Glanz historischer Instrumente
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Zugeschnittenes Messingblech wird in eine Grobform gebracht ... Zugeschnittene
.. und über eine Form gehämmert

Vom Klang und Glanz historischer Instrumente

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Rainer Egger nimmt ein langes schmales Messingblech hervor. «Das hier vorne wird das Schallstück», und zeigt auf das Teil des Bleches, welches in einem Dreieck endet. «Das Blech wird zu einem Rohr geformt, am vorderen Ende entsteht der Trichter», und zeigt auf einige bereits in grob gefertigte Zwischenfabrikate.

Durch das Erhitzen sind sie unansehnlich schwarz geworden und es ist kaum zu glauben, dass diese Teile dereinst glanzvolle Barock- oder Renaissanceposaunen werden sollen. Das ist das Besondere an Eggers Werkstatt auf dem Dreispitz: Hier wird alles vor Ort gefertigt. Und zwar zumeist nach alter Tradition von Hand, mit Hammer, Spezialamboss und Metallzieh-Werkbank.

Auch die Legierung spielt für den Klang eine Rolle

«Wir haben festgestellt, dass mit von Hand gehämmerten Instrumenten ein viel farbigerer Klang erzeugt werden kann als mit maschinell produzierten. Der Bläser kann den Ton besser gestalten.» Auch die Legierung spielt eine Rolle, sagt Egger. Für historische Instrumente greift er seit kurzem wieder auf das damals übliche Messing mit einem Bleigehalt von zwei Prozent zurück. Bezüglich Giftigkeit unproblematisch, wie im das Institut Empa bestätigt habe. Bleihaltiges Messing sei zwar anspruchsvoller in der Verarbeitung, aber «dafür sind wir dem Original wieder einen Schritt näher gekommen».

Er nimmt sein neustes Prunkstück hervor, eine exakte Kopie der ältesten bekannten, heute noch existierenden Posaune. Sie ist von entrückter Schönheit. Das Original wurde 1579 von Anton Schnitzer d. Älteren in Nürnberg gefertigt und ist im Veroneser Museum Academia Filarmonia zu sehen. Egger ist eigens dorthin gereist, hat das Instrument eingehend begutachtet und Mass genommen.

Ein federleichtes Instrument

Wir bekommen die Gelegenheit, ein paar Töne spielen. Das Instrument ist federleicht. Es spricht gut an und hat einen leisen, samtenen Ton, der menschlichen Stimme nicht unähnlich. Das ist der engmensurierten Bauart zu verdanken: kleiner Rohrdurchmesser, schlanker Schallbecher. Das Wunderding hat seinen Preis: 8750 Franken. Der Handwerker brauchte dafür zwei Wochen.

Zusammenarbeit mit Hochschulen und Musikern

Es kommt nicht von ungefähr, dass Egger solche Instrumente baut. Schon in den 70er-Jahren hatte er Kontakt zu dem an der Schola Cantorum lehrenden Trompeter Edward Tarr, der ein Revival der ventillosen Barocktrompete einleitete. Egger begann historische Instrumente zu restaurieren und später nachzubauen.

Zusammen mit den Schola-Lehrern wurden die Barocktrompeten und posaunen laufend verbessert. Trompeten wurden unter anderem mit Grifflöchern, den sogenannten Ton- oder Überblaslöchern, versehen, die das Treffen hoher Töne erleichtern. Bereits sein Vater, der die Firma 1946 gründete, baute und restaurierte Instrumente. Darunter sind die Basler Steigertrompeten, die im Musikinstrumentenmuseum zu sehen sind.

Moderne Trompeten und neue Entwicklungen

Eggers Neugier und seine Leidenschaft, dem guten Klang auf die Spur zu kommen, führt auch immer wieder zu Kontakten zu Fachhochschulen. Oben erwähnte Schnitzer-Posaune war beispielsweise das Thema einer Dissertation. Mit der Berner Fachhochschule arbeitet er zusammen im Bereich historischer Materialien, mit der Fachhochschule Lugano über den Mundstückbau. Hier interessierte vor allem die Strömungstechnik.

Mit einem von ihm mitentwickelten elektronischen Messgerät können Fehler oder Mängel an Instrumenten wissenschaftlich aufgespürt und beseitigt werden. «Kleine Veränderungen haben oft gewaltige Effekte», sagt Egger. Trotz aller Historie: Auch in der Werkstatt ist die Zeit nicht stehen geblieben. So ist dort auch eine CNC-gesteuerte Mundstück-Drehbank zu sehen. Und Egger stellt auch moderne Instrumente her, einige Modelle für Jazz. Eine weitere Spezialität sind die Metall-Kopfstücke für Basler Piccolos. Kenner schwören darauf.

Weltweiter Ruf

Unter Profis und auf alte Musik spezialisierten Laien hat sich Eggers Ruf längst herumgesprochen. Aus der ganzen Welt reist die Kundschaft an. Auf der Referenzliste sind zahlreiche klingende Namen zu finden wie das Basler Sinfonieorchester, das Zürcher Tonhalle-Orchester und die Oper, die Sinfonieorchester in Adelaide, Bochum, Chicago, Dresden, Hongkong und Singapur, um einige zu nennen. Die «Old Guard Fifes and Drum Corps» der US-Army einen Satz Naturtrompeten bestellt («Wir haben unter dem Ring am Schallstück unsichtbar «Peace» eingraviert», sagt schelmisch der Werkstattleiter Gerd Friedel). Und vor wenigen Tagen hat die junge britische Startrompeterin Alison Balsom bei Egger eine Barocktrompete gekauft. «Jetzt spielt sie noch schöner» sagt Werkstattleiter Friedel.

Trotz seinen Erfolgen und Auszeichnungen ist Egger ganz bescheiden geblieben und stellt immer wieder die Arbeit seines Teams ins Zentrum. «Es sind wirkliche Könner hier. Und sie kommen vor weit her...»

Einige Mitglieder des Basler Stadtposaunenchors setzten auf Egger-Posaunen. Er ist heute Abend um 17 Uhr auf dem Münsterplatz zu hören.