Eklat bei MCH Group
Messe-CEO Bernd Stadlwieser tritt zurück – Murdoch-Mann Andrea Zappia übernimmt neu Präsidium

„Unterschiedliche Vorstellungen“ zwischen Bernd Stadlwieser und dem Verwaltungsrat.

Patrick Marcolli und Christian Mensch
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CEO Bernd Stadlwieser an einer Medienkonferenz der MCH Group in Basel, am Freitag, 10. Juli 2020.

CEO Bernd Stadlwieser an einer Medienkonferenz der MCH Group in Basel, am Freitag, 10. Juli 2020.

Keystone

Der Chef der MCH-Group, Bernd Stadlwieser, wirft nach knapp zwei Jahren im Amt das Handtuch. Wie aus einem Mail Stadlwiesers hervorgeht, das dieser Zeitung vorliegt und mittlerweile offiziell bestätigt worden ist, hätten „unterschiedliche Vorstellungen“ zwischen ihm und „Teilen des Verwaltungsrats“ zu diesem Schritt geführt.

Diese würden nicht nur den Inhalt der Zukunftsstrategie der Messe betreffen, schreibt Stadlwieser, „sondern auch was meine persönlichen Erwartungen an den Verwaltungsrat sind, um dieses Unternehmen aus der schwersten Krise seiner Geschichte zu führen“. Er hoffe und glaube, dass mit James Murdochs Engagement „ein starker Ankeraktionär und Verwaltungsräte gefunden wurden, die neue Impulse setzen werden“.

Dass sich Stadlwieser nicht im Frieden vom Unternehmen trennt, zeigt schon sein Kommunikationsverhalten. Die Messeverantwortlichen um Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer und die Zuständige für die interne Kommunikation sahen sich jedenfalls bemüssigt, kurz nach Stadlwiesers Nachricht an einen unbekannten Adressatenkreis eine Nachricht an die Belegschaft der Messe nachzuschieben. Es sei vereinbart worden, dass die Kommunikation am kommenden Montag erfolge. Der CEO habe sich jedoch nicht daran gehalten.

Stadlwiesers Abgang erfolgt per sofort.

Damit gerät das Messeunternehmen erneut in schweres Fahrwasser, nachdem erst kurz vor Jahresende mit vollzogener Kapitalerhöhung eine gewisse Stabilität gefunden worden ist. Überraschend wird Stadlwieser gemäss Mitteilung interimistisch durch Beat Zwahlen ersetzt. Der Finanzmann hatte im Hintergrund als starker Mann gegolten, als das Unternehmen nach dem Abgang des vormaligen CEO René Kamm interimistisch durch den Verwaltungsrat Hans Kristian Hoejsgaard geführt worden ist.

Unter Stadlwieser trat Zwahlen in den Hintergrund. Ende November hat er seinen Rücktritt als Finanzchef angekündigt, was bereits darauf hindeutete, dass der marketingorientierte Stadlwieser und der zahlenfixierte Zwahlen kein Dream-Team gebildet haben.

Eine handfeste Überraschung ist auch die gleichzeitig kommunizierte Präsentation eines neuen Verwaltungsratspräsidenten. Dass der langjährige Präsident und ehemalige Basler Regierungsrat Ueli Vischer an der nächsten Generalversammlung im Frühjahr ausscheiden wird, war bekannt. Erwartet wurde, dass eine unabhängige Persönlichkeit das Präsidium übernehmen wird.

Nun schlägt die MCH Group Andrea Zappia als neuen Verwaltungsratspräsidenten vor. Der 57-jährige war von 2003 bis 2019 bei der Sky-Gruppe tätig, die zum Medienkonzern der Murdoch-Familie gehört. James Murdoch, der neue Ankeraktionär der MCH Group, hat damit einen weiteren Bekannten für das Führungsgremium durchsetzen können, dem er zusammen mit zwei weiteren Gefolgsleuten ebenfalls angehören wird.

Zappia, in Tripolis geboren und vor allem in Italien tätig, hat bisher keine Erfahrung im Messegeschäft. Vor seinem Engagement beim Pay-TV-Konzern war er etwa für Ferrari und Maserati tätig. Er lässt sich mit den Worten zitieren: «Ich freue mich auf diese neue Aufgabe, wenn mir die Aktionäre das Vertrauen entgegenbringen.» Die Frage der bz, weshalb mit Zappia ein weiterer Murdoch-Mann dem Verwaltungsrat angehören soll, wurde von der MCH Group nicht weiter kommentiert.

Dem starken Gewicht Murdochs im Verwaltungsrat wird offensichtlich versucht, mit einem starken Vizepräsidenten Gegensteuer zu geben. Designiert ist für diesen Posten der Manager Marco Gadola, der bereits zwischen 2016 und 2019 dem Gremium angehörte. Er ist heute Multiverwaltungsrat etwa beim Logistikkonzern DKSH Group, beim Medizinaltechnikkonzern Straumann oder beim Modelabel Tally Weijl.

Wie ebenfalls am Samstag durchsickerte, wird die Art Basel corona-bedingt nicht wie gewohnt im Frühsommer stattfinden, sondern voraussichtlich im Herbst. Die Messe geht von einer Durchführung vom 21. bis 26. September aus.