Frau Kessler, sind die Patienten Gewinner oder Verlierer der geplanten Spitalgruppe beider Basel?

Margrit Kessler: Sie sind ganz klar Gewinner, wenn sie gut informiert sind, in welches Spital sie in welchem Fall gehen müssen.

Was macht sie zu Gewinnern?

Die Qualität der Behandlungen wird steigen, insbesondere in der hoch spezialisierten Medizin, wo die Fallzahlen klein sind. Indem man sie am Universitätsspital zentralisiert, können die Ärzte dieselbe Operation häufiger durchführen und gewinnen damit an Routine.

Im Bruderholzspital werden stationäre Betten abgebaut. Wo ist da der Vorteil?

In der Region Basel gibt es zu viele Betten. Je grösser das Angebot ist, desto häufiger wird auch operiert, selbst wenn es nicht nötig ist. Darum ist der Abbau zugunsten der neuen Tagesklinik mit Fokus auf ambulante Behandlungen aus Patientensicht zu begrüssen.

Die Gesundheitsdirektoren betonen, dass die Prämienzahler durch die neue Spitalgruppe entlastet werden.

Das stimmt so nicht.

Wieso?

Die Fusion würde die Kantone und somit die Steuern entlasten, nicht die Prämien. Das kommt von der Verlagerung vieler Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich.

Die ambulanten müssen die Krankenkassen zu 100 Prozent selber bezahlen, bei den stationären gehen nur 45 Prozent der Kosten auf ihr Konto, für den Rest kommt der Kanton auf. Steigt die Zahl ambulanter Behandlungen weiter, steigen zwangsläufig auch die Prämien.

Was soll man dagegen tun?

Es braucht ein neues, duales System. Die Kantone sollen dazu verpflichtet werden, die Hälfte der Kosten zu übernehmen, egal, ob die Behandlung ambulanter oder stationärer Natur ist.

Was zur Folge hätte, dass die Steuern stiegen.

Das stimmt. Die Kosten wären über die Steuern aber gerechter verteilt, weil Besserverdienende anteilsmässig mehr Steuern zahlen. Klar, es gibt Prämienverbilligungen für einkommensschwache Personen und Familien. Viele Kantone sind aber im Begriff, diese Leistungen zu kürzen.

Hat die Spitalfusion noch andere Auswirkungen auf die Patienten?

Sie werden künftig nicht mehr einfach für jede Behandlung in das nächste Spital gehen können. Sie werden sich informieren müssen, wo sich welche Spezialisten befinden. Sonst sehe ich nur positive Auswirkungen.

Es gibt auch Kritik an der Spitalfusion, insbesondere an den Plänen zum Umbau des Bruderholzspitals.

Ich bin überzeugt, dass Basel-Stadt und Baselland eine sehr gute Lösung für ihre Spitalplanung gefunden haben. Ich erachte es als sinnvoll, dass im Bruderholzspital in Zukunft der Fokus auf den ambulanten Behandlungen liegt. Das ist Grundversorgung.

Diese gehört nicht an ein Universitätsspital. Dort braucht es den Platz für die komplexen Fälle. Man darf die Betten dort nicht mit Banalitäten verstopfen. Und so geht das Bruderholz auch nicht leer aus.

Gesundheitsökonom Willy Oggier sprach in der bz davon, Leistungen nicht nur zu verlagern, sondern ganze Spitäler zu schliessen. Was halten Sie davon?

Dieser Vorschlag irritiert mich. Im Kanton St. Gallen haben wir inklusive Kinderspital zehn Spitäler: Als es dort um die Fusion ging, hat Oggier keine Spitalschliessungen empfohlen. Die Basler Lösung finde ich eine gute Sache, die Bevölkerung wird sie akzeptieren können.