Spitäler

Leere Betten wegen Corona: Deshalb beantragen jetzt sogar Basler Privatspitäler Kurzarbeit

Im Basler Claraspital ist die Zahl der Behandlungen im März zwischen 35 und 50 Prozent zurückgegangen. Im April wird der Aderlass noch grösser sein.

Bettenstation Claraspital basel

Im Basler Claraspital ist die Zahl der Behandlungen im März zwischen 35 und 50 Prozent zurückgegangen. Im April wird der Aderlass noch grösser sein.

Wer meint, die hiesigen Kliniken seien ausgelastet, irrt. Mehrere regionale Spitäler haben Kurzarbeit beantragt.

Auf den ersten Blick scheint die Situation paradox: Während der vergangenen Wochen dreht sich die Strategie eines ganzen Landes darum, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Doch gleichzeitig stehen einige Spitäler praktisch leer. Sie müssen Kurzarbeit beantragen und rechnen mit riesigen finanziellen Einbussen. Auf den zweiten Blick löst sich dieser scheinbare Widerspruch auf. Der Bundesrat hat den Gesundheitsinstitutionen verordnet, nur noch notwendige Eingriffe vorzunehmen. Geplante Operationen wie etwa an Knie- oder Hüftgelenken sind aufgeschoben. Gerade in einer vielfältigen Spitallandschaft wie hierzulande trifft die Coronakrise einige Player hart.

Stephan Fricker, CEO der Basler Merian-Iselin-Klinik für Orthopädie und Chirurgie, sagt: «Für unsere Klinik hat die aktuelle Situation mit noch nicht absehbarem Ende massive wirtschaftliche Folgen.» Momentan betrage das Volumen «etwa 10 bis 20 Prozent des Normalgeschäfts». Sie werden das Spital «sicher weit über das Jahr 2020 hinaus» beschäftigen.

Noch steht das Basler Claraspital etwas besser da. Der Rückgang der stationären Eingriffe belaufe sich in den letzten beiden Märzwochen auf rund 35 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand: Das Spital ist auf Onkologie, Kardiologie und das Bauchzentrum spezialisiert. In diesen Bereichen lassen sich Eingriffe oft nicht aufschieben. Der ambulante Bereich ist indes um die Hälfte geschrumpft; auch deshalb, weil viele Patienten jetzt nur zögerlich den Notfall aufsuchen – obwohl sie ihn bräuchten.
Vor allem das Claraspital ist derzeit stark eingebunden im Kampf gegen Corona. «Finanziell führt diese zu einem substanziellen Ausfall an Erträgen für das Claraspital», sagt aber Sprecherin Trix Sonderegger. Denn die Prognosen sehen schlecht aus: «Im April gehen wir im stationären Bereich von einem Rückgang von bis zu 50 und im ambulanten Bereich von bis 75 Prozent aus.»

Kurzarbeit – selbst im Kantonsspital Baselland?

Die Folge der wirtschaftlichen Misere: Mehrere Spitäler beantragen derzeit Kurzarbeit. Darüber berichtete gestern die Schweizerische Nachrichtenagentur SDA. Aktuell haben die Merian-Iselin-Klinik, das Claraspital, das Bethesda-Spital und die Klinik Hirslanden um staatliche Unterstützung gebeten.
Etwas anders präsentiert sich die Lage in den beiden grossen öffentlichen Spitälern, dem Universitätsspital Basel (USB) und dem Kantonsspital Baselland (KSBL). 

Doch auch hier gehen die Zahlen zurück, während gleichzeitig jene Bereiche ihren Betrieb hochfahren, wo die Coronapatienten betreut werden. USB-Sprecher Nicolas Drechsler beziffert den Rückgang der Operationen für März auf ungefähr 20 Prozent. Er bestätigt Informationen dieser Zeitung, wonach auch das USB Kurzarbeit beantragt habe. Allerdings beschränke sich diese auf Forschungsstellen, die über Drittmittel finanziert ist. Zudem werde auch in der Administration Kurzarbeit geprüft

Über die Folgen wird erst später nachgedacht

KSBL-Sprecherin Anita Kuoni kann noch keine Zahlen nennen, spricht aber von einem «beträchtlichen Rückgang» der Behandlungen. Im Spital, das bereits den Gesamtarbeitsvertrag ausgehebelt hat, ist Kurzarbeit längerfristig ein denkbares Instrument, sollte sich der Kampf wirtschaftlich zuspitzen: «Wenn die Situation noch länger anhält, müssten wir dies in Betracht ziehen, allerdings nur, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gäbe. Wir stehen auch diesbezüglich mit dem Kanton im engen Austausch», sagt Kuoni. Weit in die Zukunft denken mag derzeit niemand. «Über Konsequenzen aus der ganzen Geschichte nachzudenken, verschieben wir auf die Zeit nach der Krise», sagt Stephan Fricker vom Merian-Iselin-Spital. Intern sei aber eine Arbeitsgruppe damit betraut, den schrittweisen Übergang zum Normalbetrieb aufzugleisen. In vielen Spitälern wird dieser auch nicht mit dem Aufheben des Lockdown einkehren – zumindest nicht auf Anhieb. «Betrieblich erwarten wir nach Abebben der Coronawelle eine zweite Welle, jene der aufgeschobenen Behandlungen. Auch diese wird für unser Spital und seine Mitarbeitenden sehr belastend werden», sagt Trix Sonderegger vom Claraspital.
Landesweit rechnen Gesundheitsökonomen mit einer «Flurbereinigung» der Schweizer Spitäler. Gut möglich, dass die Coronakrise auch der
Gesundheitsregion Basel einschneidende Veränderungen bringen wird. Wie diese aussehen mögen, lässt sich derzeit aber noch nicht erahnen.

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