Kulturerbe
Die Basler Fasnacht soll besser dokumentiert werden – Grossrat fordert mehr Wertschätzung

Obwohl die Basler Fasnacht derzeit in aller Munde ist, befürchtet Grossrat Balz Herter, dass das Unesco-Kulturerbe immer mehr in den Hintergrund gerät.

Elodie Kolb
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Die Dokumentation der Basler Fasnacht soll mehr Unterstützung bekommen.

Die Dokumentation der Basler Fasnacht soll mehr Unterstützung bekommen.

Nicole Nars-Zimmer

Bereits zum zweiten Mal in Folge fällt die Basler Fasnacht wegen der Coronapandemie aus. Deshalb befürchtet Mitte-Grossrat Balz Herter, «dass die Fasnacht immer mehr in den Hintergrund gerät und sich die junge Generation dadurch weniger angesprochen fühlt». So hält er es zumindest in seinem Anzug fest, den er am Donnerstag im Grossen Rat eingereicht hat.

Darin fordert er die Einrichtung einer Fachstelle, die sich um die Dokumentation, Bewahrung und Vermittlung der Fasnacht kümmern soll. Der Regierungsrat solle abklären, inwiefern Massnahmen und Ressourcen dafür gesprochen werden können. Ausserdem soll die Exekutive abklären, «ob und wie sich der Kanton auf Bundesebene mehr für die Erfüllung des ratifizierten Unesco-Übereinkommens einsetzen kann», wie es im Anzug weiter heisst. Der Vorstoss von Herter wird breit unterstützt: 20 Grossrätinnen und Grossräte aus allen Fraktionen haben unterzeichnet. «Es ist ein Anliegen von uns allen, dass da endlich etwas passiert», sagt er.

Fehlender Nachwuchs und «stiefmütterlicher» Umgang

«Ich bin sicher seit 27 Jahren aktiv als Trommler bei der Fasnacht dabei und bemerke, dass jetzt, wo die Fasnacht schon das zweite Mal ausfällt, weniger Kontakt zu den Cliquen besteht.» Auch bei der Jungen Garden habe man Sorge, weil der Nachwuchs fehle, so Herter.

Ausserdem werde die Fasnacht im Kanton «stiefmütterlich» behandelt. Dies sei ein weiterer Grund für den Anzug: Man sehe zwar, dass der Kanton die Fasnacht immer als Anlass nimmt, um Werbung für die Stadt zu machen, «ein Commitment von der Verwaltung zur Bewahrung dieser Tradition findet aber nicht statt», sagt der Präsident der Mitte-Partei in Basel auf Anfrage.

«Es gibt bisher keine zentrale Dokumentationsstelle, die die Fasnachtsgeschichte aufrechterhält.»

Es sei eher eine «wilde Ablage». Denn jede Clique hat ein eigenes Archiv, so Herter. Es existieren aber bereits Institutionen in Basel, die sich mit dem schweizweit zweiten immateriellen Kulturerbe befassen: Im Museum der Kulturen gibt es seit 2004 eine Dauerausstellung zur Fasnacht und das Fasnachts-Comité, das eine tragende Rolle bei der Organisation der Fasnachtstage spielt. Doch Herter glaubt, dass keine dieser Stellen der Dokumentation und Forschung der Fasnacht nachkommen kann, so, wie es der Auftrag der Unesco fordert.

Verein für Dokumentation der Basler Fasnacht gibt es bereits

Es müsse auch nicht zwingend eine staatliche Fachstelle sein. «Es ist jetzt einfach wichtig, dass der Kanton mit Synergien hilft und eine Anschubfinanzierung gewährleistet und damit auch zum Weltkulturerbe steht.» Es sei einfach nicht vorwärtsgegangen und deshalb habe er «als Startschuss» den Anzug eingereicht, so Herter.

Einen Verein, der sich bereits mit der Dokumentation des immateriellen Gutes der Fasnacht auseinandersetzt, gibt es bereits: Der Verein Dokumentation der Basler Fasnacht befindet sich in der Finanzierungsphase des Projekts. Mit dabei sind auch Grossräte und der Kanton mit dem Kulturgüterschutz. «Der Anzug ist für uns auch wichtig, damit wir wissen, wo wir finanziell stehen beim Projekt», sagt Alain Grimm vom Vorstand des Vereins. Aber nicht nur: «Es ist auch wichtig, dass der Kanton das Unesco-Welterbe wertschätzt.»

Die Aufnahme der Basler Fasnacht zur repräsentativen Liste der Unesco immateriellen Kulturerbes habe auch die Verpflichtung «Massnahmen zur Gewährleistung der Lebensfähigkeit» zu treffen, wie es im Bundesrecht heisst. Dazu gehört auch die Dokumentation, Forschung und Förderung des Kulturerbes.

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