KOMMENTAR
Gleichstellung braucht Vertrauen

Eine gleichberechtigte Gesellschaft muss den Vätern mehr Vertrauen schenken. Um dahin zu kommen, braucht es engagierte Männer, auch auf der Abteilung für Gleichstellung in Basel.

Helena Krauser
Helena Krauser
Merken
Drucken
Teilen
Manchmal wissen Väter besser, was gut für die eigenen Kinder ist.

Manchmal wissen Väter besser, was gut für die eigenen Kinder ist.

Floco Images

Schreit ein Baby auf dem Arm eines Besuches, heisst es schnell: «Oh, es will zu seiner Mama.» Verletzt sich das Kind in der Kita, wird meistens die Mutter kontaktiert. Das belastet nicht nur die Mütter, sondern spricht vor allem den Vätern jegliche Kompetenz in Bezug auf das Kind ab. Als ob sie nicht wüssten, wie sie ihr Kind beruhigen können.

Damit Gleichstellung funktioniert, muss die Gesellschaft lernen, den Vätern zu vertrauen. Und damit das gelingt, braucht es Männer, die zeigen, dass sie bereit sind für dieses Vertrauen. Diese Männer gibt es zurzeit noch nicht zuhauf. Das zeigt auch der Umstand, dass die Abteilung für Gleichstellung von Frauen und Männern in Basel-Stadt grosse Mühe damit hat, Männer für ihre freien Stellen zu rekrutieren.

Die Geschäftsprüfungskommission kritisiert das. Es ist kaum realistisch, dass von heute auf morgen ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis auf der Abteilung herrscht. Das ist auch nicht zwingend notwendig, wenn die Themen der Abteilung trotzdem divers sind.

Aber es ist wichtig, dass dieser Prozess vorangetrieben wird. Bis niemand mehr erstaunt ist, wenn ein Vater mehr Zeit mit dem Kind verbringt als die Mutter oder er derjenige ist, der das Baby besser ins Bett bringen kann. Wenn wir als Gesellschaft so weit sind, wird auch niemand mehr Mütter als defizitär wahrnehmen, die ab und an mal nicht wissen, was gerade das Beste für ihr Kind ist.