Kirchengang
Kirchlicher Segen für die «drey scheenschte Dääg»

Traditionell findet am Sonntag vor dem Morgestraich ein Fasnachtsgottesdienst in der offenen Kirche Elisabethen statt. Warum eigentlich?

Tumasch Clalüna
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Fasnachtsgottesdienstes aus der offenen Kirche Elisabehten Basel
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Fasnachtsgottesdienstes aus der offenen Kirche Elisabehten Basel
Fasnachtsgottesdienstes aus der offenen Kirche Elisabehten Basel
Fasnachtsgottesdienstes aus der offenen Kirche Elisabehten Basel
Fasnachtsgottesdienstes aus der offenen Kirche Elisabehten Basel
Fasnachtsgottesdienstes aus der offenen Kirche Elisabehten Basel
Fasnachtsgottesdienstes aus der offenen Kirche Elisabehten Basel

Fasnachtsgottesdienstes aus der offenen Kirche Elisabehten Basel

Kenneth Nars

Fasnacht und Gott? So voll sieht man die Elisabethenkirche selten. Alle Bänke besetzt, selbst auf der Empore stehen die Menschen, um mit einem Gottesdienst die letzten Stunden vor der Fasnacht zu überstehen. «Stiel mitnäh», hallt es von oben durch das Kirchenschiff. Trotzdem: Der Altersdurchschnitt liegt auch hier im Bereich der üblichen Kirchgänger: Sonntag um 10.30 Uhr? Definitiv zu früh für die jüngere Generation.

Mit einem herkömmlichen Gottesdienst hat dieser Anlass hingegen wenig zu tun. Statt der Orgel eröffnet ein Piccolo-Quartett mit «Ein kleiner grüner Kaktus» die Veranstaltung. Sodann äussert sich Pfarrer André Feuz kurz zu seiner Rolle als Zürcher während der Fasnacht und schweigt dann angemessen, es folgen Schnitzelbängg - sensationell: Schunggebegräbnis, virtuos: Dootebainli - und eine «Drummelgrubbe».

Dazwischen geht es um Fantasie, ein Symposium wird gehalten zum Thema «Stelle mr uns vor, es gäb kai Fasnacht», es wird gewitzelt und geschwärmt, doch die Frage bleibt: Was hat das alles mit Gott zu tun?

Der kürzeste Vers aus der Bibel

Pfarrer Feuz wählt zum Ausgangspunkt seiner Predigt einen Vers aus dem Alten Testament: einen Traum Jakobs aus dem Buch Mose. Es sei der «kürzeste Vers der Bibel, was nicht bedeutet, dass dadurch die Predigt kurz wird».

Es gehe um den Entwurf einer Hoffnung auf ein gemeinsames Leben im Gelobten Land. Feuz schlägt darüber den Bogen zu Martin Luther Kings «I have a dream»-Rede vom August 1969. Eine Welt, in der die Menschen aufgrund ihres Charakters und nicht ihrer äusseren Merkmale beurteilt werden.

Fast eine traditionelle Messe

Und schon sind wir bei den Larven, bei der Fasnacht, die seit jeher diese Vision während dreier Tage umsetzt. Er spricht von der politischen Dimension dieser Tradition und nimmt damit nicht nur die Fasnächtler, sondern auch die Kirche indirekt in die Pflicht, das, was als Traum möglich erscheint, herüberzuholen in die Realität. Auch der Rest der Feier ist bei genauem Hinsehen gar nicht so weit von einer traditionellen Messe entfernt, sogar im Sinn der katholischen Kirche - auch wenn der Bischof in Schwyz den Fasnachtsgottesdienst vor vier Jahren für einmal verbieten liess.

Ein Gebet für gutes Wetter

Es gibt das gemeinsame Singen, das Lobpreisen, auch wenn diese Version von «Oh when the Saints» von «Ziibelewaie», Morgestraich und «Binggis wo Räppli schiesse» kündet. Doch wie ein Wunder regnet es tatsächlich weisse Räppli. Die beiden Bänke Schunggebegräbnis und Dootebainli sind mit ihren morbiden Namen sowieso ganz passend für eine christliche Kirche. Dazu kommt, dass Erstere in Mönchskutten auftreten, wenn auch mit Schweinemasken. Sie sind also quasi Schweinepriester, aber was solls. Auch das Symposion - ursprünglich Gastmahl - entspricht eigentlich dem gemeinsamen Abendmahl, eine Predigt gibt es eben auch. Und gar ein Gebet, das um gutes Wetter und Friede und Eintracht bittet, wird mehrstimmig verlesen. Fasnacht und Gott beziehungsweise Fasnacht und Kirche? Alles klar.

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