Eurovision Song Contest
Keine Spur von Neid auf Anna Rossinelli

Der Finaleinzug von Anna Rossinelli ist auch ein Sieg der Musik-Region Basel. Dementsprechend viel Lob erhält sie von den hiesigen Berufs-Kollegen. Der Sissacher House-DJ Antoine sieht den Erfolg als Beweis, dass die Schweiz viele junge Talente habe.

Michael Nittnaus
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 Bravo. Anna Rossinelli steht im Finale.
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 Nach einer soliden Leistung wird die Schweizerin am Samstag in Düsseldorf den Final bestreiten.
 Dabei wird die Schweizerin gegen die Big Five, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und England antreten.
 Zum ersten Mal seit Jahren konnte sich die Schweiz für den Final qualifizieren - Rossinelli sei Dank!
Anna Rossinelli bei ihrem Auftritt

Bravo. Anna Rossinelli steht im Finale.

Keystone

Der Samstag ist Zugabe. Mit der Qualifikation für den Final des Eurovision Song Contests (ESC) in Düsseldorf hat die Basler Sängerin Anna Rossinelli für die Schweiz das geschafft, was ihren vier Vorgängern nicht gelungen ist. Auch aus regionaler Sicht ist Rossinellis Erfolg eine Genugtuung: Mit Piero Esteriore 2004 und den Lovebugs 2009 scheiterten bereits zweimal in den letzten sieben Jahren hiesige Künstler im ESC-Halbfinale.

Vor allem für den Laufner Esteriore, der mit null Punkten heimgeschickt wurde, war der Gesangswettbewerb eine herbe Schlappe. Rossinelli gönnt er den Erfolg: «Anna hat uns alle überholt.» Esteriore fragt sich noch immer, was er damals falsch gemacht hat. Rossinellis Auftritt habe ihm nun gezeigt, wie wichtig die Wahl des richtigen Liedes sei. Zudem passe die Baslerin mit ihrer bodenständigen, diskreten Art viel besser zum Image der Schweiz im Ausland. «Auch holte sie als ehemalige Strassenmusikerin Sympathiepunkte», ist er überzeugt. Dass die Konkurrenten laut Esteriore alles «halbe Flaschen» waren, dürfte ebenfalls nicht geschadet haben.

Dieser Ansicht ist auch der Basler Komponist des Rossinelli-Songs «In Love for a While», David Klein: «Viele Sänger waren ein Desaster.» Wäre Rossinelli nicht weitergekommen, hätte Klein den ESC nicht mehr ernst nehmen können. «Es ist schliesslich ein Wettbewerb für Komponisten.» Mit dem Finaleinzug gibt sich Klein noch nicht zufrieden: «Ich tippe auf Sieg.» Dies sei seine Vision, seit er Rossinelli das erste Mal singen hörte und ihr daraufhin den Song auf den Leib schneiderte.

Starke Stimme statt nackter Haut

Etwas vorsichtiger formuliert Volksmusik-Star Sarah-Jane die Chancen der Schweiz: «Wunder gibt es immer wieder. Ich hoffe auf einen Podestplatz für Anna.» Die Sängerin aus Rothenfluh fieberte am Dienstagabend vor dem Fernseher mit. Mit Genugtuung stellte sie fest, dass sich nicht nur Show und nackte Haut bei Publikum und Jury durchsetzen konnten: «Anna hat wirklich eine super Stimme mit einem speziellen Timbre.» Auch habe man gespürt, dass sie mit Hingabe singe. Die Schweizer Vertreter der letzten Jahre möchte Sarah-Jane aber nicht kritisieren: «Es gibt kein klares Erfolgsrezept. Vieles hängt auch von der jeweiligen Laune der Zuschauer ab.»

Musikalisch aus der entgegengesetzten Ecke kommt DJ Antoine. Der Sissacher House-DJ und Produzent sieht Rossinellis Erfolg als Beweis, dass die Schweiz viele junge Talente beherbergt, die es zu entdecken gilt. «Anna hat einfach Charisma, das spürt der Zuschauer.» Für den Final vom Samstagabend ist Antoine jedoch skeptisch. Die Schweiz habe im Ausland zu wenige Fans, die für sie stimmen könnten.

In einem Punkt sind sich aber alle einig: Anna Rossinelli hat nichts mehr zu verlieren.

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