Birsig

Immer mehr Widerstand gegen das Hochwasserschutzprojekt in Biel-Benken

Der Birsig soll in Biel-Benken beidseits Mauern erhalten.

Bachgasse_01

Der Birsig soll in Biel-Benken beidseits Mauern erhalten.

Das Hochwasserschutzprojekt in Biel-Benken wird Thema im Landrat. Natur- und Heimatschutz haben Bedenken.

Gegen das Hochwasserschutzprojekt des Kantons in Biel-Benken regt sich Widerstand. Bereits haben sich 40 Anwohner zusammengeschlossen, um sich gegen die geplanten 400 Meter langen Mauern entlang des Birsig wehren (diese Zeitung berichtete). Am Wochenende äusserte sich zudem die Biel-Benkemer Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP). «Der Dorfkern wird einem völlig überrissenen Projekt des Kantons geopfert», schrieb sie auf Twitter. «Wo bleiben Mass und Mitte?»

Und heute will der Oberwiler Landrat (CVP) und Lokalhistoriker Pascal Ryf eine Interpellation zum Thema im Landrat einreichen. Auch er sieht in den Betonwänden und den Absenkungen einen «massiven Eingriff», denn: «Der Ortskern ist sehr idyllisch.» Einen Bach zwischen zwei Mauern zu zwingen, ist für ihn «nicht mehr zeitgemäss». Von der Regierung will er wissen, warum sie in Kauf nehme, «dass das Projekt massiv in den sehr naturnahen Birsig unmittelbar im historischen Dorfkern von Biel-Benken eingreift». Ryfs Fragen ist zudem die Hoffnung zu entnehmen, dass Natur- und Heimatschutz das Projekt zu Fall bringen.

Bäche brauchen Platz, nicht Mauern

Das ist allerdings unsicher. Der heikle Birsigabschnitt zwischen Mühlegasse und Kirchgasse steht unter ökologischen Aspekten nicht unter besonderem Schutz. «Das ist ein ganz normaler Bach in einem Dorfkern», sagt Jost Müller, Geschäftsführer des WWF Region Basel. Für ihn ist allerdings klar: Bevor der Kanton eine Mauer baut, muss er ein Naturinventar erstellen. «Laut Bundesgesetz ist es verboten, Gewässer zu zerstören, denn sie sind alle geschützt.» Greife man trotzdem ein, müsse man für die Wiederherstellung des bisherigen Zustands oder für gleichwertigen Ersatz sorgen. «Um den Ist-Bestand zu kennen, braucht es ein Naturinventar.»

Seitens Pro Natura Baselland betont Geschäftsführer Thomas Fabbro die Vernetzung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren. «Dafür sind Bäche mit möglichst viel Platz wichtig. Mauern entlang der Ufer sind grundsätzlich nicht zu begrüssen.» Zurückhaltend ist die kantonale Denkmalpflege. «Alle Projekte in den Ortskernen schauen wir von Amtes wegen an», sagt die Denkmalpflegerin Brigitte Frei-Heitz. Einige Liegenschaften entlang des Birsigs befinden sich unter kantonalem Schutz, andere unter kommunalem. Allerdings befindet sich zwischen diesen Bauten und dem Bach jeweils noch eine Strasse. Darum ist es nicht unwichtig, wenn Frei sagt: «Der Umgebungsschutz auf kantonaler Ebene bedeutet, dass auf der jeweiligen Nachbarschaftsparzelle nichts Beeinträchtigendes geschehen darf.»

Kritischer äussert sich Ruedi Riesen, Präsident des Baselbieter Heimatschutzes: «Mit dem Kantonsprojekt wäre das Dorfbild nicht mehr das gleiche wie bisher.» Er sieht das Problem aber weniger beim Kanton, der ja für Hochwasserschutz sorgen müsse, als vielmehr beim Gemeinderat. Dieser solle ein verworfenes Projekt wieder aufnehmen: Dämme oberhalb des Dorfes, die ein Rückhaltebecken schaffen. «Das wäre der beste Hochwasserschutz.» Doch diese Idee lehnt der Gemeinderat derzeit ab, mit der Begründung, die betroffenen Grundeigentümer seien 2013 dagegen gewesen. Auch die Gemeindeversammlung wollte nichts davon wissen.

Die Matten waren schon immer Rückhaltebecken

Riesen meint: «Nur, weil einige Bauern damals dagegen waren, heisst das noch lange nicht, dass man die Idee nicht wieder aufnehmen soll.» Und Landrat Ryf erinnert daran, dass die «Matten», historisch gesehen, Überschwemmungsland waren. Ihm schwebt noch eine Alternative zur Mauer vor: den individuellen Schutz der rund zehn hochwasserbedrohten Gebäude. Zudem müsse man sich überlegen, ob man wirklich immer hundertprozentigen Schutz schaffen müsse. «Jedes Hochwasser ist schlimm», hält er fest. «Aber wer ein Haus neben einem Bach kauft, muss damit rechnen, dass mal etwas geschehen kann.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1