Corona

Harsche Kritik an Testzentren im Baselbiet: 200 Franken für die Ärzte, 54 Franken für die Pfleger

Das Baselbiet hat angesichts der Corona-Krise zwei Abklärungszentren eingerichtet, wo sich Besucherinnen und Besucher ohne Anmeldung testen lassen können, eines in Lausen, eines in Münchenstein.

Testzentrum Lausen

Das Baselbiet hat angesichts der Corona-Krise zwei Abklärungszentren eingerichtet, wo sich Besucherinnen und Besucher ohne Anmeldung testen lassen können, eines in Lausen, eines in Münchenstein.

Das Pflegefachpersonal in den Baselbieter Testzentren ärgert sich über den Stundenlohn und die Versprechen des Kantonsspitals.

Die Pflegefachfrau zögerte nicht lange, als das Kantonsspital Baselland (KSBL) ihr im März das Angebot unterbreitete. 54 Franken Stundenlohn für den Einsatz in einem der Corona-Testzentren in Lausen oder Münchenstein. «Für diesen guten Zweck hätte ich es auch für weniger gemacht», sagt sie. Wie so manche der rund 400 schnell angeheuerten Pflegerinnen und Pfleger dachte sie nicht über die Modalitäten nach. Der Arbeitsvertrag müsse noch auf sich warten lassen, hiess es seitens des KSBL. Man habe derzeit alle Hände voll zu tun.

Umso verdutzter waren die Pflegenden, als sie am 24. April den ersten Lohn auf dem Konto hatten. Statt der versprochenen 54 Franken waren es 35.34 Franken in der Stunde.

Als sich die Pflegenden beschwerten, bekamen sie vom Leiter der Personalabteilung einen Brief, der die Wogen glätten sollte. In entschuldigendem Tonfall heisst es hier: «In den letzten Tagen und Wochen wurden durch unser HR-Administrationsteam rund 500 Arbeitsverträge erstellt und verschickt.» Und: «Alles musste sehr schnell gehen und es blieb wenig Zeit für detaillierte Erklärungen und Erläuterungen.» Der HR-Leiter erklärt die Diskrepanz zwischen dem mündlich ausgehandelten und dem ausbezahlten Lohn. Bei der telefonischen Kontaktaufnahme sei der Bruttolohn kommuniziert worden, netto seien es eben 19 Franken weniger. Zu den 35.34 Franken kämen aber Vergütungen hinzu wie Feiertags- und Ferienentschädigungen, ein Anteil des 13. Monatslohns sowie allfällige Nachtschichtzulagen.

Für Gesprächsstoff sorgte aber nicht nur die Tatsache, dass das KSBL unklar kommuniziert hatte – sondern auch die Lohndiskrepanz zwischen den Pflegefachleuten und den rund 80 Ärzten, die in Lausen und Münchenstein im Einsatz sind und waren. Ihr Vertrag sieht einen Bruttolohn von 200 Franken vor, wie ein Arzt, welcher in einem der Testzentren arbeitete, gegenüber der bz bestätigt.

Ärzte werden für simplen Job gut bezahlt

Die rund 170 Franken Nettostundenlohn der Ärzte übersteigen das Einkommen des Pflegepersonals um rund das Fünffache. «Dabei ist die Arbeit der Ärzte genauso simpel wie unsere», sagt eine Pflegefachfrau. «Sie schauen sich die Patienten an, stellen ein paar Fragen, hören vielleicht mal die Lunge ab und entscheiden anhand einer Checkliste, ob es einen Coronatest gibt oder nicht.» Das Pflegepersonal sei mit Rachenabstrichen beschäftigt und damit, den Puls der Patienten zu messen und die Sauerstoffsättigung sowie die Atmung zu kontrollieren.

Mit dem Stundenlohn konfrontiert, meint einer der Ärzte, er habe kein schlechtes Gewissen. «Ich habe ja nicht verhandelt», sagt er. «Ich konnte meine Praxis in dieser Zeit nicht führen und fand es eine gute Sache, dort mitzuhelfen.» Vom Stundenansatz habe er erst nachträglich erfahren. Er betont zudem, dass viele Ärzte in der Coronakrise einen totalen Lohnausfall zu beklagen hätten, währenddem die angestellten Pflegefachleute zumindest die Möglichkeit auf Kurzarbeit gehabt hätten.

Für Kerstin Wenk von der Gewerkschaft VPOD Region Basel ist die Lohndiskrepanz gleichwohl ein Ärgernis. «Diese Differenz ist stossend», sagt sie. Zudem habe das KSBL gegenüber dem Pflegepersonal eine fehlende Wertschätzung an den Tag gelegt. «Fehler können ja passieren, aber die Art und Weise, wie sich die Spitalverantwortlichen rauswinden, ist befremdlich.»

Juristisch könne man das KSBL wohl nicht belangen – aber die Panne zeige, dass sich die Spital-Spitze nicht überlege, «dass dieses Missverständnis bei vielen ein schmerzhaftes Loch im Portemonnaie zur Folge hat.»

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