Geistschreiber
Büssi, Karpi, Epi

Willi Näf
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Der Geistschreiber hat Epilepsie-Medikamente abzugeben.

Der Geistschreiber hat Epilepsie-Medikamente abzugeben.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Büssi hat Cystische Fibrose. Karpi hat ADHS, was gut zu seinem Namen Karpiczenko passt. Ausserdem leiden beide an überdosierter Intelligenz, so wie Hazel, Patti, Mike, Viktor und andere komische Vögel. Simon Enzler ist zudem noch Innerrhoder. Eine doppelte Diagnose. Da muss man stark sein.

Ich koche auf kleinerer Flamme. Letzthin habe ich mich auf dem Velo so gut gelaunt in die Kurve gelegt, dass das linke Pedal die Strasse touchierte. Der Flug war weit, der Telemark diskutabel, und nun hatten auch meine Knie mehr als einen Flick ab. Ich war auf dem Heimweg von meiner Neurologin. Wir hatten meine Gehirnaktivität gemessen. (Ja, ich staune auch). Grund ist meine Epilepsie. (Die nannte man früher übrigens Fallsucht, auch bei guten Velofahrern). Da mein Gehirn nun seit 24 Jahren unfallfrei arbeitet (ich lass das jetzt mal so stehen) könne ich mit meiner täglichen Tablettenfresserei aufhören, fand meine Neurologin. Darum meine gute Laune in der Kurve.

Gut, ich war quasi immer nur ein trockener Epi. Ich hatte bloss zwei Anfälle, 1997. Wenigstens waren die vollwertig. Mit Tatüütataa. Ich lag halbtot und mit zerbissener Zunge im Krankenwagen und dachte: «Notizen machen, dir passiert eine Story!» Das Heftli, für das ich schrieb, wollte meine Reportage eines Epilepsie-Frischlings nicht drucken, weil das Publikum mich womöglich als Autor nicht mehr für voll nehmen würde. Zum Glück. «Das Magazin» des «Tages-Anzeigers» hat dann nämlich neun Seiten draus gemacht, und anderntags hatte ich Kurt Aeschbacher am Draht, ob ich als Studiogast in seine Talkshow komme. Ich habe dann eine Zeit lang den Vorzeige-Epi gegeben, als Aufklärer für eine skurrile Krankheit. So wie ein Büssi das heute eben macht, oder Robin Rehmann mit seiner SOS-Sendereihe auf Radio SRF Virus. Offenheit ist gesund.
Aber von mir aus war’s das. Epileptiker Näf meldet sich ab und rechnet frech damit, dass es so bleibt. Wer noch ein paar Schachteln Lamotrin mepha brauchen kann: E-Mail an willinaef@willinaef.ch. Meine damalige Epi-Reportage findet man auf willinaef.ch unter «Satiren». Aufklärungsarbeit leiste ich künftig nur noch über Innerrhoder. Die Fallsucht hat mich gesehen. Ich geh Velo fahren.