Fachkräftemangel
Der nationale Spitex-Tag am Samstag soll auf die Probleme und die Bedeutung der Pflege zuhause aufmerksam machen

Die Augen der Nation sind aktuell auf die Pflegekräfte in den Intensivstationen gerichtet. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs - auch in anderen Pflegebereichen wie der Spitex wird händeringend nach Personal gesucht.

Tomasz Sikora
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Die Pflege zuhause gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das gilt besonders fürs Baselbiet, wo eine hohe und steigende Quote an Hochbetagten lebt.

Die Pflege zuhause gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das gilt besonders fürs Baselbiet, wo eine hohe und steigende Quote an Hochbetagten lebt.

zvg

Die Belegungen auf den Intensivstationen seien bereits wieder auf dem Niveau vom Frühling, vermeldeten das Universitätsspital Basel und das Kantonsspital Baselland am Dienstag übereinstimmend in der bz. In beiden Häusern müssen erneut Operationen verschoben werden.

So schwierig die Situation auf den Intensivstationen auch sein mag: Für Urs Roth, den Geschäftsleiter vom Spitex-Verband Baselland (SVBL), bildet sie lediglich die Spitze des Eisbergs: «Wenn der Fachkräftemangel so gross ist, trifft es alle Pflegebereiche.»

Der Nationale Spitex-Tag am kommenden Samstag soll darum mit seinen lokalen Aktionen nicht nur einmal mehr auf den Fachkräftemangel hinweisen und allen Spitex-Mitarbeitenden danken, sondern auch an die grosse Bedeutung der Spitex erinnern, deren Mitarbeitende unter manchmal schwierigen Umständen systemrelevante Aufgaben erfüllen.

Kunden kämen beispielsweise unerwartet ins Spital oder sie werden umgekehrt unerwartet aus dem Spital nach Hause entlassen, sagt Heike Zuber, Leiterin des Spitex-Pflegeteams Neubad in Basel. Das plötzliche Wegfallen oder Hinzukommen von Einsätzen führe in Kombination mit dem Personalmangel dazu, dass von Spitex-Mitarbeitenden ein enorm hoher Grad an Flexibilität erwartet wird. «Oft ist am Morgen noch unklar, wie der Arbeitstag aussehen und wann er enden wird», so Zuber.

Umstände trüben grosse Freude an Beruf

Auch das Arbeitsrecht bereitet manchmal Schwierigkeiten. Das System sei nicht dafür ausgelegt, Notfälle zu berücksichtigen, erklärt die Teamleiterin, denn:

«In einer Durchfallsituation geht man ja nicht einfach ohne die Wohnung gereinigt zu haben in die Mittagspause, sondern kümmert sich um die Wohnung und den Kunden.»

Einen Arbeitsalltag, der eine solche Flexibilität verlangt, halten auf Dauer nur Wenige aus. «Das ist schade, denn eigentlich üben die Leute, die bei der Spitex arbeiten, ihren Beruf sehr gerne aus», findet Zuber, und sie stimmt in den Chor der Branchenkenner ein, welche fordern, dass der Beruf attraktiver werden müsse. Dabei gehe es aber nicht nur um mehr Lohn, «sondern um die Arbeitsbedingungen im Allgemeinen».

Der Kanton Baselland ist vom Fachkräftemangel besonders betroffen, denn: «Das Baselbiet ist gemäss den aktuellsten Prognosen nach dem Tessin der Kanton mit der zweithöchsten Anzahl an Hochbetagten und die Bevölkerung wird immer älter», betont Urs Roth. Neben einer Ausbildungsoffensive sei auch für ihn eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von zentraler Bedeutung.

Das sieht auch Stefan Schütz, Roths Amtskollege in Basel-Stadt, so. Er will aber auch kommunikativ einen Gang hochschalten: «Wir sind gefordert, die Attraktivität der Spitexarbeit besser bekannt zu machen.» Zu diesem Zweck wird am Samstag ein Podcast veröffentlicht, in dem es um den Arbeitsalltag bei der Spitex geht, denn: «Veraltete Bilder sind noch weit verbreitet.»

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