«Es wird wieder Ruhe einkehren»

Reto Baumgartner will FCB-Vereinspräsident werden. Im Interview spricht er über seine Ziele und sein Verhältnis zu Burgener und «Yystoo».

Interview: Jakob Weber
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Reto Baumgartner will den Verein wieder mit Leben füllen: «Das wurde zuletzt verpasst.»

Reto Baumgartner will den Verein wieder mit Leben füllen: «Das wurde zuletzt verpasst.»

Bild: Kenneth Nars

Herr Baumgartner, seit wann wissen Sie, dass Sie FCB-Vereinspräsident werden wollen?

Reto Baumgartner: Seit zwei Wochen. Es gab eine Vorstandssitzung. Dort ist der Entscheid gefallen, dass sich die «FCB-Abhängigen» nicht mehr zur Wahl stellen. Wir haben dann bestimmt, dass es Sinn machen würde, wenn die drei Unabhängigen (Benno Kaiser, Dominik Donzé und Reto Baumgartner Anm. d. Red.) sich nicht nur zur Wiederwahl stellen, sondern auch das Präsidium anstreben.

Warum?

Um eine gewisse Kontinuität zu gewährleisten.

Hat Bernhard Burgener Druck ausgeübt, dass sich einer von den «Alten» zur Wahl stellt?

In keinem Mass. Er hat uns lediglich aufgefordert, uns Gedanken zu machen und gesagt, dass er es befürworten würde, wenn es einer von uns drei macht. Ich habe dreimal darüber geschlafen und mich dann entschieden.

Wie unabhängig sind Sie?

Wir arbeiten alle drei nicht auf der Geschäftsstelle. Wir beziehen keinen Lohn und es gibt kein übergeordnetes Gremium, das mit dem FCB zusammenhängt, in dem wir sitzen.

Wie ist oder war Ihr Verhältnis zu Burgener, Roland Heri und Peter von Büren, die nicht mehr für den Vereinsvorstand kandidieren?

Bei uns gab es keine zwei Lager. Wir haben die Themen jeweils miteinander diskutiert. Man darf aber auch sagen, dass in der Vergangenheit vieles einfach unter dem Dach des FCB mitgelaufen ist. Da war es egal, ob das jetzt Vereinsvorstand, AG oder Holding ist. Die Diskussion ist erst in den letzten Jahren aufgekommen, als der Erfolg weniger wurde. Dadurch hat der Verein eigentlich erst jetzt eine höhere Priorität bekommen.

Waren Sie überrascht, dass Burgener und Co. nicht mehr antreten?

Herr Burgener hat ja bereits an der letzten GV angekündigt, dass das Unsinn ist, dass er gleichzeitig Vereinspräsident und Mehrheitsaktionär ist. Von dem her war klar, dass er auf dieses Amt verzichten wird. Bei Heri und von Büren hat mich der Schritt aber dann doch überrascht. Das hat sich erst an der letzten Sitzung herauskristallisiert.

Warum hat Burgener seinen Entscheid erst nach dem Aufkommen von «Yystoo» definitiv verkündet?

Er hätte es vielleicht früher kommunizieren können. Aber ich sehe nicht in ihn hinein. Der definitive Entscheid wurde erst an dieser Sitzung gefällt. Aber Burgener war schon vor der letzten GV und der geplanten Statutenänderung für die Ämtertrennung.

Sind Sie dafür, dass die Statutenänderung angenommen wird?

Ja. Klar. Sie bilden die heutigen Gegebenheiten ab. Das wichtigste ist die Ämtertrennung. Es ist auch eine Chance, dass die «Abhängigen» zurücktreten und ich hoffe mir, unabhängig davon ob ich da mit dabei bin, einen starken Vorstand, der die 25 Prozent Anteile des Vereins in der AG mit einer Person vertritt. Der Verein muss wieder mit Leben gefüllt werden. Das haben wir in den letzten Jahren verpasst.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir wollen etwas für die Vereinsmitglieder machen. Auch ausserhalb des Stadions. Das können Events rund um den Frauenfussball, das Dream Team oder soziale Engagements, die unabhängig vom Fussball sind, sein. Das wäre das eine Ziel. Das andere wäre, die finanzielle Abhängigkeit des Vereins von der AG zu vermindern.

Im Geschäftsjahr 2018 deckte die AG ein Defizit von rund 900000 Franken.

Es ist jetzt schon etwas kleiner geworden, aber immer noch ein grosser Batzen. Den würde ich gerne verringern.

Was waren bis jetzt Ihre Aufgaben im Vorstand?

Ursprünglich bin ich wegen dem Beachsoccer 2009 in den Vorstand gekommen. Dort habe ich mich nach meiner Profikarriere engagiert. Beachsoccer boomte damals in Basel. 2012 hat sich der FCB vom Beachsoccer verabschiedet, weil man für gute Spieler hätte Löhne zahlen müssen. Das fand ich nicht nachhaltig. Seitdem war ich das Bindeglied zu den FCB Senioren.

Bis jetzt hatten Sie als Vereinsvorstand rund acht Sitzungen im Jahr. Müssten Sie als Präsident bei Ihrem Job zurückstecken?

Nein. Das ist sicherlich nebenbei machbar. Auch wenn der Zeitaufwand zumindest am Anfang grösser sein wird.

Wie lautet Ihr Wahlslogan?

Ich bin kein Politiker (lacht). Vom dem her verzichte ich auf einen Slogan. Ich wünsche mir einen heterogenen Vorstand vom Alter, Geschlecht und Know-how her.

Sie hatten bereits Kontakt mit den fünf Kandidaten, welche die Bewegung «Yystoo» ins Rennen um den Vereinsvorstand schickt. Was wurde da besprochen?

Ich finde den Austausch wichtig. Es ging ums Kennenlernen, nicht unbedingt darum, einen Konsens zu finden.

Ist «Yystoo» eine Konkurrenz zu den drei Arrivierten? Auch weil sie etwas radikaler auftreten?

Im Gespräch habe ich sie nicht als Konkurrenz empfunden. Ich finde auch nicht, dass sie radikal auftreten. Die Bewegung finde ich grundsätzlich gut. Es gibt dem, was man in Basel am Stammtisch und in der Stadt hört, eine Stimme. Das ist sehr gut.

Die Yystoo-Bewegung fordert, dass sich Burgener und Co ganz zurückziehen. Teilen Sie diese Ansicht?

Das ist ihre Meinung und die darf auch gehört werden. Ich sage jetzt mal etwas ketzerisch: Gehört wird man eher mit extremeren Meinungen. Aber ich bin nicht Yystoo. Im Moment ist Kontinuität und Ruhe wichtig. In den letzten Wochen haben Burgener und Co. einen guten Job gemacht. Das soll so bleiben.

Glauben Sie daran, dass unter dieser Führung je Ruhe einkehrt?

Im Moment sieht es danach aus. Mit dem Kader, den wir jetzt haben, musst du um den Titel mitspielen. Ich erhoffe mir die Meisterschaft. Und wenn der sportliche Erfolg wieder da ist, bin ich überzeugt, dass auch unter dieser Führung Ruhe einkehren wird.

Sie tönen ja fast schon wie Burgener, der sagt, dass ein Meistertitel alles wieder gut werden lasse.

Nein, da bin ich nicht ganz seiner Meinung. Erfolg ist ein wichtiger Aspekt, aber Kommunikation und die Wertschätzung von Fans, Mitarbeitern und Spielern muss auch gewährleistet sein, damit die Stimmung in der Stadt wieder gut wird.

Burgener wird von allen Seiten kritisiert. Fans fordern immer vehementer seinen Abgang, teilweise unter der Gürtellinie. Warum tut er sich das überhaupt noch an?

Ich will definitiv nicht mit ihm tauschen, weil mich das emotional zu sehr beschäftigen würde. Aber sein Amt hat eine gewisse Freiwilligkeit. Und wenn er das Amt auch unter diesen Umständen ausüben will, darf er sich nicht beklagen. Was er ja auch nicht macht.

Was ist Ihre Haltung zu einem möglichen Verkauf von FCB-Anteilen?

Im Schweizer Fussball kann man im Moment mit einem Klub kein Geld verdienen. Da braucht es Leute, die investieren. Das war beim FCB vor fünf Jahren vielleicht noch anders, aber heute ist es auch beim FCB so. Von dem her müssen wir froh sein, wenn es jemanden gibt, der Geld in die Hand nimmt und investiert. Ob Burgener unter diesen Begebenheiten jemand anderen findet, ist die grosse Frage.

Möglicherweise sitzen Sie bald mit Burgener im Verwaltungsrat der AG. Denn Sie werden sich auch als Delegierter zur Wahl stellen.

Ja. Wichtig ist vor allem, dass wir einen guten Vorstand wählen. In einem halben Jahr wird ja dann schon wieder gewählt. Vielleicht haben wir dann in der Zwischenzeit gemerkt, dass sich eine andere Person aus dem Vorstand besser als Delegierter eignet. Dem würde ich dann nicht im Weg stehen. Diese Aufgabe soll der machen, der sie für den Verein am besten macht.

Was kann man als Einzelner in der AG überhaupt bewirken?

Entscheiden kann man nichts. Die Machtverhältnisse und die Begebenheiten bleiben gleich. Aber man kann sicher die eine oder andere Frage stellen oder Inputs geben, die dann etwas bewirken. Da erhoffe ich mir schon, dass es da in Zukunft einen gewissen Gegenpol gibt. Aber wie gesagt: Wer zahlt, befiehlt.

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