Mehr als 30 000 Tonnen Haushaltsabfälle wurden 2015 im Kanton Basel-Stadt entsorgt. Darunter auch Verpackungsmaterial, das eigentlich gar nicht nötig wäre. Während wir früher die Milch im «Milchkübeli» statt im Tetrapack nach Hause getragen haben, verpacken wir heute alles. Vom Sugus bis zur Bio-Gurke. Auch wenn das Säckchen im Abfall landet, sobald das Gemüse im Kühlschrank liegt.

In grösseren Städten entwickelt sich ein Gegentrend zu dieser «Verpackitis»: Kunden sollen Lebensmittel und andere Gebrauchsartikel wieder ohne Verpackung kaufen können. Reis, Teigwaren, Putz- oder Waschmittel lagern in solchen «Unverpackt-Läden» in grossen Behältern oder Kanistern. Die Kunden bringen Gläser, Tupperware, Jutebeutel oder andere Behälter mit und können sich die Produkte abfüllen lassen oder selber abfüllen. In Berlin, Genf oder Sion gibt es bereits solche Läden, jetzt kommt der Trend nach Basel. Gleich zwei Projekte sind in den Startlöchern.

Mehr Ressourcen für alle

Seit 6. November ist «Basel unverpackt» auf Facebook präsent. Die vier Personen dahinter kennen sich erst seit Kurzem: Nathalie Reinau (28), Andrea Zwygart (53), Ronny Jäger (37) und Hugo Hanbury (28) verbindet der Traum von einem «Unverpackt-Laden» in Basel. «Weniger Abfall zu Hause bedeutet weniger Abfall für die Erde und viele gesparte Ressourcen für die kommenden Generationen», so lässt sich ihre Motivation zusammenfassen. Das Quartett möchte möglichst viele Menschen davon überzeugen, auf Verpackung zu verzichten.

Ihren Laden möchten sie spätestens im Sommer eröffnen. Je schneller sie ein geeignetes Lokal finden, desto früher können sie loslegen. «Natürlich wäre es schön, einen schicken Laden an zentraler Lage zu haben», sagt Jäger. «Aber das ist nicht unser Ziel.» Der Laden müsse nicht zwingend mitten in der Stadt sein. «Es ist bestimmt besser, in einem Wohnquartier zu sein, nahe bei den Menschen, die bei uns einkaufen, dann sind für sie die Wege kürzer», sagt Reinau. Wer sich nämlich seine Lebensmittel abfüllen lässt, nimmt schon Einiges zum Einkaufen mit. «Dafür spart man ‹Bebbi-Sägg› und tut der Natur etwas Gutes», meint Reinau weiter.

Mithilfe einer Online-Umfrage wollen die Initianten nun herauszufinden, welche Produkte die Basler unverpackt einkaufen würden und wo sie sich einen «Unverpackt-Laden» wünschen. Ihre Idee hat hohe Wellen geschlagen: Innerhalb von nur fünf Tagen gab es mehr als 1000 Facebook-Likes, und bis jetzt haben über 1460 Leute die Fragen beantwortet. «Basel unverpackt» hat den Nerv der Zeit getroffen.

Teurer als Grossverteiler

Neben den Räumlichkeiten braucht es für den Start auch Geld. Für das erste Jahr rechnet «Basel unverpackt» mit Kosten von 140 000 bis 180 000 Franken. Finanzieren möchten sie sich mit privaten Geldgebern, über eine Crowdfunding-Kampagne und zinslose Darlehen. Reich möchten sie mit ihrem Laden aber nicht werden. «Uns ist wichtig, dass wir die Lebensmittel zu einem Preis anbieten können, den sich möglichst viele Leute leisten können», sagt Jäger. Auch wenn «Basel unverpackt» wahrscheinlich teurer sein wird als Grossverteiler wie Migros oder Coop.

«Basel unverpackt» ist mit der Idee nicht allein. Am Dienstagmittag ist auf Facebook und der Crowdfunding-Plattform «wemakeit.com» die «Abfüllerei Basel» aufgetaucht. Wären da nicht die unterschiedlichen Namen, könnte man meinen, die beiden Projekte seien ein und dasselbe. Die Initianten der «Abfüllerei», Simone Häberle und Ivo Sprunger, haben das gleiche Ziel wie «Basel unverpackt». Sie wollen als Alternative zum konventionellen Einkaufen einen Laden mit unverpackten Produkten nach Basel bringen. Für die Ausstattung des Ladens setzen sie auf die Unterstützung der breiten Masse. Insgesamt möchten sie über Crowdfunding 38 000 Franken zusammenbringen. Allerdings fehlt auch der «Abfüllerei» noch ein geeignetes Lokal für den Laden, damit sie, wie geplant, im Frühling 2017 eröffnen kann.

Mehr als ein Laden

Für ihr Geschäft haben «Basel unverpackt» und die «Abfüllerei» das gleiche Konzept: Es soll nicht nur ein Laden sein, sondern ausserhalb der Öffnungszeiten für Workshops rund ums Thema Abfall genutzt werden. «Wir möchten das Bewusstsein schaffen, wo Abfall anfällt und wie ihn jeder von uns verhindern kann», sagt Nathalie Reinau. Sie und Ronny Jäger wussten nichts von der «Abfüllerei». Das Projekt klinge «sehr spannend». «Wir werden den Kontakt mit ihnen suchen», sagt Jäger.

Auch bei der «Abfüllerei» ist man interessiert. «Ich glaube, Basel ist ein guter Ort für einen solchen Laden, sodass es auch zwei Geschäfte verträgt», sagt Sprunger. «Gerade wenn sie in unterschiedlichen Quartieren eröffnen.» Trotzdem fänden die beiden es auch schön und sinnvoll, wenn Synergien entstehen könnten: «Es steckt ja auch eine Ideologie hinter einem ‹Unverpackt-Laden›, und diese teilen wir offensichtlich», sagt Häberle. Bei der «Abfüllerei» steht und fällt jetzt alles mit der Crowdfunding-Kampagne. Sie ist schon mal gut angelaufen: Innert weniger Tage sind schon mehr als 7000 Franken zusammengekommen. Die Idee vom Einkaufen ohne Verpackung scheint in Basel viele Anhänger zu haben.