Es sitzen nebeneinander: Markus Manfred Jung aus dem Kleinen Wiesental, Yves Bisch aus Sierentz im Elsass und Beat Trachsler aus Basel. Drei Herren, drei Länder, doch wenn sie sprechen, sprechen sie eine Sprache: Alemannisch.

Es ist tatsächlich erstaunlich, die drei Dialekte aus Elsass, Baden und der Schweiz einmal direkt nebeneinander zu hören und zu merken, wie ähnlich, geradezu gleich sie sind.

Diese Sprache aber, so ist zu erfahren, ist seit langem bedroht. Im Elsass war sie lange Zeit verboten, im Badischen verdrängt sie das Hochdeutsche und dasselbe droht nun Basel, will man den Vertretern der IG Dialekt glauben.

Junge Elsässer verstehen alte nicht

Yves Bisch erzählt von Problemen in den Elsässer Altersheimen, wenn das Personal die alten Menschen nicht mehr verstehe. Es gebe zwar Hoffnung, weil immer mehr Immigranten und Kinder Interesse am Alemannischen entwickeln, aber von der Obrigkeit sei in Frankreich keine Unterstützung zu erwarten.

Er selbst reist gerade mit der amtierenden Miss France durchs Elsass und macht Werbung. Ohne solche Lockmittel geht es nicht.

Pflege der Sprache schwierig zu begründen

Weniger dramatisch stellt sich die Situation im Kleinen Wiesental dar. Es gebe noch viele Dörfer, in denen die Mundart gepflegt wird, sagt Jung. Inwiefern sie aber noch als identitätsstiftend wahrgenommen wird, sei schwierig zu sagen.

Grundsätzlich herrscht das gleiche Problem wie in Basel. Es ist schwierig, die Pflege des Alemannischen zu begründen, weil es dem Hochdeutschen doch sehr ähnlich ist. Am Besten funktioniere es über Literatur, beispielsweise mit Johann Peter Hebel.

Und schon dieser hatte Probleme, seine Werke verlegen zu lassen, erwähnt Beat Trachsler und beschreibt, wie seit dem 17. Jahrhundert Bemühungen bestanden, das Baslerdeutsche zugunsten des Hochdeutschen zu eliminieren.

Lebendiges Baseldytsch

Dabei sind Basel und die Schweiz im Allgemeinen ein Ort, an dem der Dialekt noch am Lebendigsten gepflegt wird. Bands singen und rappen auf Baseldeutsch, die Fasnacht animiert alle, sich im alten Baseldytsch zu versuchen. Und trotzdem: Seit das Hochdeutsche auf allen Schulebenen verankert ist, drohe das Baseldeutsche zu einer reinen Freizeitsprache zu verkommen.

Dabei gebe es genügend Argumente für die Dialektpflege. Kindern, die zweisprachig aufwachsen, sei es nur schon mit Dialekt und Standard, falle es leichter, andere Sprachen zu lernen.

Der Dialekt ist ein starkes Integrationsmerkmal für ausländische Kinder. Und der Dialekt verändert sich wie jede Sprache. Es geht nicht um das bewahren eines künstlichen Baseldytsch. Für Basel bedeute dies eh Jammern auf hohem Niveau. Vielleicht, so der Wunsch, könnten Basler, Badener und Elsässer enger zusammenarbeiten, um den gemeinsamen Dialekt zu bewahren.

Doch wie Manfred Markus Jung in einem Text zu Anfang dargestellt hat: Diese drei alemannischen Sprachgruppen zusammenzubringen, dürfte schwerer werden als gedacht.