Drogendealer
Drei Verurteilte, ein Härtefall und eine Landesverweisung: Scharfe und milde Urteile gegen Kleinbasler Crystal-Meth-Milieu

Vier Jahre Freiheitsstrafe für einen 35-jährigen Mann aus Basel: Das Basler Strafgericht verurteilte ihn am Donnerstag wegen banden- und gewerbsmässigem Betäubungsmittelhandel.

Patrick Rudin
Merken
Drucken
Teilen
Crystal Meth (Methamphetamin) ist chemisch eng verwandt mit Amphetamin, auch bekannt als Speed. Der stimulierende Effekt und das Missbrauchspotenzial von Methamphetamin werden jedoch als höher eingestuft.

Crystal Meth (Methamphetamin) ist chemisch eng verwandt mit Amphetamin, auch bekannt als Speed. Der stimulierende Effekt und das Missbrauchspotenzial von Methamphetamin werden jedoch als höher eingestuft.

Symbolbild: Michael Probst / AP

Der Mann hatte nach seiner Festnahme im Dezember 2019 seine Aussagen mehrmals verändert, welche Mitangeklagten er gekannt haben will und womit er gedealt habe. Schliesslich behauptete er, er habe bloss mit Marihuana gehandelt, doch das Gericht nahm ihm das nicht ab: Die in den überwachten Chatverläufen diskutierten Mengen ergäben zusammen mit seinen Erklärungsversuchen keinen Sinn. Als man ihn nach einer Lieferfahrt in Zürich festgenommen hatte, gab er auch zu Protokoll, er sei zur Lieferung gezwungen worden. Auch hier glaubten ihm die drei Richter kein Wort, zumal er behauptete, er sei wegen 150 Gramm Marihuana bedroht worden.

Die Strafzumessung folgte der üblichen Logik des Schweizerischen
Betäubungsmittelgesetzes: Ein qualifizierter Fall liegt etwa vor, wenn die gehandelte Menge «die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr» bringen kann. Bei Crystal Meth ist dies laut bundesgerichtlicher Rechtssprechung ab 12 Gramm reinem Stoff der Fall. Auch wenn das Gericht nicht alle Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft als erwiesen betrachtete, gingen die drei Richter beim 35-Jährigen dennoch von einer gehandelten Menge von über einem Kilo Crystal Meth mit einem Reinheitsgrad von jeweils über 90 Prozent aus.

Strafmass kann unter bestimmten Umständen gemindert werden

Bei den beiden mitangeklagten Thailändischen Frauen hingegen sah das Gericht zu wenig Beweise für einen gewerbsmässigen Handel. Sie hätten sich allerdings als Bande zusammengetan und den Vertrieb im Kleinbasel übernommen. Das Gericht ging bei beiden Frauen von mehreren hundert Gramm gehandeltem Crystal Meth aus, was immer noch deutlich über der erwähnten Limite von 12 Gramm liegt. Das Betäubungsmittelgesetz erlaubt den Richtern allerdings auch grosszügige Strafminderungen, wenn Händler selbst abhängig sind und hauptsächlich zur Finanzierung des Eigenkonsums gedealt haben.

Genau dieser Punkt führte bei den süchtigen Frauen zu deutlich milderen
Strafen: Die 45-jährige Thailänderin erhielt eine teilbedingte Strafe von 30 Monaten, davon muss sie 18 Monate auch tatsächlich absitzen. Der Rest wird zur Bewährung ausgesetzt, allerdings mit einer ausserordentlich langen Probezeit von fünf Jahren.

Da die Frau zwei Söhne in Basel hat, verzichtete das Gericht auf einen Landesverweis und wandte damit die Härtefallregelung an.

«Sie haben alle Gründe, mit dem Konsum von Crystal Meth aufzuhören. Wenn Sie konsumieren, brauchen Sie Geld, und dann sind Sie schnell wieder bei Delikten»,

warnte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone die Frau.

Eine weitere 52-jährige Thailänderin erhielt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten, davon zehn Monate unbedingt. Zusätzlich verhängte das Dreiergericht einen Landesverweis während der Dauer von sechs Jahren. Da die Frau seit Mai 2020 im Gefängnis ist, hat sie praktisch auf den Tag genau ihre zehn Monate bereits abgesessen.

Unsicher fragte sie nach der Urteilsverkündung nach, ob man sie deshalb nun aus dem Gefängnis entlassen werde. Doch die Gerichtspräsidentin dämpfte ihre Hoffnungen: Vermutlich werde das Migrationsamt die 52-Jährige nahtlos vom Strafvollzug in die Ausschaffungshaft übernehmen. Sämtliche Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Angeklagt war eigentlich auch ein 41-jähriger Mann, er hat sich jedoch zwischenzeitlich in die Türkei abgesetzt. Das Gericht wird den Fall im August neu ansetzen: Erscheint er erneut nicht, droht im ein Urteil in Abwesenheit. Noch gilt die Unschuldsvermutung, doch auch bei ihm liegt eine mehrjährige Freiheitsstrafe sowie ein Landesverweis drin.