Feldschiessen

Die Verschärfung des Waffenrechts beschäftigte die Schützen

Die Schützen machen sich Gedanken über das neue verschärfte Waffenrecht – die gute Laune liessen sie sich aber nicht vermiesen.

Der Baselbieter Sicherheitsdirektor hat die Lacher auf seiner Seite. Isaac Reber (Grüne) nimmt sich am Eidgenössischen Feldschiessen in der Schiessanlage Lachmatt gleich selbst auf die Schippe. «Ich machte einst ein vollmundiges Versprechen», bekennt er, «ich höre nicht auf als Sicherheitsdirektor, bevor ich nicht einen Kranz geschossen habe.» Dann kommt die Suppe mit Spatz auf den Tisch.

An den Tischen ist die Stimmung gelöst, manchmal aber auch ernster. Die verlorene Abstimmung vor Wochenfrist mit einer Verschärfung des Waffenrechts hallt nach. Die Europäische Union hat sich durchgesetzt. Die Schweizer Stimmbevölkerung beschloss am Sonntag mit fast 64 Prozent Ja-Anteil die Übernahme des EU-Waffenrechts. «Wir sind nicht in Jubelgeschrei ausgebrochen», erklärte Walter Harisberger, Vorstandsmitglied des Schweizer Schiessportverbands und Ehrenpräsident der Kantonalschützengesellschaft Baselland (KSG). «Die nächsten Verschärfungen stehen schon bald vor der Tür.»

Angst vor nächsten Einschnitten

Das hält auch Beda Grütter, Präsident der KSG, für möglich. «Wenn die EU eine nächste Verschärfung bringt, stehen wir wieder vor demselben Dilemma», befürchtet er. Heisst: Ein Verbleib im Schengen-Raum mit seinen Sicherheitsvorteilen hinge erneut davon ab, dass die Schützinnen und Schützen Kompromisse eingehen. Die Angst vor einem Ausscheiden aus dem Schengen-Raum habe denn auch an der Urne den Unterschied gemacht. «Denn es ist allen klar, gegen Terrorismus hilft dieses Gesetz nichts.»

Nach dem Kaffee bricht eine Delegation auf, sich das Feldschiessen in Schönenbuch und Aesch anzuschauen. Im Falle von Isaac Reber und Landratspräsident Hannes Schweizer (SP) wird auch gezielt werden. Reber arbeitet ja noch an seinem Kranz.

«Verbrecher-Insel»

In Schönenbuch empfängt André Knubel, der Präsident der Feldschützengesellschaft Schönenbuch, die Gäste. «Zum Trotz» seien enorm viele Schützen nach dem Urnengang ans Feldschiessen nach Schönenbuch gekommen. Ein Bierchen gönnt sich hier unter anderen Anton Lauber (CVP), der Baselbieter Finanzdirektor aus Allschwil. «Volkes Wille geht immer vor», sagt Knubel, «den werden wir respektieren, uns aber dafür einsetzen, dass gerade die Volksschiessen nicht zu sehr darunter leiden müssen.» Verloren hätten die Schützen, weil in Bern gelogen worden sei. Der Schengen-Raum könne es sich gar nicht leisten, die Schweiz rauszuwerfen. «Denn dann wird die Schweiz einfach zu einer Verbrecher-Insel», folgert André Knubel.

Nationalrätin Daniela Schneeberger (FDP) ist nicht der Ansicht, dass Bundesbern im Vorfeld der Abstimmung log. «Man konnte aufzeigen, dass wirklich das Maximum für die Schützen, Jäger und Waffensammler herausgeholt wurde», entgegnet sie, «verbunden mit möglichst geringem administrativem Aufwand.» Den Stimmbürgerinnen und -bürgern sei klar gewesen, dass ein Austritt aus dem Schengener Abkommen «tatsächlich» die Konsequenz hätte sein können. Ein Abkommen, zu dem die Bevölkerung an der Urne einst Ja gesagt habe und der Schweiz Sicherheit bringe. Eine weitere Verschärfung des Waffenrechts müsse nicht zwingend kommen, sagt Nationalrätin Schneeberger: «Ein Bedenken, das ich verstehe – doch muss es sich erst noch bestätigen.»

Ein bisschen zynisch

Martin Brodmann von den Feldschützen Pfeffingen gönnt sich einen Apéro im Aescher Schürfeld. Er wertet die Präsenz der Schützen sowie deren Plakatkampagne im Vorfeld der Abstimmung als gut. Doch habe die «Angstmacherei» obsiegt. Ein bisschen zynisch bemerkt er, es könne alles so weitergehen wie zuvor: «Wenn wir es wie die EU halten, dass wir Gesetze haben, uns aber nicht daran halten, können wir das noch lange weiterführen.»

Hannes Schweizer übrigens schiesst sich in die Kranzregion, Isaac Reber hingegen nicht. Der sollte eigentlich bald von der Sicherheitsdirektion in die Bau- und Umweltschutzdirektion wechseln. «Ich höre nicht auf als Sicherheitsdirektor, bevor ich nicht einen Kranz geschossen habe.» Bleibt er nun wirklich Sicherheitsdirektor?

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1