Basler Brunnen

Die Tränen der Meret Oppenheim – Überlaufen ist Absicht

«Wie ein schiefer Teller»: Beim Meret Oppenheim-Brunnen beim Südausgang des Bahnhofs SBB schwappt das Wasser regelmässig über.

«Wie ein schiefer Teller»: Beim Meret Oppenheim-Brunnen beim Südausgang des Bahnhofs SBB schwappt das Wasser regelmässig über.

Der Brunnen leckt bei Wind. Das sei so gewollt, sagen die Planer. Trotzdem prüft die IWB Massnahmen.

Es braucht keine «Sabine», um den Meret-Oppenheim-Brunnen in Wallungen zu versetzen. Auch ohne das Sturmtief und seine Sturmböen schwappt beim kreisrunden Becken beim Bahnhof SBB das Wasser regelmässig über. Der nördliche Rand ist abgesenkt, schon bei lauen Lüftchen wird er nass. Auf dem Boden angekommen, sucht sich das Wasser seinen Weg unter anderem durch das Bodensubstrat der umliegenden Bäume. Davon zeugen kleine Gräben.  

Die IWB kennen das Problem. Sie ist für die Bewirtschaftung des Brunnens verantwortlich. «Die IWB hat diese Kinderkrankheit erkannt und prüft aktuell Massnahmen zur Optimierung», teilt der Mediensprecher Reto Müller der bz mit. Ausgeschlossen sind laut Müller bauliche Anpassungen, also etwa eine Erhöhung des Brunnenrands oder der Einbau von «Wellenbrechern». «Es geht darum, die Wasserzufuhr bei windigem Wetter und damit auch den Wasserverlust zu reduzieren.» Heisst: Verliert der Brunnen Wasser, wird das Nachfüllen gestoppt. «Derzeit geschieht das manuell. Wir schauen aber auch Möglichkeiten an, wie die Wasserzufuhr bei sehr starkem Wind automatisiert unterbrochen werden könnte.»

Überschwappen als Teil des Konzepts

Das Überschwappen des Brunnens war gewollt – zumindest in geringem Masse. Für die Planung des Meret Oppenheim-Platzes samt Becken beauftragt waren Westpol Landschaftsarchitekten Basel und das Büro Herzog & de Meuron (HdM). Das Architektenduo entwarf auch den benachbarten 85 Meter hohen Meret Oppenheim-Turm, vermarktet als MOH. Sabine Rempert, Sprecherin von Herzog & de Meuron, schreibt: «Dass das Wasser bei starken Windböen auch mal über den Beckenrand hinausschwappen kann, war Teil des Konzepts und wurde durchaus in Kauf genommen.» Die angekündigten Massnahmen der IWB seien jedoch zu begrüssen, «Im Sinne eins schönenden Umgangs mit Ressourcen.» Sprich: Wassersparen kommt vor Kunst.

Der Brunnen wurde am 7. Juni vergangenen Jahres feierlich eingeweiht. Schon damals stellten die Gäste fest: Das Becken mit einem Radius von rund 15 Metern ist schief, «wie ein gekippter Teller», schreibt HdM-Sprecherin Rempert. Damit reagiere der Brunnen «auf die topographische Situation des Meret Oppenheim-Platzes», der vom Gundeldingerquartier gegen Norden her, in Richtung Gleisfeld, leicht abfällt. Von der Güterstrasse bis zur Meret-Oppenheim-Strasse beträgt die Höhendifferenz rund einen Meter.

Vierbeiner in öffentlichen Brunnen verboten

Ein zweiter Wellenfaktor sind die Kinder, die in den Sommermonaten gerne im Becken planschten. Dazu bietet sich der nach dem Tinguely-Brunnen zweitgrösste Brunnen der Stadt Basel geradezu an. Baden ist im MOH-Brunnen erlaubt, schreibt IWB, so, wie in einigen anderen Basler Brunnen auch. Der Eigentümer, der Kanton Basel-Stadt, toleriere das, jedoch auf eigene Verantwortung und Gefahr. Zudem gebe es eine Ausnahme: Vierbeiner dürfen in den öffentlichen Brunnen weder gebadet, noch gewaschen werden. «Zudem bittet die IWB, die Brunnen sauber zu hinterlassen und auf Anwohner Rücksicht zu nehmen.»

In der Mitte des Brunnens steht die rund zweieinhalb Meter grosse Skulptur «Die Spirale (der Gang der Natur)». Sie basiert auf zwei Entwürfen Oppenheims: einer Gipsfigur aus dem Jahr 1971 und einer sechs Jahre jüngeren bronzenen Tischfigur. Die verwirklichte Skulptur ist jedoch nicht aus Bronze, sondern aus Messing.

Dass ihr Brunnen von der Bevölkerung in Beschlag genommen wird, hätte die Künstlerin sicher gefreut. Meret Oppenheim, geboren 1913 in Berlin, gestorben 1986 in Basel, sagte laut der Online-Plattform «Artblog» über Kunst auf öffentlichen Plätzen, es gelte, «den Leuten das hinstellen, was ihnen Freude macht.»

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