Denkmal

Der Kampf um eine Plastik: Der Regierungsrat will «die Menschenrechte» ins Baselbiet holen

Bettina Eichin im Walzwerk vor dem Modell ihres «Menschenrechte»-Denkmals.

Bettina Eichin im Walzwerk vor dem Modell ihres «Menschenrechte»-Denkmals.

Nach einer langen Odyssee will der Regierungsrat Bettina Eichins bisher unvollendete Grossplastik ins Baselbiet holen.

Eigentlich ging es primär um den Basler Revolutionär Peter Ochs, dessen 200. Todestag im kommenden Jahr begangen wird. Doch ein politischer Vorstoss des Oberwiler CVP-Landrats Pascal Ryf holt nun auch ein Denkmal der Basler Künstlerin Bettina Eichin aus der Vergessenheit hervor. Eichins Grossplastik «Menschenrechte» von 1998 wartet noch immer auf ihre Vollendung, ebenso auf einen definitiven Standort.

Nach mehreren Zwischenstationen, welche Entwürfe, Teile und Varianten des Denkmals vom Berner Bundeshaus in die Basler Skulpturenhalle, von dort an die Universität Freiburg und dann ins Stadtmuseum Aarau führten, ist es derzeit im Walzwerk in Münchenstein eingelagert (die «Schweiz am Wochenende» berichtete im vergangenen Oktober).

Bettina Eichin Kunstwerk Menschenrechte

Bettina Eichin Kunstwerk Menschenrechte

Bettina Eichin würde ihr Kunstwerk gerne fertigstellen und an einem würdigen Standort permanent ausgestellt wissen. Landrat Ryf sähe es mindestens ebenso gerne in Liestal vor der Kantonsbibliothek am Bahnhof, so wie er es in seiner Interpellation vorschlägt. Damit könnte das Wirken von Peter Ochs und seine herausragende historische Bedeutung für die Gleichstellung der Baselbieter Landbevölkerung treffend veranschaulicht werden.

Unterstützung, aber kein Ankauf

Das hält auch die Baselbieter Regierung für eine gute Idee: Eichins «Menschenrechte» seien ein tiefgründiges Denkmal zu einem aktuellen Thema. «Ein noch unveröffentlichtes Werk einer derart renommierten Künstlerin für den Kanton Baselland zu gewinnen, ist eine grosse Chance – zur Steigerung der Standortattraktivität und als starkes Zeichen für eine moderne und aufgeschlossene Baselbieter Politik», schreibt die Regierung in ihrer Interpellationsantwort. Eine Aussage, die, ganz nebenbei, Rückschlüsse auf das derzeit vorherrschende Selbstverständnis in der Regierung erlaubt. Doch wenn es um den schnöden Mammon geht, gibt sich der Regierungsrat kleinlaut: Rechtlich bestehe keine Basis, ein solch grosses und teures Werk zu erstehen. Der dem Regierungsrat als überwachender Behörde zustehende Kunstkredit ist nur für kleinere Ankäufe und Produktionsbeiträge in der Gesamthöhe von maximal 150'000 Franken pro Jahr gedacht. Für die Vollendung und Aufstellung der «Menschenrechte» wird laut regierungsrätlicher Botschaft aber mit einer Summe von 20'0000 Franken gerechnet.

Sollte sich dagegen eine private Trägerschaft für die fünf Meter lange und zweieinhalb Meter hohe Skulptur finden, sähe die Sache anders aus. Dann könnte die Regierung nicht nur die Projektbegleitung durch die zuständigen staatlichen Stellen zusichern, etwa die Hilfe des Hochbauamts bei der Standortsuche, sondern auch die «wohlwollende Prüfung» eines Antrags auf Restfinanzierung durch den Swisslos-Fonds.
Damit stützt sich die Baselbieter Regierung auf die ursprüngliche Idee von Bettina Eichin, die von der einstigen Peter Ochs-Gesellschaft in Auftrag gegebenen und über eine Sammlung finanzierten «Menschenrechte» im Jubiläumsjahr 1998 (200 Jahre Helvetik, 150 Jahre Bundesstaat) der Öffentlichkeit zu schenken. Bei einer Spendenaktion 1997 kamen über 11'0000 Franken zusammen. Die Künstlerin selber verzichtete auf ihr Honorar. Der 2005 verstorbene Basler Historiker und Gründer der Peter Ochs-Gesellschaft Markus Kutter stiftete den Metallbau. Bis 2016 stieg der von Gönnern erbrachte Spendenbetrag auf 300'000 Franken. Inzwischen beziffert Eichin die bereits erbrachten Mittel auf rund 400'000 Franken. Gemäss früheren Angaben Eichins ist das Kunstwerk «nahezu fertiggestellt» (siehe Box). Die Baselbieter Regierung betont, die Künstlerin wäre bereit, dem Landkanton das Denkmal zu schenken, sofern ein «einvernehmlicher städtebaulicher und historisch stimmiger Ort» gefunden wird.

Zur «Schweiz am Wochenende» sagte Eichin vor einem halben Jahr, dass das fast fertiggestellte Denkmal und insbesondere die Verantwortung den Stifterinnen und Stiftern gegenüber für sie eine grosse Last darstelle. Über eine Lösung im Baselbiet würde sie sich entsprechend freuen.

Der Basler Petersplatz kam nicht in Frage

Gerade am «richtigen» Standort scheiterten aber die früheren Versuche, eine definitive Bleibe für die «Menschenrechte» zu finden. Im Bundeshaus verbannte 2005 die eidgenössische Kunstkommission die Bronzetafeln mit den Menschenrechtserklärungen aus der «Galerie des Alpes». Im Basel-Stadt blies man nach drei vergeblichen Anläufen und trotz zustimmender Grossratsbeschlüsse die Suche ab, als feststand, dass der Wunschstandort am Petersplatz nicht zu haben war. Auch in Aarau, der einstigen Hauptstadt der Helvetischen Republik, beschied Ende 2016 der Stadtrat, eine permanente Bleibe im Kasinopark komme nicht in Frage. Zuvor waren mehrere Einsprachen aus Bevölkerungskreisen gegen den geplanten Standort eingereicht worden.

Nun liegt der Ball beim Baselbiet. Vielleicht kann die Landratsdebatte vom kommenden Donnerstag erste Hinweise darauf geben, ob das Denkmal hier mehr Chancen hat, endlich fertiggestellt und der Öffentlichkeit übergeben zu werden.

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