Coronavirus

Der erste Schultag nach dem Lockdown: Hurra, wir dürfen wieder zur Schule

Acht Wochen lang blieben die Schülerinnen und Schüler des Kantons Basel-Stadt zu Hause. Am Montag war nun Schulbeginn. Ein Augenschein im Sekundarschulhaus De Wette.

Es regnet in Strömen. Fünf Jungs wagen sich kurz nach 11 Uhr am Montagmorgen trotzdem aus dem Schulhaus De Wette in Basel. Sie ziehen sich die Kapuze ihres schwarzen Pullovers über den Kopf. In der Hand halten sie eine Greifzange, zwei Jungs haben einen Abfallsack dabei. Sie sammeln Kaugummipapierchen, durchnässte Taschentücher, Plastikverpackungen: Dinge, die auf dem Pausenhof rumliegen und eigentlich entsorgt gehören.

Im Eingangsfoyer des De-Wette-Schulhauses begrüsst der Basler Bildungsdirektor Conradin Cramer die Medien. «Es ist ein besonderer erster Schultag. Und es hat toll funktioniert», resümiert der Regierungsrat. Er verbrachte den frühmorgendlichen Schulanfang im Primarschulhaus Schorenweg. Bevor Cramer das Wort an Dieter Baur, Leiter der Basler Volksschulen, geben kann, macht er Platz für die fünf Schüler. Durchnässt eilen sie die breite Treppe hoch, vom Abfallsammeln zurück ins Schulzimmer.

Schulalltag kehrte nach wenigen Stunden zurück

Baur ist zufrieden mit dem Schulstart nach acht Wochen im Lockdown – davon waren zwei Wochen Ferien. «Es kommt einem vor wie nach den Ferien. Doch die Schülerinnen und Schüler hatten keinesfalls frei, sie haben immer gearbeitet.» Viele Erfahrungen könnten sie nun in das gewöhnliche Schulleben mitnehmen. «Aber», betont Baur, «die Schule findet vor Ort statt und wird auch dort gelebt. Damit können wir jetzt weitermachen.»

Und darauf haben sich viele Schülerinnen und Schüler gefreut – zumindest ist dies ihre Antwort, als sie von Medienschaffenden auf den besonderen Schulanfang angesprochen wurden. Emmi, sie besucht die dritte Sekundarstufe, sagt: «Es fühlt sich voll normal an, wieder im Schulzimmer zu sein. Ich habe mich darauf gefreut, vor allem auf meine Freunde.»

Haben die Schüler Angst?

Ihr Klassenkamerad Noah nervt sich derweil über die vollen Gänge im Schulhaus. Am Morgen und in den Pausen würden sich dort die Schüler drängen. «Um mich selbst habe ich keine Angst, aber um andere Menschen. Also etwa meine Grosseltern», sagt Noah.

Tim, der gerade mit Noah und zwei anderen Kollegen an einem Projekt arbeitet, sagt: «Doof ist, dass ich jetzt wieder früher aufstehen muss. Mein Schulweg ist schon recht lang.» Auch habe er es einfacher gefunden, die Schulaufgaben zu Hause zu erledigen. «Ich war viel schneller fertig», so Tim.

Der Blick ins Zimmer dieser dritten Sek-Klasse zeigt: Der Alltag, die Normalität, sie sind bereits nach wenigen Schulstunden zurückgekehrt. Hier recherchieren zwei Schülerinnen an ihrem Laptop für eine Aufgabe, dort diskutieren vier Kollegen über die korrekte Lösung. Klassenlehrer Fabio Lauria bestätigt den Eindruck: «Die Klasse ist sehr unbeschwert.» Zu Beginn des Schultags habe er die Coronakrise, das Virus und die Massnahmen thematisiert. «Wir unterhielten uns auch vorher im Videochat schon darüber. Darum fiel jetzt niemand aus allen Wolken», so Lauria. Auch Angst spüre er kaum.

Ganz ist die Coronarealität noch nicht im Schulhaus angekommen. In den Gängen hängen noch Arbeiten aus der Zeit vor dem Coronavirus. Eine Klasse setzte sich etwa mit Reisen durch Europa auseinandern: Poster zu den Destinationen Frankreich, Italien, Schweden oder Belgien hängen an der Wand. Bunte, fröhliche Zeugen einer Zeit, als Jugendliche noch vom Reisen träumten.

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