Badesaison
Den nächsten Abschlag gibt es erst im Herbst

Am Samstag ist im Gartenbad Bachgraben Saisonstart. Was die Badelustigen angesichts der frühsommerlichen Temperaturen freut, ist für die Bachgraben-Golfer mit Wehmut verbunden.

Stephan Dietrich
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Ein letztes Einlochen in diesem Frühjahr: Im Bachgraben wird ab heute wieder gebadet.zvg/Stefan Bolleter

Ein letztes Einlochen in diesem Frühjahr: Im Bachgraben wird ab heute wieder gebadet.zvg/Stefan Bolleter

Denn ausgerechnet dann, wenn das Wetter und die Temperaturen fürs Golfen am schönsten wären, müssen sie den Platz räumen. Das bedauert auch Stefan Bolleter (Alter 59, Handicap 29,3), Präsident des Vereins City Golf Bachgraben. Bis das Gartenbad im September schliesst und die Bachgraben-Golfsaison beginnt, frönt der spät berufene Golfer auf dem Platz in La Largue, etwa 45 Kilometer von Basel entfernt, seinem Hobby. Doch das hat seinen Preis. Die einmalige Aufnahmegebühr beträgt 20000 Euro, die Jahresgebühr verschlingt nochmals 2500 Franken. Noch teurer und exklusiver ist der stadtnahe Golf & Country Club Basel in Hagenthal.

560 Franken Jahresgebühr

«Etliche unserer Mitglieder sind schon über 60 Jahre alt und können oder wollen sich das nicht leisten. Sie haben schon rein konditionell Mühe einen 18-Loch-Kurs zu bestreiten», erklärt Bolleter. Bis im Herbst haben sie die Möglichkeit gleich neben dem Gartenbad am Rande der Fussballfelder ein paar Schläge zu üben. Wenn die Fussballer trainieren, müssen die Golfer draussen bleiben. Die Gefahr, dass ein verirrter Ball Schaden anrichtet, wäre zu gross. Seit zehn Jahren gibt es den City Golf Bachgraben. Initiator der Idee war der frühere Journalist, damaliger Leiter des Sportamts Basel Stadt und Hobbygolfer Andrea Müller. Ursprünglich wurde die Golf-Anlage vom Sportamt selbst geführt. Nachdem ruchbar wurde, dass Müllers Frau angeblich oder tatsächlich von der Stellung ihres Mannes profitierte, musste Andrea Müller wegen dieser Vetternwirtschaft mehr oder weniger freiwillig den Hut nehmen. Der Golf- Court Bachgraben wurde vom Sportamt ausgegliedert.

Seit sechs Jahren ist ein Verein als Träger für den Golfbetrieb verantwortlich. Gut 100 Mitglieder hat er heute. Die Jahresgebühr beträgt 560 Franken. Wer auch im Sommer auf den Aussen-Bahnen spielen will, zahlt 120 Franken zusätzlich. Dazu gibt es Angebote für Golfer, die den Platzt nur gelegentlich nutzen wollen. Als Pacht überweist der Verein dem Sportamt pro Saison 10000 Franken. Für Bolleter ist klar, dass der Aufwand um einiges grösser ist. Beim Sportamt argumentiert man, die drei Angestellten des Sportamts seien von Herbst bis Frühling ohnehin auf dem Platz. Für was auch immer das Gelände eine solche intensive Betreuung braucht, verschliesst sich dem normalen Sachverstand. Der Verein selbst kann jedes Jahr einen kleinen Gewinn ausweisen. Die Mitgliederzahlen sind am Steigen, dafür nehmen die Einnahmen von Gelegenheitsbenutzern ab.

Ab und zu besuchen Schulklassen im Schwimmbad-Golf-Kurse. Mehr Zuspruch haben die Senioren Golf Kurse von Pro Senectute.

Trotzdem: Wer auch bei passablen Golf-Wetter beim Bachgraben vorbeigeht, entdeckt nur selten einen Golfer oder eine Golferin beim Spielen. Vielleicht sind sie gerade am Kuchen essen, denn die Süssigkeiten in der Bachgraben-Golf-Lounch geniessen einen guten Ruf. Manch einer begibt sich am Sonntag nicht wegen des Golfs, sondern wegen der selbst gemachten Kuchen ins Club-Restaurant. Aber ab heute gibt es dort wieder Glacés, Chicken Nuggets, Pommes-Frites und andere globalisierte Spezialitäten.