Kommentar

Daran müssen wir uns gewöhnen

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Gabenzaun

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Viele hatten sich in den vergangenen dunklen Monaten mit dem Gedanken getröstet, dass der Coronakrise
etwas Gerechtes innewohnt. Vor der Pandemie sind alle gleich, gemeinsam sind wir ihr ausgeliefert, wenn wir nicht zusammenstehen. Wir waren denen unendlich dankbar, die bis zur Erschöpfung arbeiteten, damit hierzulande nicht die gleiche Katastrophe ausbricht wie in Italien oder Spanien.

Doch wenn es nun allmählich in den Alltag zurückgeht, zeigt sich, wie vergänglich die Botschaften sind, die für das hart arbeitende Pflegepersonal von den Balkonen gesungen wurden. Der Markt ist unbarmherzig und wird früher oder später alle sozialistischen Utopien bodigen. Selbst in einem Coronatestcenter, in dem Ärzte und Pfleger allesamt einer ähnlich sinnvollen, aber simplen Arbeit nachgehen, gibt es eine Zweiklassengesellschaft, wenn es um den Lohn geht.

So bedauernswert man es finden kann: Wir werden auch in Zukunft überbezahlte CEO, Manager und Fussballstars und schlecht entlöhntes Pflegepersonal haben. Umso tröstlicher und ermutigender ist es, dass gerade die Stützen dieser Gesellschaft weniger das Geld als die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit als Ansporn betrachten. Oder, wie es eine Pflegefachfrau im Gespräch mit der bz sagte: «Ich hätte die Abstriche in den Testzentren sogar gratis gemacht.» Ihr sei das Geld eben nicht so wichtig wie das Allgemeinwohl.

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