Coronavirus
Wenn das Gras nirgends grün ist: Stadt und Land ärgern sich über Impfprobleme

Im Baselbiet wurden die meisten Pflegeheimbewohner geimpft, in Basel-Stadt noch nicht. Das stösst bei Baslern auf Unverständnis. Doch auch auf dem Land läuft nicht alles so, wie es soll.

Kelly Spielmann
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Die Impftermine werden nicht strikt nach Warteliste vergeben – das Problem soll heute behoben werden.

Die Impftermine werden nicht strikt nach Warteliste vergeben – das Problem soll heute behoben werden.

Bild: Nicole Nars-Zimmer

Im Kanton Baselland haben alle impfwilligen Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen eine Zweitimpfung erhalten – das teilte der Kanton vergangene Woche mit. Und das ärgert Stadt-Basler – denn dort sieht die Situation deutlich anders aus. Ein Leser schreibt beispielsweise, im Tertianum St.-Jakob-Park sei der Impftermin nun bereits zum zweiten Mal verschoben worden, dieses Mal auf ein unbekanntes Datum.

«Wieso kann Baselland alle Heimbewohner impfen, Basel-Stadt
aber nicht?»,

fragt er. Tatsächlich müssen noch einige Alters- und Pflegeheime warten: «Es wurde bisher in 43 Institutionen geimpft», sagt die Basler Kantonsapothekerin Esther Ammann. «Weitere zehn Institutionen warten noch auf einen Impftermin, zwei sind noch nicht bereit und treffen noch Abklärungen.» Im Tertianum St.-Jakob-Park gebe es nur wenige Pflegebetten – die 16 Bewohner der Pflegezimmer sollen jedoch «voraussichtlich diese Woche geimpft werden können». Für die gesamte Residenz könne man aber noch keinen Termin angeben.

Unklar, wann es weitergeht

Ebenso sei es nicht möglich, einen Termin festzulegen, an welchem alle Impfwilligen in Altersheimen ihre Dosen erhalten haben sollen. «Die Problematik liegt in der nicht konsistenten Verfügbarkeit der Impfstoffe, weshalb die Planungen sehr komplex sind und mitunter auch sehr kurzfristig erfolgen», so Ammann. Es sei zu kurzfristig angesagten grossen Lieferkürzungen beider Impfstoffe gekommen.

Im Kanton Basel-Stadt wurden, Stand Montag, 18'527 Impfdosen verabreicht, wovon 7'027 Zweitimpfungen waren. Tatsächlich geimpft – ob mit einer oder zwei Dosen – wurden also 11'500 Baslerinnen und Basler. Dies entspricht rund 5,7 Prozent der Kantonsbevölkerung.

Auch auf dem Land läuft nicht alles rund

Im Baselbiet wurden zur selben Zeit 20'657 Impfungen verabreicht – 7'683 davon sind Zweitimpfungen. Mittlerweile wurden also mehr Impfungen durchgeführt, als es im Kanton insgesamt Coronafälle gab (13'260). In Alters- und Pflegeheimen wurden bereits 2'248 Personen geimpft. Dennoch ärgern sich auch Baselbieterinnen und Baselbieter über den Ablauf der Impfungen. Im Fokus des Frusts steht dort die seit dem 26. Januar bestehende Möglichkeit, sich auf eine Impfwarteliste setzen zu lassen.

Wie ein Baselbieter Leser berichtet, habe er seine 90-jährige Mutter gleich am erstmöglichen Tag frühmorgens für einen Termin angemeldet, als die Website dafür geöffnet wurde. Acht Stunden später habe sein Neffe die Nachbarin seiner Mutter angemeldet – diese habe nun bereits einen Termin erhalten, seine Mutter jedoch noch nicht. Und das, obwohl die Terminvergabe laut Kanton chronologisch nach Anmeldung stattfinden sollte.

Fehler im Tool des Bundes

Die Problematik ist dem Kanton bekannt: Mehrere Personen hätten sich mit derselben Anfrage gemeldet, sagt Roman Häring, Sprecher des Baselbieter Krisenstabs. Da die Software «Soignez-Moi», die für die Terminvergabe zuständig ist, vom Bund vorgegeben wird, hätte sich die Projektleitung sogleich beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemeldet, erklärt er.

«Zuerst wurden wir seitens Bund gar nicht ernst genommen und erhielten die Aussage, dass dies nicht stimmen kann», berichtet Häring. Erst nachdem die Projektleitung das Problem mit der IT des BAG angeschaut habe, sei es aufgenommen worden. «Wir wissen derzeit nicht, ob das Einzelfälle sind oder ob es sich um einen grösseren Fehler handelt.» Vom BAG jedoch habe man die Zusicherung erhalten, dass die chronologische Terminvergabe ab heute Mittwoch einwandfrei funktionieren soll. «Wir hoffen, dass das klappt», sagt Häring. Es sei nicht das erste Mal, dass man mit dem Tool Probleme habe.

«Wir sind aber darauf angewiesen, dass solche Fehler sofort behoben werden, und intervenieren jeweils vehement.»

Vom BAG kam gestern eine schriftliche Erklärung: «Die Software kennt die Reihenfolge der Anmeldung. Die Software garantiert aber nicht, dass die Terminvergabe gemäss der Anmeldereihenfolge erfolgt», schreibt Sprecherin Katrin Holenstein. Das System sei dynamisch – da es innert kürzester Zeit zu sehr vielen Anfragen komme, nehme es eine automatische Zuteilung auf die verfügbaren Termine vor. «Aufgrund von Terminverschiebung kann es sein, dass Personen freie Impftermine erhalten, die nicht zwingend der Registrierungsreihenfolge erfolgen.»