Tanz

Choreografin Sharon Eyal lädt zu düsterem Techno im Theater Basel

Sharon Eyal und Bryan Arias liefern hämmernden Sound und schwebend-versöhnliche Klavierklänge.

Das Theater Basel hat am Donnerstag zum Doppeltanz geladen. Die israelische Choreografin Sharon Eyal wuchtete mit «Salt Womb» eine halbe Stunde düsteren Techno auf die Bühne. Der in Puerto Rico geborene Amerikaner Bryan Arias setzte mit «Without Absorbing it» einen interessanten Kontrapunkt.

Sharon Eyal ist in Tel Aviv zu Hause, der Königin unter den Partystädten im Nahen Osten. Nach Jahren bei der renommierten Batsheva Dance Company in Jerusalem hat sie mit dem Technoproduzenten Gai Behar ihre Company L-E-V gegründet. Mit im Boot ist seit Beginn auch Ori Lichtik, einer der Gründerväter der Rave-Szene in Israel.

«Salt Womb», 2016 für das Nederlands Dans Theater kreiert, ist denn auch von Lichtiks lauten, stampfenden Beats geprägt. Hier wird aber nicht die Fröhlichkeit israelischer Partys zelebriert, sondern eine düstere, gleichgeschaltete Gesellschaft. Zu Beginn ist der hämmernde Sound durchzogen von Sirenenklängen, wie sie das Kriegsland Israel eben auch prägen.

Mit reduzierten, kantigen, meist im Stehen ausgeführten Bewegungen und Zuckungen wird unter Anleitung eines Trainers ein seltsames Ritual der Gleichschaltung vollzogen. Immer wieder lösen sich einzelne Tänzerinnen und Tänzer aus dem Kollektiv, um alsbald wieder in dessen Grundrhythmus zurückzufallen. Der Takt ist gnadenlos, die Körper sind jung, virtuos und muskulös, mit wenig schwarzem Stoff bekleidet, schwitzen sie um die Wette.

Das ist zweifelsohne ein intensives Erlebnis, das sein Überwältigungspotenzial voll ausspielt. Die Skizze einer dystopischen, faschistoiden Gesellschaft, deren Macht jede Individualität absorbiert.

Auf der Suche nach der wahrhaftigen Begegnung

Einen ganz anderen Fokus setzt Bryan Arias. Der junge Choreograf interessiert sich für die Kommunikation zwischen Tänzerinnen und Tänzern. Er begibt sich in seiner zweiten Arbeit für das Theater Basel auf die Suche nach dem Moment, «in dem wir uns wirklich und wahrhaftig aufeinander einlassen».

Zu Beginn schwebt sein Ensemble zu Klavierklängen über die Bühne, leicht wie ein Schwarm Vögel am Abendhimmel. Verstärkt wird dieser luftige Effekt durch zwei riesige, abgewinkelte Spiegelwände, die aus einem Bild drei machen.

Während im ersten Teil die Tänzerinnen und Tänzer alle gemeinsam nach Formen des Miteinanders suchen, ist der zweite individualisierter. Ein Quartett wird da von einer entrückten Frauenfigur begleitet. Am Ende, als alle abtreten, geht einer nicht. «Lasst uns nicht aufhören», sagt er und beginnt mit einer Tänzerin ein schönes, sehenswertes Duett. Hier lassen sich zwei wirklich aufeinander ein.


Sharon Eyal/Bryan Arias
Bis 28. März. Theater Basel.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1