Fasnacht

Chesslete im Schwarzbubenland: Fasnächtler kesseln Büsserach wach

Am Schmutzigen Donnerstag findet im Schwarzbubenland die Chesslete statt – sie ist vor allem eines: laut.

Kurz vor fünf Uhr morgens beginnt sich der Platz vor dem Schulhaus Kirsgarten in Büsserach zu füllen. In den umliegenden Häusern brennt kein Licht, das Dorf schläft noch. Hellwach sind nur die über hundert Kinder und Eltern, die weiss bekleidet und mit Zipfelmützen auf den Köpfen für die Chesslete bereitstehen. In ihren Händen halten sie Spielzeugtrommeln, leere Dosen, Kochtöpfe und deren Deckel – und alles, was sich sonst noch als Trommelinstrument einsetzen lässt. Oder schlicht dazu in der Lage ist, Lärm zu machen – auch Trillerpfeifen, Hupen und Rätschen sind beliebt.

Eingesetzt werden die Instrumente jedoch vor fünf Uhr noch nicht – es ist erstaunlich ruhig für die Menge an Menschen, die sich versammelt hat. Bis die Gugge «Oktaväsumpfer», welche die Chesslete anführt, die Stille bricht: Mit Abbas «Lay all your love on me», das sogleich von den blechernen Trommelgeräuschen und Pfeifen der Kinder begleitet wird, werden die ersten Anwohner aus dem Schlaf gerissen.

Auch Fasnachts-Muffel werden aus dem Bett geholt

Geweckt wird als erstes die Obere Grabenstrasse, bevor die Schar rechts in die Gehrenstrasse einbiegt. Die Stimmung ist unterschiedlich: Während einige Schüler mit riesigem Grinsen auf ihre Töpfe hauen, sagt ein Junge seinem Umzugsnachbarn, dass er gerade lieber im Bett liegen und schlafen würde.

Doch auch für diejenigen, die nicht an der Chesslete teilnehmen, ist an Schlaf nicht zu denken. In einem Haus öffnet sich ein Fenster und eine Frau schaut dem Umzug zu, aus einer Wohnung wird der Anlass vom Balkon aus gefilmt – in einem weiteren wird das Fenster geschlossen und die Gardinen werden zugezogen. Auch Fasnachts-Muffel werden an diesem Morgen aus den Betten geholt.

Zum Abschluss: Die traditionelle Mehlsuppe

Von der Gehrenstrasse geht es weiter über die Hofmattstrasse und die Kirchstrasse ins Dorfzentrum, dann entlang der Neumattstrasse nordwärts, bevor die Lüssel via Wydenmattstrasse wieder überquert wird. Über die Grienstrasse und die Brückenstrasse geht es zurück Richtung Schule, wo ein letztes Mal Kellen gegen Töpfe und Pfannendeckel zusammengeschlagen werden. Büsserach ist wach.

Drei Kilometer haben die Kinder zurückgelegt – und sind bereit für eine Mehlsuppe in der Mehrzweckhalle. Adrian Saner, Präsident der «Oktaväsumpfer», ist mit der Chesslete zufrieden: «Für eine Dorffasnacht haben wir wirklich viele Besucher.» Seine Gugge gibt noch ein Konzert für Schüler und Eltern. Doch nicht bevor Saner klarstellen kann: «Im Baselbiet mag die Fasnacht auch wichtig sein – aber mit unserer ist sie niemals zu vergleichen!»

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