Nartifikultur
Der Tresor im Unternehmen Mitte wird eine öffentliche Samenbank

Ein Künstlerkollektiv baut mitten in Basel ein Saatgut-Archiv zum Tauschen von Pflanzensamen auf.

Elodie Kolb
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Das Kollektiv sammelt und sortiert das Saatgut im Keller des Unternehmen Mitte.

Das Kollektiv sammelt und sortiert das Saatgut im Keller des Unternehmen Mitte.

Nartifikultur

Der Tresor unter der ehemaligen Bank im Unternehmen Mitte wird wieder als ein solcher eingesetzt. Die Schliessfächer im Safe werden jedoch nicht mit Wertsachen und Geld im eigentlichen Sinne gefüllt, sondern mit Saatgut. Das Kollektiv Nartifikultur will im Safe die Schweizerische Samenbörse aufbauen.

«Indem wir einen alten Banktresor für den Austausch von Saatgut verwenden, präsentieren wir Samen als wertvolles Kapital, welches allen zugänglich ist», so schreibt das Kollektiv, das aus den Kunstschaffenden Anna Schaffter, Florine Biber und Julien Rondez besteht, auf der Website. Ab dem 16. März eröffnet die Samenbörse in der Mitte der Stadt. Es soll «eine unkommerzielle Plattform sein, um Saatgut unter die Menschen zu bringen», heisst es von Nartifikultur.

Auch Begegnungen mit den Menschen sollen Platz haben

Im Keller des Kaffeehauses sollen Menschen Saatgut bringen, tauschen, aber auch nur holen können. «Wir haben bemerkt, dass wir selbst immer Samen übrig haben, die wir nicht brauchen und andere, die uns fehlen», erzählt Anna Schaffter. Dort will die Samenbörse ansetzen. Zurzeit befinden sich laut ihr etwa 15 Sorten Saatgut im Tresor, welche die drei von ihrem persönlichen Bestand beigesteuert haben. Bis zur Eröffnung sollen aber sicher nochmals 15 Sorten dazukommen, hofft Schaffter.

Sie seien inspiriert worden von einem Projekt in Lausanne. Laut Schaffter gebe es dort eine öffentliche Kiste mit Saatgut, das getauscht werden kann. Im Prinzip eine Bücherkiste, nur mit Pflanzensamen. Das sei ursprünglich auch der Plan für Basel gewesen. «Aber dank der Unterstützung vom Unternehmen Mitte hat das Projekt ein neues Ausmass angenommen: Es soll auch um die Begegnung mit den Menschen und die Geschichte der einzelnen Samen gehen», so Schaffter. Sie möchten die Menschen vor Ort auf den Verlust der Artenvielfalt sensibilisieren und mit ihnen ins Gespräch kommen. «Wir wissen auch nicht alles. Und vielleicht kommen Menschen, die mehr wissen als wir und uns etwas beibringen können», hofft Schaffter. Da die Vielfalt der Samen immer weiter abnehme, habe das Kollektiv auch bei Organisationen wie ProSpecieRara angefragt, um eine grössere Auswahl an Saatgut im Archiv zur Verfügung stellen zu können.

Die drei vom Kollektiv haben alle eine künstlerische Ausbildung an einer Fachhochschule absolviert. «Mit Nartifikultur sollen die Konzepte Natur, Artifizialität und Kultur zusammengebracht werden.» Daher auch der Name des Kollektivs. «Als Kunstschaffende sehen wir unsere Arbeit im Archiv auch gewissermassen als performative Performance», so Schaffter.

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