CD-Taufe

Basler Band The Amber Unit releast CD: Neues Leben in der Geisterstadt

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The Amber Unit beweisen mit dem Album «Kolmanskop», dass der kreative Funke innerhalb der Basler Band noch lange nicht erloschen ist.

Wer nach 20 Bandjahren noch zwei Mal pro Woche gemeinsam in den Probekeller steigt, meint es ernst. Natürlich gibt es Bands, bei denen das gemüt­liche Beisammensitzen längst wichtiger ist als die kreative Selbstverwirklichung. Bands, in denen der Musiker, der das nächste Sixpack mitbringt, mit offeneren Armen empfangen wird als ­jener, der eine neue Songidee dabei hat.

Auch bei der Basler Band The Amber Unit haben sich über die Jahre Freundschaftsbande geknüpft, sonst wären die fünf ­Musiker nicht in fast unverän­derter Besetzung seit dem Milleniumwechsel zusammen – anfänglich als Bent, drei Alben lang als Why­some und seit 2010 unter dem aktuellen Namen.

Acht Jahre ohne Tonträger

Dass vor dem bisher letzten ­Album «Fear No Giant» (2018) acht Jahre ohne Tonträger ins Land gezogen waren, liess darauf schliessen, dass das kreative Feuer der Band um Sänger Victor Hofstetter nicht mehr so hoch loderte wie zuvor.

Das Album selber war spielerisch grundsolide, zeigte aber auch eine Band, die im stilistischen Spagat zwischen ihren Wurzeln im Indierock und ihrer etwas sanfteren neuen Ausrichtung feststeckte.
Wer The Amber Unit damit abgeschrieben hatte, wird nun ­Lügen gestraft: Mit «Kolmanskop» legt das Quintett einen Longplayer vor, der getrost als ihr bislang bester gelten darf.

«Er hat uns aus dem musikalischen Winterschlaf rausgehauen»

Auf zehneinhalb Songs zelebrieren The Amber Unit mit ­ansteckender Unaufgeregtheit jene Weite, welche die Schweizer Popszene so oft sucht und so selten findet: cineastisch, aber frei von Bombast; ruhig, aber nicht belanglos, reif, aber nicht abgebrüht.

Frontmann Victor Hofstetter verortet die Frischzellenkur bei Christoph Meneghetti, der vor gut drei Jahren als Bassist zur Band gestossen ist: «Er hat uns aus dem musikalischen Winterschlaf rausgehauen.» Dass The Amber Unit mit rund zehn bis 15 Konzerten pro Jahr weniger oft auf der Bühne stünden als auch schon, habe womöglich dazu ­geführt, dass sich die Band «im Soundbild etwas freier» fühle, mutmasst Hofstetter.

Sanddünen, die sich ins Wohnzimmer vorarbeiten

Das Ergebnis überzeugt: Sei es im dezent folkigen «Darkness» oder im vielleicht gelungensten Stück «If You Wanna Know My Secrets Then Leave», das mit orientalischer Geige und grossartiger Tuareg-Blues-Gitarre (die in «By The Fires» erneut vorbeischaut) wie eine vertonte Wüste klingt. Nicht zufällig ist das Album nach der berühmten Geisterstadt in Namibia benannt, wo sich die Sanddünen in die ungenutzten Wohnzimmer vorarbeiten.

Niemand von der Band habe Kolmanskop besucht, sagt Hofstetter, er sei jedoch fasziniert von solchen Orten. Es sei denn kein Zeichen von Altersmilde, sondern durchaus Absicht ge­wesen, dass das neue Material ­diese Weite aufgreife: «Wir haben uns da von der Band Tina­riwen inspirieren lassen», sagt er. Und: Man habe der Violine des Multiinstrumentalisten Yves Neuhaus wieder mehr Platz geben wollen.
Das beherrschende Thema des Albums sei der Zerfall. Den damit verbundenen Zahn der Zeit besingt Hofstetter in «Below»: «Time is a messenger», die Zeit sei ein Bote. Im Falle von The Amber Unit und «Kolmanskop» ist die Kunde eine frohe.


The Amber Unit: «Kolmanskop», Radicalis.
www.theamberunit.com

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