Beschwerden
Zwangsverschiebungen von Sekschülern empören weitere Eltern

Die Bildungsdirektion ist in einem Dilemma: Einerseits muss sie sparen und neue Sekundarklassen schulübergreifend zusammenlegen. Andererseits lösen zwangsweise Schülerverschiebungen regelmässig eine Lawine von Elternprotesten aus.

Andreas Hirsbrunner
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Nach Allschwiler Eltern protestieren nun auch Therwiler Eltern, dass ihre Kinder die Sekundarschule in Binningen besuchen müssen. (Symbolbild)

Nach Allschwiler Eltern protestieren nun auch Therwiler Eltern, dass ihre Kinder die Sekundarschule in Binningen besuchen müssen. (Symbolbild)

Keystone

Nach Allschwiler Eltern protestieren nun auch Therwiler Eltern, dass ihre Kinder die Sekundarschule in Binningen besuchen müssen. Heute Abend besprachen Eltern in Therwil das weitere Vorgehen.

Sie haben noch eine Woche Zeit, sich zur Anordnung des Amts für Volksschulen (AVS) vernehmen zu lassen, dass sieben Schüler des Niveaus A die erste Sek im Sommer in Binningen und sieben des Niveaus E in Oberwil besuchen müssen. Eine Mutter einer betroffenen A-Schülerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, weil sie negative Konsequenzen fürs weitere Verfahren befürchtet, fühlt sich vom AVS nicht ernst genommen. Das Amt habe alle Elterneingaben mit einem gleichlautenden Brief beantwortet.

Verständnis für Eltern

Die Mutter kann nicht verstehen, dass ausgerechnet A-Schüler, die oft genug schon schulische Probleme hätten, den relativ weiten Weg nach Binningen unter die ÖV-Räder nehmen müssen. Der stellvertretende AVS-Leiter Dieter Kaufmann sagt, dass sein Amt nach vorgegebenen Kriterien wie etwa die Länge des Schulwegs Zwangsverschiebungen anordne, wenn es zu wenig Freiwillige gebe. Kaufmann: «Ich verstehe dabei die vielen kritischen Nachfragen von Eltern.» Zur Schulweglänge sagt Kaufmann, dass ein Weg ab 45 Minuten als nicht mehr zumutbar gelte. Ein Ausschlusskriterium für Zwangsverschiebungen seien zudem Schüler mit Behinderungen oder solche, die aus gesundheitlichen Gründen mehrmals täglich Medikamente nehmen müssten.

Im ganzen Kanton müssen laut Kaufmann im kommenden Schuljahr 43 von 2510 Erstklass-Sekschülern die Schule an einem andern als dem eigentlich vorgesehenen Standort besuchen. Der Hauptteil der Verschiebungen findet im Raum Allschwil-Binningen-Oberwil-Therwil-Reinach-Münchenstein statt, wobei sich auch Schüler freiwillig zu einem Wechsel bereit erklärthaben. In Therwil seien das ein A- und drei E-Schüler.

Erstaunt haben Kaufmann fünf Anfragen von Schülern respektive Eltern aus dem Waldenburgertal für einen Wechsel nach Reigoldswil; alle wurden bewilligt, obwohl nur zwei notwendig gewesen wären. Im letzten Jahr gab es im Waldenburgertal noch heftige Proteste wegen Zwangsverschiebungen über den Hügel nach Reigoldswil. Damals wurden im Übrigen im ganzen Kanton 72 Schüler verschoben. Mit den jetzt vorgesehenen 43 Verschiebungen könne der Kanton 14 Klassen und damit 3,99 Millionen Franken einsparen, sagt Kaufmann.

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