Rechtsprechung
Zum 200-Jahr-Jubiläum: ein Blick auf die Prozesse hinter den Prozessen

Am 16. Januar feiert das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West in Arlesheim sein 200-Jahr-Jubiläum mit einem Tag der offenen Türe. Damit kann man einen besonderen Einblick in den Gerichtsalltag werfen, der sonst nicht möglich wäre.

Michel Ecklin
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Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West lädt zum Jubiläum ein.

Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West lädt zum Jubiläum ein.

Herr Mohler, gab es das schon mal, dass ein Baselbieter Gericht einen Tag der offenen Türe veranstaltet?

Manuel Mohler: Ich habe gehört, dass das Kantonsgericht dies mal getan hat. Aber mehr weiss ich nicht darüber.

Und wie sind Sie selber auf die Idee gekommen, zum Jubiläum im Zivilgericht Arlesheim einen solchen Anlass durchzuführen?

Als Richter werden wir immer wieder mit Fragen konfrontiert. Viele wollen wissen, wie unser Gericht funktioniert und was da abläuft. Wir dachten, das Jubiläum ist der Anlass, der Bevölkerung zu zeigen, was wir tun.

Manuel Mohler – Vizepräsident

Manuel Mohler ist Vizepräsident des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West in Arlesheim. Er ist im Organisationskomitee des Jubiläumsanlasses zum 200-Jahr-Jubiläum des Gerichts.

Wieso braucht ein Gericht einen Tag der offenen Tür? Die Verhandlungen sind ja sowieso meist öffentlich.

Ja, aber wenn man im Gerichtssaal sitzt und einem Prozess folgt, sieht man nicht alles, was dahintersteckt. Man weiss dann nicht, wie ein Prozess abläuft, welche Rolle zum Beispiel die Plädoyers spielen, wie man zu einem Entscheid kommt. Und wer Prozesse nur aus dem Fernsehen kennt, hat vielleicht einen falschen Eindruck davon, wie es tatsächlich zu- und hergeht bei uns.

Was dürfen die Besucher am 16. Januar erwarten?

Wir öffnen die verschiedenen Bereiche des Zivilkreisgerichts. Im Hauptsaal beschriften wir die Stühle der verschiedenen Personen und erklären ihre jeweilige Aufgabe. Man kann einen Blick in die Büros der Verwaltung werfen und sieht, was dort geschieht. Offen ist auch unsere Bibliothek. Im kleinen Gerichtssaal zeigen wir historische Bilder. Für Fragen stehen unsere Gerichtspräsidenten und -vizepräsidenten zur Verfügung. Und mit Kaffee und Kuchen ist für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt.

Es geht Ihnen wohl auch darum, die Geschichte des Gerichts aufzuzeigen?

Ja, wir zeigen zum Beispiel die «organische Verfügung», die 1815 bestimmte, dass das Birseck ein eigenes Gericht erhalten sollte, nachdem der Wiener Kongress beschlossen hatte, das Birseck dem Kanton Basel zuzuschlagen. So entstand nämlich am 13. Januar 1816 das, was heute das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West in Arlesheim ist. Und vom Staatsarchiv haben wir viele schöne Fotos erhalten. Zusammen mit einem Historiker haben wir eine Broschüre zusammengestellt, die wir am Tag der offenen Türe verteilen.

Offene Gerichtssäle

im Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West, Domplatz 5/7 in Arlesheim, am Samstag, 16. Januar, 10 bis 16 Uhr.

Am Zivilkreisgericht geht es meistens um abstrakte Sachen, nicht um spektakuläre Straffälle. Ist Ihr Gericht für die breite Bevölkerung trotzdem interessant?

Ich finde, unser Gericht ist sogar spannender als ein Strafgericht. Denn das Themenspektrum ist grösser. Die Bandbreite geht von Erbrecht über Eherecht und Haftpflichtrecht bis hin zu Gesellschaftsrecht. Und wir hatten auch schon brisante, wegweisende Fälle, etwa als es neulich um Lohnfragen ging.

Das ist alles spannend – aber mit dem Zivilgericht verbindet man nur Streit und Probleme, und man geht kaum freiwillig hin. Erwarten Sie trotzdem viele Besucher am 16. Januar?

Ich mache mir keine Illusionen, die Türen wird man uns nicht einrennen. Aber ich hoffe schon, dass der eine oder andere Interessierte kommt, etwa Schulklassen. Nicht zuletzt habe ich Werbung bei Kantonsangestellten gemacht. Es geht bei uns oft um Sachen, mit denen sie immer wieder zu tun haben, etwa Erbschafts- und Grundbuchfragen.

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