Glace
Zolli-Cornets: Beliebter Genuss mit gutem Gewissen

Die Zolli-Cornets werden in Münchenstein produziert – einen erheblichen Anteil an der Herstellung der Glaces haben Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Tobias Gfeller
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Führungen durch die Glace-Produktion sind beliebt. tg

Führungen durch die Glace-Produktion sind beliebt. tg

Limmattaler Zeitung

Wer kennt sie nicht, die Zolli-Cornets mit dem knusprigen Biskuit und dem spitzen, aromatischen Glacekopf darauf. Zu einem Zoobesuch im Sommer gehört diese Basler Bekanntheit einfach dazu. Produziert werden sie von der Gelati Gasparini in Münchenstein. Diese zog erst vor drei Jahren in die Dammstrasse 36, vis-à-vis des Gymnasiums. Was viele nicht wissen, Gasparini beschäftigt Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Diese produzieren an geschützten Arbeitsplätzen in aufwändiger Handarbeit die Zolli-Cornets und andere kalte Köstlichkeiten. Gestern stellten sie sich und ihre Arbeit Interessierten in einem Fabrikrundgang vor. Die Arbeitsschritte von der Vermischung der Zutaten der Glacemasse bis hin zur Abfüllung dieser auf die Cornetbiskuits wurden liebevoll präsentiert. Parallel dazu führten die Mitarbeiter die Gäste durch die Fabrik – natürlich durfte am Ende eine kleine Degustation nicht fehlen.

Eigenständigkeit fördern

Organisiert werden diese speziellen Anstellungen von der Gesellschaft für Arbeit und Wohnen (gaw). Der Verein wurde 1987 auf Initiative der Bürgergemeinde der Stadt Basel und der Christoph Merian Stiftung gegründet. Ziel ist die gesellschaftliche und berufliche Integration von Menschen mit einer (hauptsächlich psychischen) Behinderung. Gefördert wird insbesondere die eigenständige Erwerbsfähigkeit und Lebensführung. Ein Schwerpunkt liegt im Ausbildungsbereich.

Diese geschützten Arbeitsplätze bieten ihnen die Möglichkeit, einem Beruf in einem Umfeld mit weniger Stress und Hektik nachzugehen. So können Menschen trotz eines Handicaps und einer Invalidenrente einer geregelten Arbeit nachgehen. Dies sei ganz im Sinne der sechsten IV-Revision, die sich die Integration von Menschen mit einer Behinderung in den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt auf die Fahne geschrieben hat, erklärt Heinz Eckhardt, Leiter Coaching und Wohnen bei der gaw. Momentan sind sieben psychisch Kranke in der Produktion, einer als Fahrer und einer in einer kaufmännischen Ausbildung beschäftigt. Einen Einfluss auf die Höhe ihrer IV-Rente haben diese Anstellungen nicht. Sie bekommen «einen relativ tiefen Stundenlohn und werden nach Leistung bezahlt», betont Eckhardt. Die meisten von ihnen arbeiten Teilzeit.

Längerfristiges Ziel solcher vom Kanton subventionierter Arbeitsplätze ist die Integration vom aktuell zweiten in den ersten Arbeitsmarkt. Dies gelinge laut Eckhardt im Fall von der bei der Gasparini Angestellten eher selten, aber kommt einzeln vor. «Das kommt auf die Schwere und den Verlauf der Erkrankung an.»

Mehr Ausfälle

Das kantonale Behindertenkonzept schreibt vor, dass niemand diskriminiert werden darf und jede und jeder ein Recht auf Arbeit hat. Wegen der öfters auftretenden krankheitsbedingten Ausfällen oder sogar Klinikaufenthalten braucht es von den Verantwortlichen und den anderen Angestellten viel Feingefühl im Umgang mit ihren «speziellen» Mitarbeitern.

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