Abstimmung
Zahlenstreit im Abstimmungskampf ums Läufelfingerli

Die Kosten für den Bus seien nicht ausgewiesen, sagen die Gegner der Bahn-Stilllegung.

Hans-Martin Jermann
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Auslaufmodell? Die Fahrgastzahlen des Läufelfingerli (hier bei Rümlingen) sind in den letzten Jahren gesunken.

Auslaufmodell? Die Fahrgastzahlen des Läufelfingerli (hier bei Rümlingen) sind in den letzten Jahren gesunken.

Jonas Hoskyn

Die Kritik der Oberbaselbieter Grünen-Landrätin Florence Brenzikofer ist harsch: «Der Kanton weist die Kosten für den künftigen Busbetrieb im Homburgertal nicht transparent aus.» Mitten im Abstimmungskampf um die geplante Stilllegung des Läufelfingerlis streiten die Protagonisten – nicht ganz überraschend – um Zahlen. Bei der Umstellung von Bahn auf Bus zwischen Sissach und Olten stünden Kantonsgelder von 2 Millionen Franken pro Jahr auf dem Spiel, sagt die zuständige Regierungsrätin Sabine Pegoraro (FDP). 840'000 Franken sparen könnte der Kanton wegen tieferer Betriebskosten, weitere 400'000 Franken, weil er nach Stilllegung der Bahn keine Infrastrukturpauschale mehr an den Bund bezahlen muss. Zudem wird es der Kanton in diesem Szenario nicht riskieren, dass er wegen der allfälligen Streichung der Bundesbeiträge von 730'000 Franken an die schlecht ausgelastete Linie in die Bresche springen muss.

Gelegenheit verpasst

Die Gegner der Bahn-Stilllegung rund um Brenzikofer zweifeln daran, dass die Umstellung auf Bus viel günstiger kommt als der heutige Bahnbetrieb. «Ich weiss immer noch nicht, wie viel der Bus pro Jahr kostet», sagte Brenzikofer nach der Fragestunde der gestrigen Landratssitzung. Laut Pegoraro hat der Kanton keine Kostenevaluation durchgeführt, als auf der S9 im vergangenen März wegen einer Baustelle letztmals Busse statt der Bahn verkehrten.

«Die Kosten werden von den SBB getragen. Die Höhe ist uns daher nicht bekannt», sagte Pegoraro. Brenzikofer schüttelt den Kopf darüber, dass der Kanton die Gelegenheit nicht beim Schopf gepackt hat, den Busbetrieb kostenmässig durchzuspielen. Auch ist sie nicht überzeugt, dass sich diese Kosten nicht in Erfahrung bringen lassen.

Daneben wollte Brenzikofer wissen, ob durch den parallelen Einsatz mehrerer Busse zusätzliche Kosten entstehen. Pegoraro verneinte dies. Sie informierte, dass in der Spitzenstunde zwischen 7 und 8 morgens bis zu sechs Busse – drei Standard- und drei Gelenkbusse – mit einer Gesamtkapazität von 500 Personen in Sissach eintreffen. «Mit der Umstellung der S9 auf Busbetrieb wird also selbst zu Stosszeiten gewährleistet, dass alle Fahrgäste befördert werden können», betonte Pegoraro. Brenzikofer fragte, ob diese hohen Kapazitäten in die Berechnungen zum 8. Generellen Leistungsauftrag (GLA) für den öV, über den am 26. November abgestimmt wird, eingeflossen seien. Laut Brenzikofer war bisher stets von maximal vier Kursen die Rede.

Bus bietet Viertelstundentakt

Auch bei der Infrastruktur entstünden keine zusätzlichen, bisher nicht kalkulierten Kosten, sagte Pegoraro. Im GLA sind Bauinvestitionen von 500'000 Franken für eine neue Bushaltestelle in der Sommerau eingestellt. Alle anderen Haltestellen seien bereits vorhanden. Auch diese Aussage zweifelt Brenzikofer an: Wenn zu Stosszeiten drei lange Gelenkbusse hintereinander fahren, dann brauche es gemäss Sicherheitsvorschriften doch grössere Haltebuchten. Für sie ist klar: «Die Investitionskosten sind höher als im GLA ausgewiesen.»

Nötig sei zudem die Einrichtung eines Buswendeplatzes in Läufelfingen. Dies, weil wohl nicht alle Busse von Sissach weiter über den Hauenstein nach Olten fahren werden.

Pegoraro betont, dass das öV-Angebot mit der Umstellung von Bahn und Bus im Homburgertal verbessert werde. Zwischen Sissach und Buckten entsteht zu den Hauptverkehrszeiten durch die Überlagerung der bereits bestehenden Buslinie 108 (Sissach-Wittinsburg) mit der neuen Linie 110 (Sissach-Olten) zwischen Sissach und Buckten ein Viertelstundentakt; zwischen Buckten und Olten ein Halbstundentakt. Ausserhalb dieser Zeiten gilt ein Halbstundentakt respektive ein Stundentakt. Bei Pegoraros Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) räumt man ein, dass der Zug generell das schnellere Verkehrsmittel ist und durch die Umstellung auf Bus Richtung Zürich, Bern und Luzern teils längere Fahrzeiten resultieren. Diese könnten aber durch den kürzeren Anmarschweg zu den Bushaltestellen und wegen besserer Anschlüsse für die Mehrheit der Nutzer kompensiert werden.