Beizer aus der Region
Wo die Ampel niemals auf Rot steht

In der Serie «Beizer aus der Region» besucht die bz Gastwirte in der Region. Heute sind wir zu Gast bei Tine Andersen Marbot und Heinz Marbot im Homburger Stübli in Rümlingen.

Simon Tschopp
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Tine Andersen Marbot und Heinz Marbot: «Der Wunsch hat sich erfüllt, unser Leben auch während der Arbeit zu teilen.» Rechts das schwarze Brett an der Wand in der Gaststube.Roland Schmid

Tine Andersen Marbot und Heinz Marbot: «Der Wunsch hat sich erfüllt, unser Leben auch während der Arbeit zu teilen.» Rechts das schwarze Brett an der Wand in der Gaststube.Roland Schmid

Auf dem Parkplatz vor Ihrem Restaurant steht eine Verkehrsampel, die auf Grün geschaltet ist. Was bedeutet das?

Heinz Marbot: Grün heisst, das Homburger Stübli ist offen. Wenn die Lichter in unserem Restaurant angehen, schaltet die Ampel stets auf Grün. Und wenn wir geschlossen haben, ist sie ausgeschaltet und nicht auf Rot. Dies ist für uns keine sympathische Farbe, die gibt es hier nicht.

Wenn Sie geschlossen haben, ist die Ampel einfach dunkel.

Marbot: Ja. Darauf ist Verlass. An Ruhetagen und während der Ferien ist die Ampel aus.

Welche Absicht steckt dahinter?

Tine Andersen Marbot: Die Ampel bekamen wir geschenkt von jemandem, der früher beruflich mit solchen Verkehrssignalen zu tun hatte. Vorerst fristete sie auf dem Estrich ihr Dasein. Plötzlich hatte mein Mann die spontane Idee, die Ampel auf dem Parkplatz aufzustellen. Das passte. So sehen die Leute: Aha, es leuchtet das grüne Fussgänger-Männchen, wir können hineinlaufen.

Das Homburger Stübli ist ein Traditionsrestaurant. Der wie vielte Wirt sind Sie, der diese Gaststätte führt?

Marbot: Keine Ahnung. Es herrschten Zeiten, als es viele Wechsel gab. Wir kennen jedoch unseren Vorgänger und zwei, drei Namen von Wirten, die früher hier gewirkt haben. Vor etwa 45 Jahren wurde das Homburger Stübli so umgebaut, wie es sich jetzt präsentiert.

Haben Sie zuvor schon ein Restaurant geführt?

Marbot: Nein.

Weshalb haben Sie sich vor knapp drei Jahren dafür entschieden?

Andersen: Wir haben etwas gesucht, wo wir zusammenarbeiten können. Wir hatten nicht mehr länger Lust, uns nur nach Feierabend und an Wochenenden zu sehen. Vor fünf Jahren machten wir uns erste Gedanken über unsere Zukunft. Eine Option wäre Catering gewesen, das wir hobbymässig an Wochenenden betrieben haben. Zudem führten wir an einer Gartenausstellung probehalber ein kleines Restaurant an Wochenenden. Dort machten wir erste Erfahrungen, wie es ist, wenn wir zusammenarbeiten. Und dann stiegen wir ganz mutig im Homburger Stübli ein. Damit hat sich der Wunsch erfüllt, unser Leben auch während der Arbeit zu teilen.

Waren Sie zuvor schon in der Gastronomiebranche tätig?

Marbot: Nein, ich war Quereinsteiger. Zwar hatte ich während rund 35 Jahren an Anlässen von Vereinen gekocht, in denen ich Mitglied war. Auch privat kochte ich schon immer gerne. Dies gab mir den Mut zum Risiko, es zu probieren und eine neue Herausforderung anzupacken. Hier bekamen wir sehr gute Starthilfe durch einen Sohn, der ein sehr guter gelernter Koch ist. Von ihm konnte ich viel profitieren. Das Organisieren lag mir von meinem früheren Beruf als Verkaufsleiter einer grösseren Firma im internationalen Bereich. Aus meinem Hobby wurde mein Beruf.

Wie sieht es bei Ihnen aus, Frau Andersen?

Andersen: Ich war früher Körpertherapeutin und führte eine Praxis für klassische medizinische Massage. Ich wünschte mir schon immer, mit meinem Mann gemeinsam etwas zu tun und Gäste kulinarisch zu verwöhnen.

Sie nennen Ihr Restaurant ein «ländliches Bijou». Weshalb?

Andersen: Es liegt auf dem Land und ist nicht ein gewöhnliches Bauernrestaurant. Unsere Gaststätte versprüht Charme und Gemütlichkeit, kombiniert mit raffinierten Menüs. Auch vom Weinsortiment her bieten wir Spezielles. Und wir betreiben noch einen Weinhandel.

Welche Spezialitäten findet der Gast auf Ihrer Karte?

Marbot: Das Filet im Speckmantel, das sogenannte Homburger Filet, ist sehr beliebt. Im Herbst bieten wir «Suure Mocke» an, den man in Restaurants nur noch selten bestellen kann; dazu gibts «Härdöpfelstock» und Herbstgemüse, zum Beispiel Wirsingwickel. In Kooperation mit unserem Hausmetzger aus Läufelfingen kreieren wir auch Wildspezialitäten.

Andersen: Regelmässige Gäste schauen auch häufig aufs schwarze Brett an der Wand unserer Gaststube. Dort sind saisonale Spezialitäten aufgeführt.

Von heute Samstag bis Ende Monat sind in mehreren Restaurants die Oberbaselbieter Zwetschgenwochen, die der Erlebnisraum Tafeljura jährlich organisiert. Sie sind zum dritten Mal dabei.

Andersen: Wir haben uns erneut tolle Rezepte mit Hochstamm-Zwetschgen ausgedacht – Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Solche Speisen erfreuen sich grosser Beliebtheit. Eben diese Spezialitäten findet man auf unserem schwarzen Brett.

Marbot: Auch bei den Oberbaselbieter Kirschenwochen sind wir immer dabei. Solche Aktionen finden wir eine gute Sache: Produkte aus der Region, aus denen man besondere Gerichte kreieren kann.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem jetzigen Beruf?

Marbot: Die absolute Selbstständigkeit. Dafür tragen wir natürlich auch die entsprechende Verantwortung. Uns kann niemand einen Tritt ans Bein geben. Dies kenne ich von meinen früheren Jobs.

Lässt sichs gut leben als Wirte-Ehepaar?

Marbot: Wenn ich dazu Ja sagen würde, wäre das übertrieben. Wir können leben davon. Es braucht aber noch mehr. Unser Aufbau dauert an. Er ist nach drei Jahren noch nicht beendet. Alles braucht seine Zeit. Wirten ist hartes Brot. Aber unser Ziel ist nicht, einen Maserati zu fahren.

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