Investitionsstau
Wie Wasser in der Wüste suchen: Baselbieter Baudirektor Reber findet keine Projektleiter

Im Kampf gegen den Investitionsstau kündigte Isaac Reber vergangenen Herbst an, neun zusätzliche Projektleiter anzustellen, um endlich wieder das 200-Millionen-Budget auszuschöpfen. Aber erst drei Stellen sind besetzt. Der Markt sei völlig ausgetrocknet. Doch ist der Kanton attraktiv genug?

Michael Nittnaus
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Der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber würde gern seine Bauprojekte vorantreiben, doch er findet kein zusätzliches Personal.

Der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber würde gern seine Bauprojekte vorantreiben, doch er findet kein zusätzliches Personal.

Roman Weyeneth

200 Millionen Franken. An dieser Zahl muss sich ein Baudirektor im Baselbiet messen lassen. Isaac Reber ist erst ein Jahr im Amt, doch der Fluch des Investitionsstaus hat ihn bereits eingeholt. Gerade mal 143 Millionen Franken an Nettoinvestitionen konnte der Grüne für das Jahr 2019 ausweisen. Damit blieb er weit unter ebendieser magischen Zielmarke von 200 Millionen, die das kantonale Investitionsbudget jährlich vorsieht. Die Folgen sind klar: Bauprojekte müssen zurückgestellt werden, verspäten sich schon in der Planungsphase.

Dabei wollte Reber von Anfang an etwas gegen das chronische Unterschreiten des Investitionsbudgets tun. In den vergangenen acht Jahren lag Baselland bloss dreimal über der 200er-Grenze – und das knapp. Stolz präsentierte er seine Lösung bei der Vorstellung des Aufgaben- und Finanzplans 2020–23 im vergangenen Herbst: «Wir schaffen gestaffelt neun zusätzliche Stellen zur besseren Ausschöpfung des Jahresbudgets», sagte er. 1,2 Millionen Franken gab die Regierung dafür frei.

Erst drei von neun neuen Stellen sind besetzt

Konkret sollten ab 2020 je drei neue Projektleiter-Stellen im Hochbauamt (HBA), Tiefbauamt (TBA) sowie im Amt für Industrielle Betriebe (AIB) geschaffen werden. Als Sofortmassnahme bewilligte die Regierung zudem 1,7 Millionen Franken, damit externe Planer gewisse Projekte vorantreiben. Im Fokus stehen Instandsetzungsarbeiten von Schulhäusern oder die Planung von Verkehrsprojekten.

Wir haben extrem Mühe, genügend qualifizierte Leute für die zusätzlichen Projektleiter-Stellen zu finden.

(Quelle: Nico Buschauer, Sprecher Bau- und Umweltschutzdirektion BL)

Nun zeigt sich: Vor allem was die Besetzung der neun neuen Stellen angeht, konnte Reber seinen Worten noch keine Taten folgen lassen. Gegenüber der bz legt die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) den aktuellen Stand offen. Insgesamt konnten erst drei Projektleiterstellen besetzt werden: eine per 1. April im AIB, eine per 1. August im HBA sowie eine Stelle im TBA, für die per Juli 2021 eine interne Lösung gefunden werden konnte.

Muss der Kanton mehr bieten?

Für vier weitere Stellen laufe die Rekrutierung, die zwei restlichen sollen erst später besetzt werden, sagt BUD-Sprecher Nico Buschauer. Es sei auch nie das Ziel gewesen, schon alle Stellen 2020 zu besetzen. Informationen der bz, wonach der Kanton grosse Probleme hat, geeignete Leute zu finden, bestätigt er aber: «Wir haben extrem Mühe, genügend qualifizierte Leute für diese Projektleiter-Stellen zu finden.» Buschauer macht dafür den ausgetrockneten Markt verantwortlich. «Architekten, Ingenieure oder Geowissenschafter, die die Qualifikationen für den Posten eines Projektleiters mitbringen, sind kaum verfügbar.» Bewerbungen gebe es zwar für jede Stelle, doch erfüllten sie oft die Ansprüche des Kantons nicht.

Konkret benennt Buschauer zwei offene Stellen im Tiefbauamt, für die bisher noch keine geeigneten Kandidaten gefunden wurden, obwohl man die Stellen schon Anfang Jahr habe besetzen wollen. Und im Hochbauamt brach man eine Ausschreibung gar ab, da ein Teil der Organisation neu überprüft wird.

Der ausgetrocknete Markt allein genügt Jan Kirchmayr als Erklärung nicht. Der SP-Landrat vermutet noch etwas anderes: «Dass der Kanton Mühe hat, gute Leute zu finden, könnte auch an den Anstellungsbedingungen liegen», sagt das Mitglied der Bau- und Planungskommission. Der Lohn könnte ein Grund sein, weswegen Topleute abwinken. «Dann muss der Kanton eben mehr bieten», sagt Kirchmayr. Die SP habe schon seit Jahren auf den Investitionsstau hingewiesen. Nun müsse endlich etwas passieren.

Topleute oft mit viel zu hohen Lohnwünschen

«Es mag sein, dass in der Privatwirtschaft teils höhere Löhne gezahlt werden, doch bei der Besetzung der Projektleiter-Stellen scheiterte es nur sehr selten daran», sagt Buschauer. Die neun Stellen seien in den kantonalen Lohnklassen 10 bis 14 eingeordnet, was in der Regel Jahreslöhne von gut über 100000 Franken bedeutet.

Unterstützung erhält der Kanton vom Berufsverband der Architekten und Ingenieure SIA: «Der Markt ist tatsächlich ausgetrocknet», sagt Margot Meier, Präsidentin der Sektion Basel. Die Auftragslage sei so gut, dass kaum gute Leute auf Jobsuche seien. «Und dann haben sie oft sehr hohe Lohnvorstellungen, die höchstens General- oder Totalunternehmer zahlen können», sagt Meier, die bei Rapp Architekten arbeitet. Der Kanton Baselland habe durchaus marktkonforme Löhne, so ihre Erfahrung.

Baudirektor Reber wird also auch 2020 an der magischen Grenze von 200 Millionen Franken scheitern. Buschauer kommentiert trocken: «Alles andere ist unrealistisch.»

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