Sicherheit
«Wenn wir noch weiter sparen, fällt uns die Bildung auf den Kopf»

Im Gymnasium Muttenz fiel eine Wandtafel auf eine Schülerin. Mit mangelndem Unterhalt habe das nichts zu tun, erklären die Verantwortlichen. Einige Schüler nahmen den Vorfall zum Anlass, um auf den drohenden Bildungsabbau aufmerksam zu machen.

Michel Ecklin
Drucken
Teilen
Die Muttenzer Schüler kritisierten gestern in einer Aktion den Bildungsabbau, nicht bröckelnde Schulhäuser.

Die Muttenzer Schüler kritisierten gestern in einer Aktion den Bildungsabbau, nicht bröckelnde Schulhäuser.

Daniel Nussbaumer

Im Gymnasium Muttenz fiel letzten Donnerstag mitten im Unterricht eine Schreibtafel von einer Wand herunter und verletzte eine Schülerin. Zwar trug die junge Frau keine Frakturen davon, wie erst vermutet wurde. Trotzdem stellt sich die Frage: Ist das Gymnasium Muttenz in einem so schlechten Zustand, dass man um die Sicherheit der Schüler fürchten muss?

Derzeit untersucht die Polizei, wie es zum Unfall kam – der nicht im Hauptgebäude der Schule geschah, sondern im Berufsbildungszentrum in der Nähe, wo sich Teile des Gymnasiums befinden. Für Rektorin Brigitte Jäggi steht fest: «Am Gymnasium Muttenz ist die Sicherheit gewährleistet.» Mit einem fehlendem Unterhalt der Räumlichkeiten habe der Unfall nichts zu tun.

Wer montierte die Tafeln?

Auch der stellvertretender Kantonsarchitekt Marco Frigerio sieht keinen Zusammenhang mit dem baulichen Zustand des Gymnasiums. Er vermutet die Unfallursache vielmehr in der Art, wie die Tafel an der Wand befestigt worden sei. Sei eine Tafel an eine Betonwand geschraubt, gebe es keine Probleme. Die in Muttenz Heruntergefallene sei aber an einer Leichtbauwand befestigt gewesen. «Wenn eine Tafel anständig montiert wird, sollte sie eigentlich halten», meint Frigerio. Doch vorsorglich habe man alle an Leichtbauwänden befestigten Tafeln im Gymnasium Muttenz abmontieren lassen.

Unklar ist derzeit noch, in wessen Auftrag die Tafeln montiert wurden. Denn der Kanton kaufte das Gebäude des Berufsbildungszentrums vor rund zwanzig Jahren. Frigerio weiss nicht, ob die Tafeln dann schon existierten. Das werde jetzt abgeklärt. Die Tafeln seien kein Verbrauchsmaterial und würden erst ersetzt, wenn sie nicht mehr gut seien oder wenn sich technische Systeme ändern würden.

Gestern protestierte die «Schülerinnenorganisation» (SO) des Gymnasiums, indem sie an Mitschüler Helme und Sicherheitswesten verteilte und sich explizit auf den Tafelunfall bezog. «Die Sicherheit im Schulhaus ist nicht gewährleistet», hiess es auf einem Flyer, und «Die Schulhäuser im ganzen Kanton bröckeln vor sich hin». Doch das sei ironisch gemeint gewesen, sagt auf Anfrage SO-Präsidentin Caroline Stephan. Den Tafelunfall sieht sie als einmaliges Ereignis, das nichts mit dem baulichen Zustand des Gymnasiums Muttenz zu tun habe. Mit der Helmaktion habe man den Schülern den drohenden Bildungsabbau in Erinnerung rufen wollen, im Sinne von: «Wenn wir noch weiter sparen, fällt uns die Bildung auf den Kopf.»

Aktuelle Nachrichten