Schützenfest
Wenn Stadtbasler und Landschäftler in die gleiche Richtung schiessen

Es ist das grösste Schützenfest der Welt: das Feldschiessen. Am Wochenende massen sich 700 Basler und 4500 Baselbieter Schützen. Im Baselbiet zog das Feldschiessen, das seit Jahren unter Teilnehmerschwund leidet, viele Jugendliche an.

Oliver Sterchi
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«Ich stehe stolz zu meinem Hobby», sagt die 23-jährige Sophie, eine von wenigen Frauen am Feldschiessen in Aesch.

«Ich stehe stolz zu meinem Hobby», sagt die 23-jährige Sophie, eine von wenigen Frauen am Feldschiessen in Aesch.

Oliver Sterchi

Daniel hält die Luft an und drückt den Abzug bis zum Druckpunkt. Hochkonzentriert justiert der 19-Jährige die Schweizer Militärpistole in seiner Hand und drückt ab. Peng. Voll ins Schwarze. Daniel ist zufrieden. Am Schluss des Durchgangs erzielt der Gymnasiast aus Reinach 159 Punkte und gewinnt damit eine Kranzauszeichnung. «Das ist mein erster Kranz überhaupt», freut sich der Jungschütze. Der Reinacher ist einer von vielen jungen Nachwuchsschützen, die sich am vergangenen Samstagnachmittag zum Eidgenössischen Feldschiessen in der Schiessanlage Schürfeld in Aesch eingefunden haben.

Gefühl der Kameradschaft

Der landesweite Anlass findet jedes Jahr statt und ist mit mehreren zehntausend Teilnehmenden das grösste Schützenfest der Welt. Alleine im Baselbiet nahmen letztes Jahr fast 4500 Schützen teil. Auf 13 Schiessanlagen im Kanton messen sich die Schützen aller Altersklassen im Gewehrschiessen über 300 Meter und im Pistolenschiessen über 25 oder 50 Meter. Das Feldschiessen hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert und entstand ursprünglich aus einem militärischen Wehrgedanken. Wie kaum ein anderer Anlass steht es heute für die traditionellen Werte der Schweiz.

Was bewegt junge Leute wie Daniel, diese Tradition weiterzuführen? «Mir gefällt das Gefühl der Kameradschaft, die an solchen Schützenfesten herrscht», sagt der Jugendliche. Er sehe das Schiessen zudem in erster Linie als Sport – nicht als militärische Übung. Unter den vorwiegend männlichen Schützen finden sich vereinzelt auch Frauen. Die 23-jährige Sophie betreibt den Schiesssport schon seit mehreren Jahren. Durch eine Freundin sei sie zum Schützenverein Therwil gestossen, und von da an habe sie das Schiessen gepackt, erzählt die junge Therwilerin. In Aesch tritt sie am Samstagnachmittag zum Pistolenschiessen über 25 Meter an. Als Frau, zumal als junge, bildet Sophie eine Ausnahme im eher männlich dominierten Schützenwesen. Trotzdem fühle sie sich gut aufgenommen und respektiert, sagt das Nachwuchstalent, das in der Vergangenheit bereits zur besten Schützin des Leimentals gekürt wurde. Auch an irritierte Reaktionen aus ihrem Umfeld hat sich die selbstbewusste Jungschützin gewöhnt: «Ich stehe mit Stolz zu meinem Hobby.»

Weg vom Militär, hin zum Sport

Stolz ist auch Thomas Kohler. Der Nachwuchstrainer der Kantonalschützengesellschaft Baselland (KSG) sitzt auf einer Festbank vor der Schiessanlage und beobachtet das bunte Treiben. Kohler fördert talentierte Jungschützen und freut sich über das zunehmende Interesse von jungen Leuten am Schiesssport: «Es ist schön zu sehen, mit welchem Engagement die Jugendlichen sich dem Schiessen widmen.» Das täusche jedoch nicht darüber hinweg, dass viele Schützenvereine über Nachwuchsprobleme klagen. Laut Kohler liegt das unter anderem auch an der fehlenden Anerkennung des Schiesssports in der breiten Öffentlichkeit: «Es muss uns gelingen, dem Schützenwesen den Ruf des Militärischen zu nehmen und es als Breitensportart zu etablieren.»