Zoo Basel
«Weight watching» bei Zoo-Tieren – wichtig, aber schwierig durchzuführen

"Weight watching" ist auch bei Zoo-Tieren wichtig für deren Gesundheit. Um ein grosses Wildtier regelmässig auf die Waage zu kriegen, brauchts allerdings gute Ideen, Training und Fingerspitzengefühl.

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Dank der neuen Waage im Antilopenhaus können Giraffen endlich gewogen werden.
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Das Gewicht – hier von der Tannenzapfenechse – kann dem Tierarzt Hinweise auf Krankheiten geben und hilft ihm, die Dosis von Medikamenten zu berechnen.
Bei einem Jungtier, wie dem Panzernashorn Kiran, zeigt das regelmässig ansteigende Gewicht, dass es gesund und munter ist.
Eine Schildkröte kann der Tierarzt eigenhändig auf die Waage setzen, bei einem Flamingo, der hier zu sehen ist, wird das schon schwieriger.
Kommt hinzu, dass wilde Tiere wie der Katta ungern auf unbekannten Untergrund treten. Bei dieser Lemurenart dient das Wägen hauptsächlich der Gewichtskontrolle, weil Kattas dazu neigen, übergewichtig zu werden.
Ein Tierpfleger wiegt einen Stierkopfhai. Auch das ist möglich, es ist jedoch eine etwas schwierigere Aufgabe.
Mit dem Subtraktionswägen können auch etwas schwierigere Fälle gemeistert werden.
Junge Schneeleoparden können in einen Kessel gelegt werden und dann anhand einer Federwage gewogen werden. Wirklich freuen tut es das Jungtier nicht.
Anhand des Stocks mit dem roten Ende, in der Fachsprache «Target» gennant, können Tiere an den gewünschten Ort gelockt werden.
Ungeliebt aber sehr wichtig: das Wägen von Zoo-Tieren
Im Höfli des Nashornhauses können auch die durchschnittlich zwei Tonnen schweren Tiere gewogen werden.
Bei den kleinen Graumullen ist das Wägen um einiges einfacher.

Dank der neuen Waage im Antilopenhaus können Giraffen endlich gewogen werden.

Zoo Basel

Wie der Zoo Basel mit einer neuen Waage seine Giraffen wägt, hat er am Mittwoch den Medien vorgeführt. Wenn Tierpfleger Alfred Dill nach Xamburu ruft, trottet ihm der Giraffenbulle des Basler Zoos entgegen und stupst mit seiner Nase durchs Stallgitter gegen einen Stock, den ihm Dill entgegenhält. Denn Xamburu weiss, dass es dafür eine Belohnung gibt. Dann geht der Giraffenbulle auf die Waage.

Auch dahin gelockt wird er mit einer Belohnung: Hoch oben an der Stallwand hängt eine Futterkugel, aus der Xamburu Blätter naschen kann - und die Kugel hängt so, dass er sie nur erreichen kann, wenn er mit allen vier Beinen auf der Waage steht. Steht er dort, liest Dill im Nebenraum die Anzeige ab: 731 Kilo wog Xamburu am Mittwoch.

Der Giraffenbulle macht beim Wägen inzwischen mit, wie wenn er dies schon immer getan hätte. Doch bis dahin war viel Training und Geduld des Pflegers nötig. Schon allein, auf eine Gummimatte wie jene auf der Waage zu treten, macht ein Tier scheu - in der Wildnis gebe es ja keine Gummimatten, sagte Zoo-Kuratorin Friederike von Houwald.

Gut fürs Tier und den Tierarzt

Der Zoo Basel wägt alle Tiere, wenn er es kann - seien sie tot, schlafend oder narkotisiert. Früher musste das Gewicht oft geschätzt werden. Zoo-Tierärzte trainieren dies, doch vertun kann man sich dabei schnell. Verabreicht man dann zuviel Medikamente, ist dies für das betroffene Tier ungesund. Gibt man bei einer Operation zuwenig Narkosemittel, kanns für den Tierarzt gefährlich werden.

Gewicht der Basler Zootiere:

- Erwachsener Brillenpinguin: 3-4 kg

- Elefanten: 3270 kg (Rosy), 3155 kg (Maya), 3660 kg (Malayka), 3680 kg (Heri), 4635 kg (Yoga)

- Giraffe: 736 kg (Xamburu), 519 kg (Sophie)

- Katta: 2,2-3,6 kg (erwünscht wäre unter 3 kg)

- Erwachsener Löwe: 130 kg (Weibchen)

- Löwenwelpe: 8-10 kg

- Erwachsenes Nashorn: 1950-2160 kg

- Okapi: 274 kg (Imba), 283 kg (Hazina)

- Erwachsenes Rentier: 80 kg

- Schneeleopard: 40 kg

- Seelöwenbulle: 215 kg

- Erwachsener Strauss: 150 kg

- Straussenküken (erste Messung nach Schlupf): 700 Gramm

- Wellensittich: 65 Gramm

- Zebra: 250 kg

- Erwachsener Zwergotter: 1 kg

- Zwergotterwelpen (4 Wochen alt): 450 Gramm

Wöchentliche oder monatliche Gewichtsmessungen erlauben indes, die Gesundheit der Tiere und die Entwicklung der Jungtiere zu überwachen und nötigenfalls einzuschreiten. Gewichtszunahmen können auf eine Trächtigkeit, Abnahmen auf eine Krankheit hinweisen. Und Kattas, eine Halbaffenart aus Madagaskar, neigen laut Zoo-Tierarzt Christian Wenker zu Übergewicht und brauchen Diät.

In den letzten 15 Jahren ermittelte der Basler Zolli 6000 Gewichtsdaten von Tieren, vom 65 Gramm leichten Wellensittich über das mehr als 2,1 Tonnen schwere Nashorn bis zum 4635-Kilo-Elefantenbullen. Fürs Wägen der Tiere hält er verschiedenste Waagen bereit, von der Feder- bis zur grossen Plattenwaage.

Giraffen- und Okapi-Waage dank Spende

In Neuanlagen werden Waagen in Durchgängen, etwa zwischen Innen- und Aussenanlage, installiert. In alten Bauten sind angepasste Lösungen nötig, und die Tiere müssen fürs Mitmachen trainiert werden. Die Giraffen- und Okapi-Waage im Antilopenhaus des Zoos ermöglicht hat eine 50'000-Franken-Spende des laut seinem Präsidenten Dieter Moor rund 3500 Mitglieder zählenden Freundevereins des Zolli.

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