Artikel zeigt Wirkung
Wegen ihrem Kopftuch bekam sie keine Lehrstelle – Jetzt gibt es viel Zuspruch für die Aescherin

S.U.* aus Aesch veröffentlichte ihre Geschichte in der bz, nun hat sie ein Lehrstellenangebot auf dem Tisch.

Julian Förnbacher
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S.U. aus Aesch (Name der Redaktion bekannt).

S.U. aus Aesch (Name der Redaktion bekannt).

Kenneth Nars

Die Geschichte der 22-jährigen S.U.*, der eine Unterbaselbieter Zahnarztpraxis aufgrund ihres Kopftuchs eine Absage auf ihre Lehrstellenbewerbung erteilt hatte, warf grosse Wellen. Der bz-Artikel wurde von anderen Medien aufgegriffen und sorgte auf Social Media für Diskussionen. Und auch für U. hat sich in den drei Tagen seit der Veröffentlichung einiges getan.

«Ich war schon sehr nervös, als ich wusste, dass meine Geschichte in der Zeitung stehen wird. Ich rechnete mit mehrheitlich negativen Reaktionen. Logisch gab es die auch, aber ich hatte Schlimmeres erwartet. Dass ich auch so viel Verständnis und Solidarität erfahren habe, hat mich tief berührt», sagt die junge Muslimin. Seit drei Jahren sucht U. eine Lehrstelle – vergeblich. Immer wieder wurde ihr als Absagegrund ihr Kopftuch genannt, nun erstmals schriftlich. Die Verzweiflung von U. wuchs, doch aus der aussichtslos scheinenden Situation ergibt sich ein Ausweg.

«Mir haben in den vergangenen Tagen enorm viele Leute, die ich gar nicht kenne, ihre Hilfe angeboten. Viele haben bei ihren Chefs gefragt, ob ich mich in ihrem Betrieb bewerben könne oder mir anderweitig geholfen», erzählt U. Meist kam die Interaktion über Social Media zu Stande. U. kontaktierte Personen, die den Artikel teilten oder kommentierten, um sich zu bedanken. «Oft entstand daraus dann ein enorm wertvoller Kontakt», sagt sie.

Das türkische Konsulat schaltete sich ein

Ein Kontakt brachte U. sogar ein konkretes Lehrstellenangebot ein. Eine Kosmetikerin aus Olten lud sie für nächste Woche zum Vorstellungsgespräch ein. Auch einige Zahnarztpraxen boten U. an, sich bei ihnen zu bewerben – trotz Kopftuch. In den kommenden Tagen könnten also noch einige Vorstellungsgespräche hinzukommen.

Zudem boten drei Juristen ihre Hilfe an, um gegen die Absage vorzugehen. Am Dienstagabend klingelte das Handy der 22-Jährigen – ein Anruf vom türkischen Konsulat. «Sie haben mir gesagt, dass sie stolz sind auf meinen Mut und dass sie viele Geschichten wie meine kennen. Auch sie haben mir juristische Unterstützung zugesichert.» Ob U. diese in Anspruch nehmen will, weiss sie noch nicht. «Ich werde das in den nächsten Tagen mit meinen Eltern in Ruhe besprechen. Das wollen wir nicht vorschnell entscheiden.»

*Name der Redaktion bekannt