Baselbiet
Wegen Harmos: Seklehrer mit befristetem Vertrag haben Pech

Stolz verkündet der Kanton, dass trotz der Stellenreduktion 2015 keinem unbefristet angestellten Sekundarlehrer gekündigt wird. Befristet Angestellte brauchen aber viel Glück. Denn es fallen 200 Vollzeitstellen weg.

Michael Nittnaus
Drucken
Teilen
Für Lehrpersonen mit befristeten Verträgen soll ab Sommer nach Lösungen gesucht werden. (Symbolbild)

Für Lehrpersonen mit befristeten Verträgen soll ab Sommer nach Lösungen gesucht werden. (Symbolbild)

Keystone

«Wenn ein Nichtschwimmer ertrinkt, dann ist das nicht tragisch, sondern konsequent.» Diesen Spruch des deutschen Kabarettisten Gerhard Polt auf die Situation der Baselbieter Sekundarlehrer zu beziehen, die bloss befristet angestellt sind, mag zynisch klingen.

Urs Zinniker, der beim Amt für Volksschulen (AVS) für die Personalplanung der Bildungsharmonisierung zuständig ist, tat auf Anfrage der bz aber genau das. Er erklärt: «Es wäre doch nichts anderes als naiv, wenn ein befristet angestellter Lehrer meint, dass sein Vertrag sicher verlängert wird.»

Dass jene Lehrergruppe gemäss einer gestrigen Mitteilung der Bildungsdirektion ab dem Schuljahr 2015/16 «in der Regel» ihren Job verlieren wird, ist für Zinniker dementsprechend bloss konsequent. Tatsächlich kommt diese Meldung nicht unerwartet.

Mit der Umstellung der Anzahl Primar- und Sekundarschuljahre von 5/4 auf 6/3 Mitte 2015 fallen auf Sekundarstufe 200 Vollzeitstellen weg, während die Primarschulen bloss Bedarf für 100 zusätzliche Vollzeitstellen angemeldet haben. Deshalb wurden Seklehrer schon seit 2011 fast nur noch befristet angestellt.

Erst ab 2016 sieht es besser aus

Diese Strategie führt nun für den Kanton zur erhofften Erfolgsmeldung: «Verkürzung der Sekundarschule gelingt ohne Kündigungen», so der Titel. Will heissen: Sämtliche an den Sekundarschulen unbefristet angestellten Lehrer können ihren Job behalten, und zwar mit gleichem Pensum. Zinniker präzisiert allerdings: «Es kann sein, dass einige Lehrer die Schule wechseln müssen.» Denn sicher sei nur, dass es über den ganzen Kanton verteilt 2015/16 genug Lektionen gibt, um alle unbefristeten Verträge zu erfüllen.

Zudem kann es in einzelnen Fachbereichen zu Reduktionen kommen, sodass Lehrer, die nur dieses Fach unterrichten eventuell ihr Pensum anpassen oder an mehreren Schulen unterrichten müssen. Wer davon betroffen sein wird, entscheidet sich an einer Stellenkonferenz der Sekundarschulleitungen in einem Monat.

Die befristet Angestellten werden immerhin nicht ganz allein gelassen - «aus Respekt vor ihren Leistungen», wie Zinniker sagt. Ab August werde man nach Anschlussmöglichkeiten suchen. Wer ein Jahr anders überbrücken kann, ist im Vorteil: Ab 2016/17 sagt das Bundesamt für Statistik bereits wieder neuen Stellenbedarf der Sekundarschulen voraus.

Erstaunlich gelassen nimmt der Baselbieter Lehrerverein die Meldung des Kantons hin. Präsident Michael Weiss sitzt aber auch im Paritätischen Ausschuss, der die Umstrukturierungen begleitet: «Ich finde, man hat es relativ gut hingekriegt.» Aber er weiss auch: «Es wird unter den befristet Angestellten etliche geben, die in Baselland vorläufig keinen Job mehr finden werden. Da will ich keine falschen Hoffnungen machen.»

Aktuelle Nachrichten