Wahlen
Orts-Parlamente: Die neuen Baselbieter «Dorfkönige» kommen

Die fünf Einwohnerräte im Kanton Baselland haben neue Präsidenten. Für sie gibt es ein spezielles Amtsjahr – mit einem runden Jubiläum.

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen

Die fünf Einwohnerräte, die es im Baselbiet gibt, feiern bald ihr 50 jähriges Bestehen. Die Ortsparlamente in Allschwil, Binningen, Liestal, Pratteln und Reinach nahmen Anfang 1972 ihren Betrieb auf. Damals gab es auch noch ein sechstes Gremium, jenes in Münchenstein. Doch die ausserordentliche Gemeindeorganisation, wie ein System mit Parlamentsbetrieb im Kanton Baselland heisst, wurde dort wieder aufgehoben, ebenso der später eingerichtete Rat in Birsfelden.

Das Amtsjahr der fünf neuen Präsidenten (alles Männer) begann am 1. Juli und endet am 30. Juni 2022. Ihre sichtbarste Aufgabe besteht darin, die Sitzungen zu leiten. Und weil sie der Legislative vorstehen, gelten die fünf Männer als die höchsten Einwohner ihrer jeweiligen Gemeinden.

Wir stellen alle fünf neuen Präsidenten vor:

Allschwil: Niklaus Morat (SP)

Niklaus Morat.

Niklaus Morat.

zVg

Niklaus Morat schreibt, er wolle, dass das 50-Jahr-Jubiläum Anfang des kommenden Jahres «angemessen gewürdigt» werde. Weiter nimmt sich der 54-Jährige Tramwagenführer vor, den Ratsbetrieb «etwas flüssiger zu machen». Der Vater von zwei erwachsenen Söhnen stieg 2010 in die Politik ein, 2012 wurde er Einwohnerrat der SP Allschwil, die er mittlerweile präsidiert. Anlässe werde er besuchen, soweit es die Coronaregeln und sein Schichtdienstplan zuliessen.

Binningen: Sven Inäbnit (FDP)

Sven Inäbnit.

Sven Inäbnit.

zVg

Sven Inäbnit kennen die bz-Leserinnen und -leser wohl eher von der kantonalen Politbühne: Der Pharmazeut, der in der Geschäftsleitung von Roche Pharma Schweiz sitzt, politisiert seit 2013 im Landrat. Im Binninger Einwohnerrat aktiv ist der 57-Jährige seit 2009. Für sein Amtsjahr nehme er sich vor, «einen geordneten und effizienten Ratsbetrieb zu garantieren, damit genug Zeit und Raum besteht für die vertiefte inhaltliche Diskussion der Geschäfte». Auch wolle er seine «tolle Gemeinde würdig gegen Aussen repräsentieren». Seine Familie unterstütze ihn bei all seinen Engagements («sonst ginge das gar nicht»), dafür sei er ihr «unendlich dankbar».

Liestal: Markus Rudin (SVP)

Markus Rudin.

Markus Rudin.

zVg

«Ich schätze seit je die Vorzüge der Stadt Liestal, und liebe es, hier zu leben», schreibt Markus Rudin. Deshalb sei es ihm auch wichtig, die Zukunft Liestals mitzugestalten, und als Einwohnerrat könne er das umsetzen. «Und es macht mich stolz, für ein Jahr den Präsidenten dieses Rates verkörpern zu dürfen.» Er schätze es, dass im Rat die politische Meinung der Mitglieder nicht auf die Parteizugehörigkeit reduziert werde, sondern jeder und jede seine persönliche Meinung einbringen und die Geschicke der Stadt mitbestimmen könne. Rudin ist in Liestal geboren und ist Inhaber und Geschäftsführer der «Oldtimer- und Feuerwehr Maintenance».

Pratteln: Christoph Zwahlen (Unabhängige Pratteln)

Christoph Zwahlen.

Christoph Zwahlen.

Lukas Montanes

Christoph Zwahlen gilt im Prattler Einwohnerrat auch ein wenig als Interessensvertreter der Längi, des Quartiers auf der Nordseite der Autobahn, das sich von der übrigen Gemeinde etwas vernachlässigt fühlt. Von seinem Engagement für die Längi, wo er seit 27 Jahren lebt, zeugt sein jüngster Vorstoss: Darin fordert der Vertreter der Ortspartei der Unabhängigen Pratteln (UG), dass der direkte Fahrweg von Längi-Salina Raurica via Sandgruben ins Prattler Ortszentrum Pratteln erhalten bleibt. Verkehrsthemen liegen dem Vater von sieben erwachsenen Kindern – das hat wohl mit seinem Beruf zu tun: Der begeisterte Chorsänger ist Zugchef bei den SBB.

Reinach: Urs Künti (CVP)

Urs Künti.

Urs Künti.

zVg

Er sei zufällig in die Politik gerutscht, sagt Urs Künti. alt Gemeinderat Josef Küng habe ihn 2012 angefragt, ob er für den Einwohnerrat kandidieren wolle – gesagt, getan. Neun Jahre danach steht Künti dem Rat vor. Sein Ziel sei nicht zuletzt, dass das Ortsparlament seine Sitzungen wieder mit Zuschauerinnen und Zuschauern durchführen könne. Das war wegen der Covid-19-Pandemie die letzten fast eineinhalb Jahre nicht mehr möglich. Der 53-Jährige ist in Reinach aufgewachsen und arbeitet als «Finänzler» bei einer Gemeinde im Baselbiet. Seine Freizeit verbringe er mit seiner Familie und Freunden, die er auch gerne bewirte, schreibt der Fasnächtler.

Aktuelle Nachrichten