Sissach
Von Guillotinen bis Handschellen findet sich alles im Henkermuseum

Daumenschrauben, Guillotinen, Folterbirne und Gefängnissstimmung: Das Henkermuseum von Guido Varesi ist eine unheimliche Angelegenheit. Der Oberbaselbieter möchte mit seiner Ausstellung das Treiben im Mittelalter anders darstellen.

Catherine Weyer
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Guido Varesis Sammlung umfasst auch Hinrichtungsgeräte wie die Guillotine.

Guido Varesis Sammlung umfasst auch Hinrichtungsgeräte wie die Guillotine.

Nicole Nars-Zimmer

Kühl ist es, wenn man die Treppe des Henkermuseums hinuntersteigt, obwohl draussen die Sonne scheint. Die niedrigen Temperaturen passen aber zur restlichen Stimmung des ehemaligen Gefängnisses. Unten brennen ein paar Lampen, damit der Besucher lesen kann, wofür die ganzen Instrumente in den Vitrinen gebraucht wurden: Daumenschrauben, Folterbirne oder ein mannshoher Aufzug. Hört sich brutal an, sieht schlicht aus und hatte eine fromme Bestimmung. «Beim Foltern ging es eigentlich darum, den Teufel auszutreiben», erklärt Guido Varesi, der Hüter des Henkermuseums.

In der Schweiz hingerichtet

Einen anderen Blickwinkel auf das grauslige Treiben des Mittelalters geben: Dieses Ziel hegt Varesi mit seinem Henkermuseum, einem illustren Schmuckstück am Ortseingang von Sissach, das immer wieder Schaulustige aus der ganzen Welt ins Oberbaselbiet zieht. Etwa 1800 Leute aus dem In- und Ausland seien es jährlich, die sich in Varesis Museum umsehen.

Auch seine Sammelstücke haben teilweise einen weiten Weg hinter sich. Der Folterkäfig, der im Film «Sleepy Hollow» gebraucht wurde, hängt hier ebenso wie das Beil, das den Hals eines dänischen Hofdoktors durchtrennt hat oder auch ein Tischchen, an dem die Henker in einem Restaurant Platz nehmen durften – besser gesagt mussten.

Varesi sammelt Dinge rund um Folter, Todesstrafen und Hexerei, seit er denken kann. Und hat sich über die Jahre international einen Namen gemacht. «Ich werde oftmals direkt angefragt, ob ich mich für ein Stück interessiere», erzählt der 50-Jährige. So kommt er an die exklusive Schmuckstücke. Der Besucher bekommt so einen Mumienkopf zu sehen, 40 Zentimeter lange Eisennägel, mit denen abgeschlagene Köpfe aufgehängt wurden oder das Gnadengesuch von Paul Irniger, einem der Letzten, die in der Schweiz hingerichtet wurden.

Das Henkermuseum ist nicht für Jeden, das weiss auch Varesi: «Es gibt Leute, die sind fasziniert, andere müssen gleich wieder raus, für die ist es zu viel.» Zuviel, weil man sich dank der gut erhaltenen Utensilien vorstellen kann, wie es damals zugegangen ist.

Auch etwas zum Schmunzeln

Und auch wenn er selbst nicht abergläubisch ist, sind Varesi manche Dinge nicht ganz geheuer: «Wenn ich eine Guillotinenklinge in der Hand habe, verspüre ich immer den Drang, mich gleich zu waschen.» Dass seinen Objekten noch etwas aus der Vergangenheit anhaftet, davon ist er überzeugt. Und die Lokalität, das ehemalige Gefängnis von Sissach, unterstreicht dies noch. Aber trotzdem: Varesi fühlt sich in seinen vier Wänden, umgeben von etwa 450 Folterinstrumenten, sichtlich wohl.

Alles auf einem Haufen, das wäre auch Varesi zu viel. Deshalb heitert er seine Sammlung mit einigen, nicht minder kuriosen, Stücken auf. Zum Beispiel einer Hühnerguillotine, die in einer Suppenhuhnfabrik gebraucht wurde. Oder dem elektrischen Stuhl, auf dem der Sissacher Entfesslungskünstler Pius Buser in den 1920er-Jahren sein Können zum Besten gab. «Die Besucher sollen zwischendurch auch etwas zu Schmunzeln haben, sonst wäre das hier ein deprimierender Ort», meint der Museumsbesitzer, der seine Gäste persönlich durch das kleine Museum führt.

Und was macht Varesi, wenn er nicht gerade sein «Gefängnis» hütet? «Dann bin ich ein moderner Foltermeister», sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Er betreibt ein Tattoo-Studio.

Henkermuseum Sissach, Kirchgasse 2. Jeden ersten und dritten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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