Verkehr
Landrat will Tempo auf der A22 bei Liestal nicht von 80 auf 60 reduzieren: Lärmproblem bleibt noch Jahre bestehen

Der Kanton Baselland wird beim Bund keine Temporeduktion auf der A22 für einen Abschnitt bei Liestal beantragen. Die Mehrheit des Landrates hält die Gefahr einer Verkehrsverlagerung auf die lokalen Strassen durchs Stedtli für zu hoch.

Michael Nittnaus
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Die Umfahrung Liestal A22 ist stark sanierungsbedürftig - auch beim Lärmschutz.

Die Umfahrung Liestal A22 ist stark sanierungsbedürftig - auch beim Lärmschutz.

Kenneth Nars

Etwas ist Fakt: Die sanierungsbedürftige A22 hält die Lärm-Immissions-Grenzwerte im Stadtgebiet Liestals nicht ein. Über 500 Anwohner sind gemäss Berechnungen davon betroffen. Dass sich dies ändern muss, war an der Landratssitzung heute Donnerstag unbestritten.

Mit 51 zu 32 Stimmen bei einer Enthaltung lehnte aber eine klare Mehrheit ab, deshalb auf einem bestimmten Abschnitt der A22 das Tempo von 80 auf 60 zu reduzieren. Ein Postulat von Thomas Noack (SP) wurde als erledigt abgeschrieben, wodurch der Kanton keinen entsprechenden Antrag ans Bundesamt für Strassen Astra stellen wird. Der Bund hatte die A22 per Anfang 2020 übernommen.

Wer der A22 ausweichen will, muss 11 Ampeln passieren

SVP, FDP, CVP, aber auch eine Mehrheit der Grünen/EVP befürchtete, dass bei einer Temporeduktion, die eine 20 Sekunden längere Fahrzeit bedeuten würde, eine Verkehrsverlagerung von der Umfahrungsstrasse auf das lokale Strassennetz eintritt. Dies hatten Berechnungen des Kantons ergeben. Der zuständige Regierungsrat Isaac Reber warnte zudem vor einem falschen Signal ans Astra: Würde Tempo 60 eingeführt, könnte der Bund geneigt sein, mit der umfassenden und dringend benötigten Sanierung der A22 noch länger zuzuwarten. Schon heute geht der Kanton davon aus, dass der Bund erst in fünf bis zehn Jahren damit beginnt.

Dabei ist es äusserst unsicher, ob eine Temporeduktion tatsächlich zu einer Verkehrsverlagerung ins Stedtli führen würde. «Wegen 15 bis 20 Sekunden längerer Fahrt weicht man doch nicht auf die kommunalen Strassen aus, die viele Ampeln haben», sagte Noack im Plenum. Dessen Fraktionskollege Roger Boerlin machte den Selbstversuch: 11 Ampeln habe er bei der Ausweichroute durchs Stedtli passieren müssen und dadurch mehrere Minuten Zeit verloren.

Wirkliche Entlastung brächte erst ein Tunnel

Die SP war mit dieser Haltung nicht ganz allein: Der Liestaler Freisinnige Thomas Eugster bezeichnete die Studie des Kantons als «nicht realistisch». Er sieht beim Thema A22 grundsätzlich rot: «Die A22 ist ein Schandfleck und die Brücke über die Ergolz wahrlich keine Meisterleistung. Der Kanton muss endlich die Planungen für einen Tunnel an die Hand nehmen, sonst geschieht auch beim Astra nichts.»

Die Mehrheit des Parlaments war aber für Abschreiben des Postulats. SVP-Landrat Andi Trüssel drehte die Sichtweise auf das Verkehrs- und Lärmproblem kurzerhand um:

«Heute bauen viele ein Haus an eine Strasse, obwohl klar ist, dass es dort Lärm gibt.»